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Der neue grosse Saal sagt hallo!Kinoansicht. S-Bahn Obertürkheim: 200m geradeaus und gleich links sehen Sie mich! Gastro
                                            
Unser Filmprogramm von Montag, 17.7. bis Mittwoch, 26.7.17:

WELCHER FILM IN KINOTHEK 1 ... Beginn DATUM WELCHER FILM IN KINOTHEK 2 ... Beginn
HIDDEN FIGURES  UNERKANNTE HELDINNEN 20.15 Mo 17.7. LION  DER LANGE WEG NACH HAUSE 20.15
DIE HÜTTE  Ein Wochenende mit Gott 20.15 Di 18.7. BOB DER STREUNER 20.15
EIN DORF SIEHT SCHWARZ
VERLEUGNUNG
18.30
20.30
Mi 19.7. HAPPY BURNOUT
***PAULA  MEIN LEBEN SOLL EIN FEST SEIN
18.30
20.30
EIN DORF SIEHT SCHWARZ 20.15 Do 20.7. HIDDEN FIGURES  UNERKANNTE HELDINNEN 20.15
NEU    SOMMERFEST 20.15 Fr 21.7. NEU    A UNITED KINGDOM 20.15
ÜBERFLIEGER  Kleine Vögel, großes Geklapper
*DIE HÜTTE  Ein Wochenende mit Gott
EIN DORF SIEHT SCHWARZ
15.00
17.15

20.15
Sa 22.7. BOB DER STREUNER
**EINSAMKEIT UND SEX UND MITLEID
HIDDEN FIGURES  UNERKANNTE HELDINNEN
15.00
17.15

20.15
*ÜBERFLIEGER  Kleine Vögel, großes Geklapper
SOMMERFEST
LION  DER LANGE WEG NACH HAUSE
15.00
17.15
19.30
So 23.7. *BOB DER STREUNER
A UNITED KINGDOM
HAPPY BURNOUT
15.00
17.15
19.30
SOMMERFEST 20.15 Mo 24.7. A UNITED KINGDOM 20.15
LION  DER LANGE WEG NACH HAUSE 20.15 Di 25.7. **HAPPY BURNOUT 20.15
**VERLEUGNUNG
SOMMERFEST
18.15
20.30
Mi 26.7. **Ü100
A UNITED KINGDOM
18.15
20.30
* NUR NOCH KURZE ZEIT  |   ** VORAUSSICHTLICH LETZTE VORSTELLUNG.  |    *** LETZTE VORSTELLUNG.   |   ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR!
Wie zeigen jeweils die deutsche Fassung (2D), wenn nicht anders angegeben.  |  OF=Originalfassung  | OmU=Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Zu Ihrer Information: Filmtheater erstellen ihr Filmprogramm in der Regel von Woche zu Woche. Wir aktualisieren dieses jeden Montag nachmittag für die nächsten zehn Tage. Informieren Sie sich bitte taggenau, denn aufgrund der Fülle an Filmen, die für uns interessant sind und bei nur zwei Kinosälen zeigen wir diese nicht täglich (!) innerhalb der Kinowoche (Donnerstag bis Mittwoch), sondern vielmehr über Wochen hinweg immer wieder tageweise.
Sie können von weiteren Vorstellungen eines Titels ausgehen, wenn dieser ohne Stern versehen ist.
Alle diesbezüglichen Angaben sind ohne Gewähr.

Unsere neu einsetzenden Filme kurz vorgestellt: (Quellen: programmkino.de/kino.de)

SOMMERFEST - 92 min. - Ab 6 J.
Eine charmant-herzhafte Hommage an die Heimat von Sönke Wortmann. Die Liebeserklärung an den Ruhrpott wird verpackt in die Lovestory eines Schauspielers, der sich bei einer kurzen Heimkehr nach Bochum an die ganz großen Gefühle für seine Jugendliebe erinnert. Seine Beziehung in München ist längst ebenso in der Krise wie die Karriere. Höchste Zeit, auf den Reset-Knopf zu drücken, bevor das Leben noch länger ohne einen stattfindet! Nach Vorlage des Erfolgromans von Frank Goosen gelingt Wortmann ein sehr lässig erzählter Heimatfilm mit liebenswert ulkigen Figuren, reichlich Situationskomik sowie ziemlich cleverem Dialogwitz, die „Kleinen Haie“ lassen grüßen: Vor einem Vierteljahrhundert schickte der Regisseur seinen Helden vom Ruhrgebiet auf die Schauspielschule nach München. Diesmal geht die Reise in die umgekehrte Richtung, und präsentiert sich mit der erfrischenden Leichtigkeit von einst. Im Revier kennt sich der Sohn eines Bergmanns bestens aus. Wortmann weiß, wie diese Menschen ticken. Da stimmt jeder Dialog punktgenau. Derweil die gängigen Klischees vergnüglich jongliert und dann gebrochen werden. Um es mit dem charmanten Versager Toto zu sagen: „Storys, ehrlich, wo du hinguckst. Die liegen praktisch auf der Straße, die musst du nur aufheben!“ Wer bis zum Ende des Abspanns wartet, bekommt als Belohnung noch dessen Lieblingswitz zu hören.

A UNITED KINGDOM - 111 min. - Ab 12 J.
London, 1947, kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Ausgelassen tanzen Ruth Williams (Rosemund Pike) und Seretse Khama (David Oyelowo) Lyndi-Hop zu swingenden Jazzklängen. Die beiden könnten auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein. Die weiße Britin arbeitet als Bürokauffrau bei der Versicherung Lloyd’s of London. Der afrikanische Thronerbe aus dem britischen Protektorat Bechuanaland studiert an der Universität Jura. Sein Onkel Tshekedi (Vusi Kenene) wartet bereits auf seine Rückkehr, damit er seine Regentschaft antritt. Dass sich die beiden aufrichtig ineinander verlieben und sogar heiraten wollen führt zum Skandal. Bis in die 90er Jahre unterdrückte in Südafrika eine weiße Minderheit skrupellos eine schwarze Mehrheit, gestützt von westlichen Demokratien als angebliches Bollwerk gegen den Kommunismus. Das schwere Erbe der Apartheid lastet bis heute auf der Regenbogennation. Was Seretse Khama und seiner Frau Ruth im Nachbarland in dieser Zeit gelang, grenzt schon allein deshalb an ein Wunder. Ihr Land bot vielen politischen Flüchtlingen aus Südafrika Asyl. Nicht umsonst stellte Nelson Mandela, die verstorbene, charismatische Ikone für Menschenrechte, fest: „Das Vermächtnis von Sir Seretse Khama lebt in seinem Land fort und ist bis heute ein leuchtendes Beispiel und eine Inspiration.” Mit ihrem herausragenden romantischen Drama erzählt Regisseurin Amma Asante engagiert die wahre, kaum bekannte Geschichte von Prinz Seretse Khama, dem späteren Präsidenten von Botswana, und Ruth Williams, einer weißen Britin. Ihre Liebe trotzte in Zeiten rassistischer Apartheidpolitik dem kolonialistischen britischen Empire und schuf ein Klima der Toleranz. Mit seiner gemeinsamen Kraft schrieb das sympathische, bescheidene Paar selbst Geschichte. In jeder einzelnen Szene dieses überwältigenden historischen Gefühlskinos herrscht eine berührende Spannung, exzellent getragen von den beiden Hauptdarstellern. Nicht nur einmaliges Gefühlskino, sondern zugleich ein hellsichtiges, spannendes, politisches Lehrstück.

Weitere Titel im Programm, kurz vorgestellt: (Quellen: programmkino.de/kino.de)

DIE HÜTTE - Ein Wochenende mit Gott - 132 min. - Ab 12 J.
Der britische Regisseur Stuart Hazeldine verfilmte eine Buchvorlage, die es in sich hat. William Paul Youngs Erzählung "Die Hütte" rangierte 70 Wochen auf Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times. Die fantasievoll bebilderte Kinoadaption spricht vor allem ein religiöses oder spirituell interessiertes Publikum an. Der Held der Geschichte, Mack, begegnet Gott, Jesus und dem Heiligen Geist, den die Japanerin Sumire verkörpert, um den Verlust seiner Tochter zu verarbeiten. Diesen sehr ernst gemeinten Film als Erbauungskitsch abzutun, greift zu kurz. Denn er behandelt eine Grundsatzfrage, die sich viele Menschen stellen: Warum lässt Gott, wenn es ihn gibt, auf der Welt so schreckliche Dinge geschehen? Obwohl Mack und sein Umfeld dem konservativ-christlichen Amerika angehören, in dem auch reaktionäres oder zumindest autoritäres Gedankengut gepflegt wird, setzt der Film an vielen Stellen auf Toleranz und Weltoffenheit. Octavia Spencer macht sich gut als mütterlich liebende, gütige Göttin. Auch der Heilige Geist ist eine Nicht-Weiße und Jesus wird von einem gläubigen israelischen Juden gespielt. Mack erzählte Missy vor ihrer Entführung eine religiöse Indianerlegende. Diese ethnische Vielfalt und der Vergebungsgedanke kontrastieren auf spannende Weise die alttestamentarisch eingefärbte puritanische Tradition, mit der Mack wohl aufwuchs und die ihm den gewalttätigen Vater nicht ersparte. Mit der Genderthematik und der ethnischen Vielfalt der Rollen plädiert das Drama für eine Horizonterweiterung gerade im christlich-weißen Milieu, dem der amerikanische Filmheld angehört. Die Argumentation, wie dieser Vater eines ermordeten Mädchens zurück zum Glauben finden kann, überzeugt mit ihrer Ernsthaftigkeit, während die Bilder zu oft enthemmten Kitsch zelebrieren.

BOB DER STREUNER - 100 min. - Ab 12 J.
Der drogenabhängige James Bowen (Luke Treadaway) weiß nicht mehr, wann er die Kontrolle über sein Leben verloren hat. War es, als er seinen Job verlor? Als er aus seiner Wohnung geschmissen wurde? Als der Kontakt zu seiner Familie abbrach? Mittlerweile lebt der talentierte Musiker auf der Straße und erspielt sich mit seiner Gitarre ein bisschen Geld. Als er den Drogentod eines Freundes mit ansehen muss, will er sein Leben durch Entzug radikal ändern. In seiner kleinen Sozialwohnung ist es ihm zunächst gar nicht recht, als sich ein streunender Straßenkater in seine Wände verirrt. Doch Bob lässt sich nicht abschütteln. Fortan folgt er seinem neuen Herrchen auf Schritt und Tritt und nimmt während James‘ Musiksessions in den Londoner Einkaufsstraßen auf dessen Schultern Platz. Das ungleiche Duo wird von Tag zu Tag beliebter, James findet wenig später sogar einen richtigen Job und lernt mit Belle (Ruta Gedmintas) eine sympathische junge Frau kennen. Bis zu einem Rückfall. Die bemerkenswerte Geschichte vom wohnungslosen, heroinsüchtigen Straßenmusiker, der durch die Freundschaft zu seinem Kater Bob sein Leben ändern konnte, fand auch in deutschen Medien Aufmerksamkeit. Nach der Autobiographie folgt nun die Filmversion, die eigentlich nicht funktionieren dürfte, es aber doch tut, denn die märchenhaft wirkende Geschichte wird durch harschen Realismus kontrastiert. Dies ist die größte Qualität des Films von Roger Spottiswoode, der ein harsches Bild der Realität von auf der Straße lebenden Menschen zeichnet und die Muster einer Sucht keineswegs ausblendet.

EINSAMKEIT UND SEX UND MITLEID … - 119 min. - Ab 16 J.
… ist eine provokante Komödie über die Schwierigkeiten, eine glückliche Beziehung zu leben. Es ist das Kino-Debüt von Lars Montag, die Verfilmung des bitterbösen Bestsellers von Helmut Krausser. Das Episoden-Drama über die Liebe in neurotischen Zeiten erweist sich als clever konstruiert, mit visuellem Einfallsreichtum inszeniert sowie einem schillernden Figurenkarussell, das ein hochkarätiges Ensemble mit spürbarer Spielfreude zum Besten gibt. Die Lage der Nation in Sachen Liebe, so könnte dieses kuriose Kaleidoskop auch überschrieben sein. Flüsternde Erzählerstimmen geben eine Einführung in das famose Figurenkabinett. So kompliziert und abstrus diese „Wer liebt wen, warum und wie?“-Geschichten klingen mögen, so lässig und verspielt sind sie miteinander verwoben. Immer wieder gibt es überraschende Wendungen sowie neue Verknüpfungspunkte, die für verblüffende Wow-Effekte sorgen. Die klassischen Beziehungsthemen wie die Suche nach Liebe, die Angst vor Einsamkeit oder das Verlangen nach Sex werden satirisch flott aufgemischt und mit visuellem Einfallsreichtum inszeniert. Beim Scheitern dieser Helden ist der Zuschauer prompt mittendrin, statt nur dabei. Die wortwitzigen Dialoge fallen dabei so gelungen aus wie die Situationskomik. Umwerfend komische und unheimlich traurige Datinggeschichten vom Leben in einer deutschen Großstadt. Ein wildes Kaleidoskop von Beziehungen und Abhängigkeiten zwischen unterschiedlichsten Großstadtmenschen, die in diesem Film lustvoll wie in einem Spinnennetz zappeln.

VERLEUGNUNG – 111 min. - Ab 12 J.
In diesem Gerichtsdrama nach dem realen Fall David Irving gegen Deborah Lipstadt steht nicht weniger als die historische Wahrheit des Holocaust auf dem Prüfstand. Nach britischem Recht musste Lipstadt belegen, dass Holocaust-Leugner Irving, wie von ihr behauptet, lügt. Vor dem Königlichen Zivilgericht in London standen Lipstadt und ihr Team aus renommierten Anwälten vor der absurden Aufgabe, Beweise für den Genozid an den Juden zu erbringen, das britische Rechtssystem kennt nämlich anders als das amerikanische keine Unschuldsvermutung des Angeklagten. Den Prozessverlauf und die pragmatische Taktik der Verteidigung beleuchten der Regisseur Mick Jackson und der Autor David Hare in diesem faktentreuen Justizdrama, das auf Lipstadts Buch „History on Trial: My Day in Court with a Holocaust Denier“ basiert (dt.: „Betrifft: Leugnen des Holocaust“). Im Zentrum stehen klar gezeichnete Konflikte und eine interessante Frage: Was ist und wer bestimmt die historische Wahrheit? Rachel Weisz als quirlige New Yorker Intellektuelle Lipstadt, die mit so manchem Kompromiss ringt, den ihr die Anwälte im Dienst einer zielführenden Strategie aufnötigen; Tom Wilkinson als Anwalt Richard Rampton, dessen Leidenschaft für die Sache sich hinter einer nüchternen Fassade verbirgt; ganz besonders aber Timothy Spall, der als Irving eine prekäre Balance zwischen Bosheit und Skurrilität meistert, ein britischer Oberschichtler, der sich als Rebell gegen den »Meinungsmainstream« inszeniert und nur zu gern provoziert, doch zugleich etwas merkwürdig Verlorenes ausstrahlt. Die Holocaust-Lüge vor Gericht: Die wahre Geschichte eines weltbewegenden Prozesses, schon jetzt einer der wichtigsten Filme des Jahres.

HAPPY BURNOUT - 90 min. - Ab 12 J.
Der als Burnout beschriebene Erschöpfungszustand ist zusammen mit Depressionen wohl das typischste seelische Leiden in unserer Gesellschaft. Bei André Erkaus dramatischer Komödie lässt bereits der widersprüchliche Titel erahnen, dass die Auseinandersetzung mit der Symptomatik nicht allzu erdenschwer ausfällt. Wotan Wilke Möhring täuscht als Alt-Punk einen Burnout vor, um sich vor der Arbeitswelt zu drücken, und gewinnt bei einer stationären Therapie eine neue Sicht auf sein Lotterleben. Erkau inszeniert aus der pfiffigen Idee eine kurzweilige Komödie, die zur Reflektion eines wichtigen Themas anregen kann. Inszenatorisch geht der Regisseur aber kaum über das Gewöhnliche hinaus und inszeniert einen Wohlfühl-Film mit Hochglanzbildern und trivialen Konflikten. Der Ansatz, den Leistungsdruck der modernen Gesellschaft und das damit verbundene Phänomen Burnout in einem leichten Unterhaltungsfilm zu behandeln, ist nicht unbedingt schlecht. Lachen ist ja sprichwörtlich die beste Medizin. Einige lustige Szenen und der gut aufgelegte Hauptdarsteller, der in seiner Jugend übrigens tatsächlich ein Punk war, lassen die erzählerische Fadheit verschmerzen. Das funktioniert besonders am Anfang, bevor „Fussel“ seinen Lebenswandel hinterfragt und das gesellschaftliche Regelwerk schluckt.

Ü100 – 83 min. – Ab 6 J.
"Was war Ihnen wichtig im Leben?" In „Ü100“ erzählen acht über Hundertjährige von ihrer Lebenswirklichkeit. Drei von ihnen leben noch fast selbständig zu Hause, fünf von ihnen in einem Seniorenheim. Den Wert und den Respekt für das Leben der Hundertjährigen und Hochaltrigen zu erkennen, dass ihnen ihr Leben wichtig ist und sie noch für andere wichtig sind, wird eine der humansten Aufgaben unserer Gesellschaft sein. Sie sind als Humanvermögen einer Gesellschaft im Extrem beispielgebend, was der „Wert des Alters“ bedeuten kann. Diese Senioren lehren uns das Wichtigste beim Älterwerden: Die Entwicklung einer positiven Haltung zum eigenen Alterungsprozess! Glück im Alter hängt von der eigenen Einstellung zum persönlichen Alterungsprozess ab, aber auch von der Einstellung der Gesellschaft zu ihren „Alten“. Das haben Studien gezeigt. Dabei ist weder übertriebener Optimismus in Form von Schönfärberei angesagt, noch helfen Selbstoptimierung oder Beschönigungen weiter. Damit aus dem Älterwerden kein blinder Aktionismus wird, brauchen wir eine zweckmäßigere, realitätsgerechtere und optimistischere Perspektive auf das Alter. Es wäre wünschenswert, das Altsein einzubringen, statt mit einer heuchlerischen Kultur konform zu gehen, welche die Jugendlichkeit rühmt, während sie in Wirklichkeit junge Menschen oft vernachlässigt, abwertet und manipuliert. Jeder will alt werden, aber keiner will alt sein, denn Alter sichert kein Prestige mehr. Ein positives Bild einer alternden Gesellschaft aber verlangt, dass wir ältere Menschen als Ressource und nicht als Bürde ansehen. Das leistet Ü100. Als Blick hinter die Kulissen zeigen uns die acht über Hundertjährigen deutlich: Das Wesen altert nicht, der Charakter bleibt. Nach den Gesprächen macht sich Erschöpfung breit, es wird Zeit für das nächste wohlverdiente Nickerchen. Große Gelassenheit und absolute innere Freiheit: Das gelebte Leben ist längst angenommen, nichts wird mehr auf Effizienz, Perfektion und Selbstdarstellung getrimmt. Was für eine wohltuende und fast immer heitere Gesellschaft. Doch es gibt nichts zu beschönigen: Es sind auch eingeschränkte und abhängige Leben. Aber die Helden dieses Films meistern diese Herausforderung mit viel Würde, Mut, Weisheit und Humor.

Nochmals im Programm. Publikumswunsch:   PAULA - Mein Leben soll ein Fest sein - 123 min. - Ab 12 J.
Das Drama über das kurze, wilde Leben der Paula Modersohn-Becker zeigt eine lebenshungrige Frau, die gegen alle Konventionen um 1900 herum als Künstlerin arbeitet. Christian Schwochow inszeniert formgewandt und in teils wunderbaren Bildern ein Biopic mit Einblicken in eine spannende Epoche und ins Leben einer Künstlerin, deren Werk bis heute strahlt. Carla Juri in der Titelrolle vibriert förmlich vor Lebensfreude und Lebenslust; ihre spontanen Gesten und Blicke, die manchmal überraschend witzigen Kommentare, die sie mit liebenswerter, leicht rauer Mädchenstimme hinwirft, und ihre ganze entschlossene, aufrechte Haltung machen aus Paula eine intelligente, leidenschaftliche Frau auf der Suche nach Erfüllung, sowohl in der Kunst als auch im Privaten. Dabei war die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert tatsächlich eine wilde Zeit, in der ordentlich die Post abging, auch bei den Frauen und vor allem in der Kunstszene, siehe Käthe Kollwitz, Alma Mahler und natürlich Paulas Freundin, Clara Westhoff. Schwochow hat sich als Regisseur starker, widerspenstiger Frauen etabliert, zu denen sich nun auch die Malerin Paula Modersohn-Becker einreiht. Dabei spiegeln sich im historischen Maler-Biopic ganz moderne Themen wie die Vereinbarkeit von menschlichen Beziehungen und beruflicher Selbstverwirklichung, die auch den Regisseur als Vater ebenso wie als Künstler umtreiben. Aber es geht auch um die Widerstände, gegen die eine Frau ankämpfen muss, egal ob sie heute oder um 1900 in Bremen ihrer künstlerischen Berufung folgen will. Wenn die Freunde Modersohn bedrängen, seine Frau wahlweise an die Kandare zu nehmen oder ins Irrenhaus einzuweisen, dann sind das die erschreckend drastischen Maßnahmen, mit denen Männer früher ihre Vorherrschaft verteidigt haben. Im Kontrast dazu arbeiten die Filmemacher die modernen Aspekte dieser Beziehung heraus. Immer stärker befreit sich auch Otto Modersohn aus den Konventionen seiner Zeit, weigert sich, den Forderungen seiner Freunde nachzugeben, geht auf seine Frau zu, entwickelt sogar die Größe, ihre künstlerische Kraft anzuerkennen und behutsam auf sie einzugehen.

EIN DORF SIEHT SCHWARZ – 96 min. – Ab 6 J.
Die wahre Geschichte hinter der Culture-Clash-Komödie spielt zwar im fernen Jahr 1975, ist heute aber leider wieder ziemlich aktuell. Die Geschichte dreht sich um einen frisch promovierten Arzt aus Zaire, der im französischen Hinterland eine Praxis als Landarzt übernimmt und auf rassistische Vorurteile der Anwohner stößt. In Frankreich avancierte die amüsante und rührende Integrationskomödie von Regisseur Julien Rambaldi mit mehr als einer halben Million Zuschauern zum überraschenden Hit. Das bestimmende Thema von ist der alltägliche Rassismus, den Seyolo und seine Familie aushalten müssen. Die zugezogene Familie spricht die französische Sprache, doch das allein reicht nicht aus, um akzeptiert zu werden. Krisen und Zweifel sind erst einmal vorprogrammiert. Die Kampagne gegen den aus Afrika stammenden Arzt, die der politische Gegner des Bürgermeisters inszeniert, dürfte in Zeiten von Le Pen jedem bekannt vorkommen. Aber auch der Rassismus einiger Dorfbewohner ist nur eine Dunkelheit, in die Licht getragen werden kann. Es muss nur jemand die Tür öffnen. Also stimmt Rambaldi in seinem Film eine Hymne auf die Chance an, die sich einer geschlossenen Gesellschaft bietet, wenn sie sich auf Menschen einlässt, die von Außen kommen. Dass es dafür manchmal ein kleines Weihnachtswunder und möglichst noch ein von einem berauschenden Sieg gekröntes Fußballspiel braucht, ist Teil von Rambaldis liebevoller Ironie, die viel effektiver als jeder moralische Fingerzeig ist.

LION – Der lange Weg nach Hause –  118 min. – Ab 6 J.
Die besten Geschichten schreibt bekanntlich das Leben. Eine solch starke Story ist jene des kleinen Jungen, der am Bahnhof vergessen wird. Nach einer Odyssee durch halb Indien landet der Knirps im Heim. Wird von einem Paar in Australien adoptiert. Und macht sich 20 Jahre später auf die Suche nach seiner leiblichen Familie. Überragend ist ein fünfjähriger Kinderdarsteller, der selbst einer überzeugenden Nicole Kidman locker die Show stiehlt. Der australische Regisseur Garth Davis verfilmte die wahre Geschichte dieses Jungen, der als Fünfjähriger in einem tragischen Zufall von seiner Familie getrennt wurde, aber 20 Jahre später zurückfand. Die Reise in die Verlorenheit eines Kindes entwickelt ihre enorme Kraft, weil sich der Film ganz auf die Perspektive des Jungen einlässt, der Kraft der Kinderaugen mehr traut als großen Erläuterungsdialogen und mit der Intensität des filmischen Erlebens westliche Ignoranzstrategien aushebelt. Dem gegenüber muss der zweite Teil des Filmes, in dem sich der erwachsene Saroo (Dev Patel) auf die Suche nach seiner leiblichen Familie macht, zwangsläufig abfallen. Es ist ein indisches Gericht aus der Kindheit, das die Schleusen der Erinnerung öffnet, und die Hightech-Segnungen von Google Earth, die die manische Recherche des Mittzwanzigers ermöglicht. »Lion« beruht auf der Lebensgeschichte von Saroo Brierley, der es tatsächlich geschafft hat, nach einem Vierteljahrhundert seine leibliche Mutter ausfindig zu machen. Ein berührender, angenehm klischeefreier und hervorragend besetzter Film über einen Menschen auf der Suche nach seinen Wurzeln.

HIDDEN FIGURES - UNERKANNTE HELDINNEN - 127 min. - Ab 12 J.
Fast jeder kennt Namen kühner Astronauten. Dass die Weltmacht USA ihren globalen Durchbruch beim Wettrennen ins All jedoch brillanten, afroamerikanischen Mathematikerinnen verdankt, weiß kaum jemand. Trotz aller rassistischen und sexistischen Vorurteile gaben diese Pionierinnen nicht auf und setzten sich Anfang der 60er Jahre in einer weißen und männerdominierten Gesellschaft bei der NASA durch. Einzigartig erzählt das Mut machende, temporeiche, historische Drama ihre außergewöhnliche Geschichte. Dabei agiert das sympathische afroamerikanische Frauentrio Taraji P. Henson, Oscar-Gewinnerin Octavia Spencer („The Help“) und Janelle Monáe („The Equalizer“) in der bislang unbekannten Episode der US-amerikanischen Raumfahrt hinreißend schlagfertig. Auch wenn die Gräuel der Sechziger Jahre, in denen die Übergriffe auf die schwarze Bevölkerung ihren brutalen Höhepunkt erreichen, in dem historischen Gleichberechtigungsdrama eher eine Randnotiz bleiben, wird nichts beschönigt. Regisseur Theodore Melfis optimistische, geradlinige Inszenierung nach dem gleichnamigen Sachbuch von Margot Lee Shetterly missachtet die Abgründe rassistischer Gewalt keineswegs. Im Vordergrund seines spannenden Biopics steht jedoch die solidarische Freundschaft und Lebensfreude des talentierten, entwaffnenden Trios schwarzer Wissenschaftlerinnen, die sich mit Selbstbewusstsein, intelligentem Witz und Kampfeswillen nehmen, was ihnen zusteht. Sie spornen Mädchen und Frauen an, ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, an die eigenen Fähigkeiten zu glauben und hartnäckig Hürden  zu überwinden. Schließlich galten Mathematik und Wissenschaft lange genug als Männerdomäne. Und immer noch bremsen Rollenklischees oft einen Wandel. Ein leidenschaftliches Plädoyer für eine gleichberechtigte Zukunft.

DIE ÜBERFLIEGER - Kleine Vögel, grosses Geklapper - 85 min. - Ab 0 J.
Ein verwaister Spatz wird von einer Storchenfamilie aufgezogen und bekommt Identitätsprobleme: Warum soll nicht auch er im Winter nach Afrika fliegen? Die Koproduktion aus Luxemburg, Belgien, Deutschland, Norwegen und den USA ist ein Animationsspaß für die ganze Familie und versucht Kindern auf spielerische Weise den Unterschied zwischen Übermut und Selbstvertrauen beizubringen. »Überflieger« erzählt seine Geschichte klassisch kindgerecht, mit einem Außenseiter in der Hauptrolle, der sich mit zwei anderen Außenseitern auf eine gefährliche Reise begibt, die die neuen Freundschaften auf die Probe stellt, bei der es aber auch eine Reihe von Begegnungen mit schrägen Charakteren gibt. Das Abenteuer von Richard und seinen sympathisch-durchgeknallten Freunden um die Welt, durch Stürme, auf hohe See und zwischen die Menschen erhielt auf dem International Animation Film Festival Stuttgart eine Nominierung für das “Beste Deutsche Animations-Drehbuch”. Die Musik zum Film wurde in Brüssel vom Philharmonischen Orchester aufgenommen.