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Der neue grosse Saal sagt hallo!Kinoansicht. S-Bahn Obertürkheim: 200m geradeaus und gleich links sehen Sie mich! K2
                                            
Unser Programm von Montag, 20.5. bis Mittwoch, 29.5.19.

KINOTHEK 1 ...      Beginn Datum KINOTHEK 2 ...      Beginn
BOHEMIAN RHAPSODY 20.15 Mo 20.5. VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE 20.15
MONSIEUR CLAUDE 2
ROMA (OmU) (Lizenzablauf! Nur bis 29.Mai im Programm!)
17.45
20.15
Di 21.5. Ruth Bader Ginsburg  Ein Leben für die Gerechtigkeit
MANASLU - BERG DER SEELEN
17.45
20.15
MONSIEUR CLAUDE 2
NEU   ASBURY PARK: RIOT, REDEMPTION, ROCK ´N ROLL
17.45
20.15
Mi 22.5. KIRSCHBLÜTEN & DÄMONEN
Die BERUFUNG Ihr Kampf für Gerechtigkeit
17.45
20.15
MONSIEUR CLAUDE 2
GREEN BOOK  EINE BESONDERE FREUNDSCHAFT
17.30
20.15
Do 23.5. KIRSCHBLÜTEN & DÄMONEN
NEU   TRAUTMANN
17.30
20.15
MONSIEUR CLAUDE 2
BOHEMIAN RHAPSODY
17.30
20.15
Fr 24.5. **Die BERUFUNG Ihr Kampf für Gerechtigkeit
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
17.30
20.15
NEU  THIS MOUNTAIN LIFE  Die Magie der Berge  (OmU)
ROMA (OmU) (Lizenzablauf! Nur bis 29.Mai im Programm!)
GREEN BOOK  EINE BESONDERE FREUNDSCHAFT
15.00
17.15
20.30
Sa 25.5. Ruth Bader Ginsburg  Ein Leben für die Gerechtigkeit
VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE
TRAUTMANN
15.00
17.15
20.30
NEU   REMBRANDT
**FREE SOLO
MONSIEUR CLAUDE 2
***ASBURY PARK: RIOT, REDEMPTION, ROCK ´N ROLL
13.00
15.15
17.45
20.15
So 26.5. *Ruth Bader Ginsburg  Ein Leben für die Gerechtigkeit
*ASTERIX und das Geheimnis des Zaubertranks
DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
**VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE
13.00
15.15
17.45
20.15
MONSIEUR CLAUDE 2 20.15 Mo 27.5. GUNDERMANN 20.15
THIS MOUNTAIN LIFE  Die Magie der Berge  (OmU)
ROMA (OmU) (Lizenzablauf! Nur bis 29.Mai im Programm!)
18.00
20.15
Di 28.5. **KIRSCHBLÜTEN & DÄMONEN
**GEGEN DEN STROM
18.00
20.15
***ROMA (OmU) (Lizenzablauf! Nur bis 29.Mai im Programm!)
 BOHEMIAN RHAPSODY
17.30
20.30
Mi 29.5. **MANASLU - BERG DER SEELEN
EIN GAUNER UND GENTLEMAN
17.30
20.30
* NUR NOCH KURZE ZEIT  |   ** VORAUSSICHTLICH LETZTE VORSTELLUNG.  |    *** LETZTE VORSTELLUNG.   |   ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR!
Wie zeigen jeweils die deutsche Fassung (2D), wenn nicht anders angegeben.  |  OF=Originalfassung  | OmU=Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Zu Ihrer Information: Filmtheater erstellen ihr Filmprogramm in der Regel von Woche zu Woche. Jeden Montag nachmittag ab ca. 14 Uhr können Sie unser Programm für die nächsten zehn Tage einsehen. Informieren Sie sich bitte taggenau: Aufgrund der Fülle an Filmen, die für uns interessant sind und bei nur zwei Kinosälen zeigen wir diese nicht täglich (!) innerhalb der Kinowoche (Donnerstag bis Mittwoch), sondern vielmehr über Wochen hinweg immer wieder tageweise.
Sie können von weiteren Vorstellungen eines Titels ausgehen, wenn dieser ohne Stern versehen ist.
Alle diesbezüglichen Angaben sind ohne Gewähr.


Unsere neu einsetzenden Filme, kurz vorgestellt: (Quellen u.a.: programmkino.de/epd-film/fbw)

TRAUTMANN - 120 min. - Ab 6 J.
Bewegendes Biopic von Marcus H. Rosenmüller (Wer früher stirbt, ist länger tot) über die Torwartlegende Bert Trautmann, der als englischer Kriegsgefangener von einem lokalen Fußballtrainer entdeckt wird, und vom Feind zum Helden wurde. Rosenmüller hat sich in seinem neuen Film nicht nur der Torhüterlegende angenommen, die bis heute in England verehrt wird, sondern nähert sich auf respektvolle und sensible Weise auch dem Menschen dahinter. Der Umgang mit persönlicher Schuld, die beispielhaft an einem Vorfall im Krieg erzählt wird, bildet einen Teil der filmischen Persönlichkeit Trautmanns, der als Wehrmachtssoldat verschiedene Tapferkeits-auszeichnungen erhalten hat. Gerade im Verbund mit den Attributen Integration und Versöhnung, mit denen sich Trautmanns Name in erster Linie verbindet, ergibt sich im Film ein spannendes und zeitgemäßes Profil der Hauptfigur. David Kross verkörpert Bert Trautmann mit Wärme und Stärke als bescheidenen Menschen, der jedoch einsteht für das, was er will. Dazu ist Trautmann getrieben von seinen inneren Kriegsdämonen, die ihn zu einer großen Schuld geführt haben, mit der er kaum leben kann. Geschickt verarbeiten Rosenmüller und sein Drehbuchautor Nicholas J. Schofield den Konflikt der unmittelbaren Nachkriegszeit. All die Feindseligkeit und der Argwohn gegenüber dem ehemaligen Feind spiegelt sich in den Menschen wider, denen Trautmann in England begegnet. Neben all diesen Aspekten geht auch der trocken augenzwinkernde Humor nie verloren. So transportiert der Film eine zu Herzen gehende Wärme, auch in der wunderschönen Musik von Gerd Baumann, den exakt komponierten Bildern von Daniel Gottschalk und im authentisch ausgestatteten Setting. Im Jahr 1956 wurde Bert Trautmann als einer der ersten Spieler überhaupt zum besten Spieler der englischen Liga ernannt und damit zum Sinnbild einer neuen deutsch-britischen Freundschaft, die auf Vertrauen und Respekt setzte. Eine Botschaft der Versöhnung und Integration, die dieses Biopic in jeder Sekunde transportiert.

THIS MOUNTAIN LIFE - Die Magie der Berge - 78 min. - Ab 6 J.
Die Gründe, wieso Menschen Berge lieben und es sie in die alpine Natur hinauszieht, sind vielfältig. Und doch wagen sich die meisten Einheimischen in einem Gebiet, das zu 75 Prozent aus Hochflächen besteht, nur selten in die gefährliche Natur. Die Rede ist von den Bergwelten in British Columbia. Grant Baldwin zeichnet ein intimes Porträt der verschneiten Coast Mountains in Kanada sowie einiger Personen, deren Leben mit den beeindruckenden Riesen verbunden ist. Schon die ersten Minuten des Films sind geprägt von betörenden Bildern, die die imposanten Gebirgsketten einfangen. Die Kamera folgt einem älteren Mann, der sich seinen Weg durch die Weiten der Schneelandschaft bahnt … Es ist der gelungene Einstieg in einen Film, der die Schönheit der kanadischen Gebirgsnatur in einer Vielfalt einfängt, wie man sie selten zuvor gesehen hat. Baldwin bedient sich unterschiedlicher visueller Stile und technischer Methoden, um dem Zuschauer, im wahrsten Wortsinne, verschiedene „Blickwinkel“ auf die unberührte Region zu gewähren. Andererseits nutzt er seine Zeitraffer-, Luft- und Makroaufnahmen auch, um das Leben vor Ort einzufangen. Für dieses „Leben“ stehen die vielen Protagonisten, die Baldwin bei ihren teils waghalsigen Unterfangen mit der Kamera begleitet und sie in Gesprächen zu ihrer Motivation und Vergangenheit befragt. Wichtige Ereignisse und einschneidende Erlebnisse aus ihrem Leben, visualisiert er zudem durch tolle Animationen und Tricksequenzen. Die herzerwärmendste Geschichte des Films zeigt ein Paar, das, vom Versorgungsnetz abgeschnitten, seit 50 Jahren hoch oben in den Bergen ein selbst erbautes Haus bewohnt. Sie leben von und mit dem, was die Natur hergibt, ganz weit weg vom Stress und der Hektik unserer Großstädte.

Exhibition on Screen: REMBRANDT - 90 min. - Ab 6 J.
Jede Rembrandt-Ausstellung wird mit Spannung erwartet, die Ausstellungen, die jedoch in der Londoner National Gallery und dem Amsterdamer Rijksmuseum stattfanden, waren einzigartige Ereignisse. Mit exklusiven Einblicken in die Ausstellungsvorbereitungen beider Häuser, verwoben mit der Lebensgeschichte des Malers, zeigt REMBRANDT den großen Künstler und gleichsam den Mann hinter seinem Ruf. Mit Hilfe von geladenen Gästen dieser beiden außergewöhnlichen Kunstereignisse, darunter Kuratoren und führende Kunsthistoriker, finden die wichtigsten Arbeiten der Ausstellungen ihren Weg auf die Kinoleinwand. Aus gegebenem Anlass, dem 350. Todestag Rembrandts (4. Oktober 1669), wieder im Kino.

Aktuell im Programm: (Quellen u.a.: programmkino.de/epd-film/fbw)

ROMA – 135 min. – Ab 12 J.
Zu Ihrer Information: Lizenz-Ablauf! Letzte Kinovorstellung von „Roma“ voraussichtlich am 29.5.19 (Stand 13.5.19).
"Dass ROMA bei Netflix gelandet ist, ist einerseits erstaunlich und andererseits ein riesiges Problem. Denn ROMA ist ein großer Film. Einer, der ins Kino gehört, auf die große Leinwand mit hervorragender Soundtechnik, die Cuaróns meisterlichem Handwerk gerecht werden. Denn was als Erstes großen Eindruck hinterlässt, ist die Umsetzung dieser mexikanischen Saga. In kontrastreichem Schwarzweiß gedreht, bietet ROMA eine nahezu perfekte Kameraarbeit. Dass die meisten Zuschauer den Film wohl auf Netflix und damit nur auf dem Fernseher genießen werden können, wirkt befremdlich. Dieser Film ist so offenkundig für das Kino gemacht wie kaum ein anderer der vergangenen Jahre. Nicht nur durch seine audiovisuelle Gewalt, sondern auch weil er so verliebt ist in Menschenmassen, in gemeinsame Erfahrungen. Wo auf der Leinwand alles zwischen Himmel und Erde gezeigt wird, sollte man davor nicht allein sein. Trotzdem muss sich hier eine ganze Industrie dringend fragen, weshalb einer der besten Autorenfilmer der letzten zwei Jahrzehnte bei Netflix gelandet ist, mit seiner problematischen streaming only-Politik! Vor allem mit solch einem Meisterstück." (Kinozeit).
Ein guter Job im Mexiko des Jahres 1970, das von Unruhen und Studentenaufständen erschüttert wird, die brutal vom Regime unter Präsident Luis Echeverría Álvarez niedergeschlagen werden. Doch Cleo hat für alles das weder Zeit noch Sinn, sie muss einen riesigen Haushalt aufrecht erhalten mit vier Kindern, die sie lieben, aber allen auf der Nase herumtanzen. Und dann ist da noch ihr ganz eigenes Problem: Cleo ist schwanger. Alfonso Cuarón erzählt in diesem teilweise autobiographischen Film die Geschichte eines Hausmädchens in Mexiko, die Augenzeugin einer Zeit voller Revolution, Schmerz und Umbruch ist, und diese Zeit hat der Regisseur als Kind selbst erlebt. ROMA ist nach „Gravity“ das erste neue Projekt von Cuarón. Ein Film über Zeiten in einer Gesellschaft, die so tiefe Wunden reißen, so einschneidend sind wie der Fall von Rom selbst und der die Individuen, die diese Zeiten durchleben, für immer verändern. Es sind Menschen in einer Gesellschaft, die so zerrüttet ist von Rassismus und Klassenunterschieden, von vergifteten Machtstrukturen und Geschlechterunterschieden, dass ihre Erschütterung nicht nur zerstört, sondern auch Platz für Neues macht. Neben all dem ist ROMA aber auch ein ganz privater Film. Gewidmet ist er Libo, der Frau, die vor 50 Jahren den kleinen Alfonso mit großzog. Cleo ist seine Libo, eine Frau, die die Kinder der anderen betreut, anstatt ihre eigenen. Eine Frau, die ihn trotzdem über alles liebte und ihm zusammen mit der eigenen Mutter zeigte, was Mutterliebe ist und wie stark Frauen sein können, vor allem, wenn sie um ihre Kinder, seien es die leiblichen oder nicht, kämpfen müssen. Die emotionale Tiefe, die aus jedem perfekt kadrierten und inszenierten Bild kommt, durchströmt das gesamte Werk, das das Publikum berührt und die Herzen hebt. Nur wenige Filme vermögen eine ganze Welt voller Liebe über Zeit und Raum hinaus zu heben und in ihrer ganzen Stärke und Komplexität die Herzen anderer Menschen zu erreichen. ROMA ist solch ein Wunder, solch ein Vehikel zur Transzendenz und Übertragung und wahrlich einer der besten und stärksten Filme Cuaróns, der in seinem Humanismus und seiner emotionalen Vehemenz auf einer Stufe mit  „Children of Men“ zuzuordnen ist. Der überragende Oscar-Gewinner des Jahres 2019.


MONSIEUR CLAUDE 2 - Immer für eine Überraschung gut - 99 min. - Ab 6 J.
Claude (Christian Clavier) und Marie Verneuil (Chantal Lauby) haben sich mittlerweile daran gewöhnt, dass ihre vier attraktiven Töchter multikulturell geheiratet haben. Ihr beschauliches Leben in der französischen Provinz ist freilich nicht mehr ganz so wie früher. Denn die Heimatländer ihrer internationalen Schwiegersöhne warten schon auf sie. Und so rafft sich das großbürgerliche, konservative Paar zu einer Rundreise auf. Vor vier Jahren avancierte die schwarzhumorige französische Familienkomödie über einen bourgeoisen Vater am Rande des Nervenzusammenbruchs, den seine Töchter Toleranz lehren, zum Publikumshit. Auch diesmal zündet Regisseur Philippe de Chauveron erneut ein Feuerwerk an pointiertem Witz und erfrischender, schonungsloser Provokation. Lustvoll lässt er seine Charaktere wieder aufeinanderprallen. So können sich die Zuschauer mit Hauptdarsteller und Publikumsliebling Christian Clavier als  „Old school“-Repräsentant zwischen Zynismus und Lebenslust, bestens besetzten Nebenrollen, genauem Timing und einer verblüffenden Leichtigkeit, trotz des brisanten Themas, auf eine charmant-bissige gesellschaftliche Gratwanderung freuen.

EIN GAUNER UND GENTLEMAN – 93 min. – Ab 6 J.
Die Geschichte vom 18 Mal aus dem Gefängnis fliehenden Verbrecher klingt unglaubwürdig, bis man am Ende erfährt, dass nichts davon den wahren Ereignissen um Forrest Tuckers unkonventionelle Lebensgeschichte hinzugedichtet wurde. Tucker gab es wirklich. Er lebte von 1920 bis 2004 und konnte zum Zeitpunkt seines Todes eine bemerkenswerte Lebensgeschichte vorweisen. Er verbrachte den Großteil seines Lebens aufgrund von Banküberfällen hinter Gittern. Regisseur David Lowery erzählt in seiner Gangsterkomödie aus dem Leben des vermutlich einzigen Gentleman-Gangsters der Welt. Und er balanciert allein schon durch dieses widersprüchliche Verhalten des im Mittelpunkt stehenden Antihelden genüsslich auf der Grenze zwischen Drama und Komödie. Die Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der Tucker (Robert Redford) hier sein routiniertes Handwerk vollzieht, fördern nicht selten (im Anbetracht der Umstände) komische Situationen zutage, doch natürlich bleibt der Film letztlich eben doch das Porträt eines Gangsters. Die parallel zu den Überfällen stattfindende Ermittlerarbeit, in denen sich der solide von Casey Affleck verkörperte Detective John Hunt verbissen auf die Spur des Trios begibt, nimmt im Film nicht weniger Raum ein. Das ist wichtig, um Tuckers Taten nicht zu verklären und immer wieder deutlich zu machen, was und wem man hier eigentlich gerade zusieht. Ein wenig unter dem Radar läuft dagegen die aufkeimende Beziehung zwischen Tucker und Jewel, die zeitweise den Eindruck erweckt, dem rüstigen Rentner eher alibimäßig noch ein wenig Hintergrund zuzugestehen, um ihn nicht ausschließlich auf sein Dasein als Bankräuber zu reduzieren. Dafür macht es Spaß, „Carrie“-Star Sissy Spacek endlich mal wieder auf der Leinwand zu sehen. Wenn man den Äußerungen Robert Redfords Glauben schenkt, sieht man ihn übrigens hier das letzte Mal als Darsteller in einem Film, was die Hollywood Foreign Press übrigens vor einigen Wochen direkt mit einer Golden-Globe-Nominierung als „Bester Hauptdarsteller“ zu würdigen wusste. Diese Ankündigung ist Fluch und Segen zugleich: Sollte sich Redford tatsächlich aus der Schauspielerei zurückziehen, wäre „Ein Gauner & Gentleman“ die optimale Wahl, um von der Weltbühne abzutreten, denn bisweilen fühlt sich der Film auch ein wenig so an, als hätte man es hier mit einem „Best of Redford“ zu tun, in dem immer wieder auf frühere Stationen in der Karriere des Hollywoodstars Bezug genommen wird. Gleichzeitig war der gebürtige Kalifornier lange nicht mehr so stark. Es wäre schon schade, ihn nie wieder zu sehen.

Lola in Gold. Deutscher Filmpreis 2019. Nochmals im Programm: GUNDERMANN – 126 min. – Ab 12 J.
Ein Baggerfahrer, der Lieder schreibt. Der ein Poet ist, ein Clown, ein Idealist. Der träumt, hofft, liebt und kämpft. Ein Spitzel, der bespitzelt wird. Ein Weltverbesserer, der es nicht besser weiß. Ein Zerrissener. Liebes- und Musikfilm, Drama über Schuld und Verstrickung, eine Geschichte vom Verdrängen und Sich-Stellen und auch ein Film über Heimat. Er blickt noch einmal neu auf ein verschwundenes Land. Mit feinem Gespür, Zärtlichkeit und Humor wirft Regisseur Andreas Dresen einen Blick auf das Leben von Gerhard „Gundi“ Gundermann, einem der prägendsten Künstler der Nachwendezeit. Er starb 1998, mit gerade einmal 43 Jahren, sein Herz blieb einfach stehen.
Kann ein Verräter, selbst wenn er das Herz auf dem richtigen Fleck hat, wirklich die Welt verbessern? Wie kann man überzeugter Kommunist sein und im Sozialismus trotzdem systemkritische Lieder singen? Was macht das mit einem, der sich 1976 als IM für die Stasi anwerben ließ, wenn er erfährt, dass er selbst jahrelang bespitzelt worden ist? Warum fährt einer überhaupt jeden verdammten Arbeitstag in den stickig-braunen Tagebau zwischen Dresden und Cottbus zurück, obwohl er doch bereits im Vorprogramm von Bob Dylan oder Joan Baez aufgetreten ist und von seiner musikalischen Begabung seit den frühen 1990ern längst schon leben könnte?
Gerhard Gundermann (Alexander Scheer) ahnt nicht, dass er später einmal einer der prägendsten Künstler der Nachwendezeit sein wird. Als er in den Achtzigerjahren mit seinen Musikern durch die Clubs tourt, ist das Geldverdienen mit seiner Musik noch nicht einmal sein Hauptanliegen. Stattdessen möchte er seine einfühlsamen, oft auf echten Erlebnissen beruhenden Texte mit der Welt teilen. Seine Brötchen verdient er sich als Baggerfahrer. Als er eines Tages gezwungen ist, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, wird er unsanft an seine Vergangenheit als Stasi-Spitzel erinnert. Das erschüttert nicht nur Gundis Vertrauen in sich selbst, der sich bis zu seinem frühen Tod mit nur 43 Jahren nie verzeihen wird, was er getan hat. Vor allem stellt ihn das vor die Frage nach dem „Warum?“, die er nicht beantworten kann und von der er hofft, dass sein Umfeld aus Freundin Conni (Anna Unterberger) und seiner Band ihm diese nicht stellt. - Bei Andreas Dresen ist man immer „mittendrin statt nur dabei“. Wir erleben hautnah und ungekünstelt, was es bedeutet, seine Vergangenheit zu verdrängen und was passiert, wenn sie uns über Umwege doch heimsucht. In „Gundermann“ befasst sich Dresen mit der bislang wenig bekannten Geschichte des Weimarer Liedermachers Gerhard Gundermann, der lange Zeit als Sprachrohr der Menschen im Lausitzer Braunkohlerevier galt, nicht zuletzt, weil er selbst dort arbeitete. Schon damals und insbesondere nach der Wende äußerte sich Gundermann immer wieder systemkritisch. Dresen zeichnet das kontrastreiche Bild einer Person, die sich gleichermaßen stark und zerbrechlich gab, deren melancholische Texte die angestaute Wut über die Welt verbargen und die bis zuletzt hinter ihren damals als kontrovers angesehenen Überzeugungen stand, die mitunter als das Auflehnen gegen ein menschenfeindliches System ausgelegt wurden. Dass Dresen zwischen so viel Pessimismus in einer ungeschönten Realität die Poesie in Gundermanns Texten nicht unberücksichtigt lässt, macht das romantisch-dramatische Biopic in seinem Facettenreichtum so sehenswert. Die ausführlichen Gesangseinlagen Gundermanns entfalten die Wirkung eines erzählerischen Leitfadens; mal lässt sich der Bezug zwischen Text und Ereignis direkt feststellen, ein anderes Mal wiederum dauert es etwas, bis man erkennt, woher Gundermann die Fantasie für das nahm, was er auf der Bühne von sich gab. „Gundermann“ springt zwischen zwei Zeitebenen: Da ist das Hier und Jetzt Mitte der Achtzigerjahre, als er sich erstmals mit seiner Stasi-Vergangenheit auseinandersetzen muss. Zum anderen geben kurze Rückblenden Einblicke in die Zeit, als Gundi dem Ministerium für Staatssicherheit angehörte. Viel ausgefeilter und intensiver gerät aber die Aufarbeitung. Schließlich folgt auf die eigene Erkenntnis die Frage danach, wie man sein Umfeld über seine Vergangenheit informiert; und ob es das überhaupt braucht. Alexander Scheer ist als Gerhard Gundermann kaum wiederzuerkennen, agiert allerdings überragend. Sein Hin- und Hergerissen sein zwischen Unsicherheit und Bekenntnis wirkt nie widersprüchlich und lässt den Zuschauer glaubhaft an dem inneren Zwiespalt seiner Figur teilhaben.


ASBURY PARK: RIOT, REDEMPTION, ROCK ´n ROLL … - 116 min. - Ab 12 J. / Nur für zwei Vorstellungen.
… erzählt die Geschichte der lange von Unruhen erschütterten Stadt Asbury Park im Süden von New York und von der Kraft der Musik, eine gespaltene Gemeinschaft zu vereinen. Einstmals ein berühmter Badeort, ging Asbury Park in einem Sommer voller Aufruhr in Flammen auf. Für die nächsten 45 Jahre war die Stadt von Verfall gezeichnet. In einer Stadt, die buchstäblich durch Eisenbahngleise geteilt wird, zerstörten die Unruhen die berühmte Westküsten-Jazz- und Blues-Szene, doch aus den Flammen der brennenden Stadt entwickelte sich der legendäre Jersey-Sound.
Der Film „Asbury Park“ bringt Asburys Söhne Steven Van Zandt, Southside Johnny Lyon und Bruce Springsteen mit brandneuen Interviews und Auftritten zurück in das sagenumwobene Upstage, den psychedelischen Nachtclub, in dem ihre Karrieren einst begannen. Der seit viereinhalb Jahrzehnten geschlossene Club Upstage ist eine perfekte Zeitkapsel, der beide Seiten der Bahnlinie in Asbury vereinte und einen Schmelztiegel für junge Talente darstellte. Es ist die Musik, die die Stadt hat wiederauferstehen lassen, so dass sie heute ihre lang ersehnte Renaissance genießt. Dieses einmalige Kinoevent enthält außerdem als Bonus ein bisher unveröffentlichtes und heute bereits legendäres Konzert, bei dem Steven Van Zandt, Southside Johnny und Bruce Springsteen im ausverkauften Paramount Theatre auftraten. Dabei spielten sie ihre Gitarrenriffs zusammen mit der Zukunft der Musik in Asbury, einer Gruppe von elfjährigen Rockmusikern, die beweisen, dass die besten Tage für die Stadt vielleicht erst noch vor ihr liegen.


KIRSCHBLÜTEN UND DÄMONEN – 112 min. – Ab 12 J.
Ein junger Mann auf der Suche nach der eigenen Identität und dem Frieden mit seinen inneren Dämonen: Ein gutes Jahrzehnt nach ihrem Erfolg mit dem rührenden Trauerdrama „Kirschblüten - Hanami“ knüpft die Filmemacherin Doris Dörrie an die Geschichte des Films an. Hier steht der von Golo Euler gespielte und bereits im Vorgänger präsente Karl im Mittelpunkt, dem seine toten Eltern als Geistwesen erscheinen. Dörries neuer Film ist eine von verspielter Musik untermalte Meditation über das Leben, den Tod und die Liebe, die sie trotz ernster Themen auf leichte Weise erzählt. Vom schön animierten Vorspann an entwerfen Dörrie und der bereits am Vorgänger beteiligte Kameramann Hanno Lentz („Grüße aus Fukushima“) viele ausdrucksstarke Stimmungsbilder, bei denen die Kamera nah an die Figuren und bestimmte Details heranrückt. Die Rückblenden in die Kindheit sind überbelichtet, die Erscheinungen der toten Eltern werden durch Shutter-Effekten verfremdet. So entsteht eine mysteriöse, bisweilen fast gruselige Atmosphäre, bei der auch mal eine schwarze Katze den Weg kreuzt. Oberflächlich gesehen handelt die Geschichte von einer radikalen Selbstfindung, in der die sprechenden Geister die Inkarnation von seit Generationen verdrängten Gefühlen sind. Doch mit einer simplen therapeutischen Lesart, nach der die Gespenster dem gequälten Karl bei der Verarbeitung tief verwurzelter Traumata beistehen, täte man Dörrie unrecht. Sie knüpft ein so dichtes Netz aus Leitmotiven, Verweisen und kulturübergreifenden Assoziationen, das man sich in der Verfilmung eines auf 1.000 Seiten durchkomponierten Romans wähnt. Der Reiz des Films besteht darin, dass er sich in keine Schublade stecken lässt. Modernes Märchen, Familiendrama, Mystery-Drama mit Anklängen an japanische Horrorfilme: Mit einem romantischen Eskapismus, in dem, ohne Angst vor Überspanntheit und Sentimentalität, das Eigene im Fremden, die Frau im Mann, gespiegelt wird, ist diese Fortsetzung noch ein wenig extravaganter als der Vorgängerfilm.

RBG – EIN LEBEN FÜR DIE GERECHTIGKEIT – 98 min. – Ab 0 J. - (Dokumentation über Ruth Bader Ginsburg)
Ruth Bader Ginsburg hat die Welt für amerikanische Frauen verändert. Die heute 85-jährige Richterin stellte ihr Lebenswerk in den Dienst der Gleichberechtigung und derjenigen, die bereit sind, dafür zu kämpfen. 1993 wurde sie als zweite Frau an den Supreme Court der USA berufen und hält dort eisern die Stellung. Die beiden Regisseurinnen Betsy West und Julie Cohen zeigen den außergewöhnlichen Aufstieg der stillen, aber unnachgiebigen Kämpferin. Ihre Laufbahn begann sie als eine von nur neun Studentinnen an der Harvard Law School und als eine der ersten Jura-Professorinnen der USA. In den 70ern erkämpfte Ruth Bader Ginsburg gegen alle Widerstände bahnbrechende Gerichtsurteile zur Gleichstellung der Geschlechter, die sie zu einer Heldin der Frauenrechtsbewegung und zu einer weltbekannten Ikone machten. Inzwischen berühmt und berüchtigt als Notorious RBG entschied sich die Demokratin nach der Wahl Donald Trumps gegen Rückzug und Ruhestand. Bis heute sorgt sie mit ihrer engagierten Agenda für Schlagzeilen und macht dem umstrittenen Präsidenten mitunter das Leben schwer. Mit brillantem Verstand und Leidenschaft bleibt sie gerade jetzt eine unverzichtbare Inspiration für die politische Kultur der USA und der Welt. Das fesselnde Portrait einer inspirierenden und starken Frau, die mit unerschütterlicher Energie Meilensteine im Kampf um Würde und Gleichberechtigung setzte. Betsy West und Julie Cohen gelang das beeindruckende Zeitdokument einer schlagfertigen Legende, die längst auch als Popkultur-Phänomen Kult ist. Die beiden Regisseurinnen schaffen mit dieser mitreißenden Doku ein längst verdientes Denkmal, das die amerikanischen Kinos im Sturm erobert hat und so ein Zeichen für alternative Politik in den USA setzen konnte.


DIE BERUFUNG – Ihr Kampf für Gerechtigkeit – 121 min. – Ab 12 J. -
(Spielfilm über Ruth Bader Ginsburg)
Diese Frau hat Geschichte geschrieben. Und sie tut es bis heute: die Supreme Court-Richterin Ruth Bader Ginsburg. Mit eisernem Willen und scharfem juristischen Verstand zieht sie, vorbehaltlos unterstützt von ihrem Mann, vor Gericht in einen leidenschaftlichen Kampf gegen die Geschlechterdiskriminierung. Das spannende Biopic über die frühen Karrierejahre der inzwischen 85jährigen amerikanischen Gallionsfigur der Justiz und Amerikas Ikone der Gleichberechtigung kommt zum richtigen Zeitpunkt in die Kinos. Die Anhörung des neuernannten Supreme Court Richters Bret Kavanaugh hat gezeigt, wie frauenfeindlich das gesellschaftliche Klima in Zeiten von #MeToo noch ist. Und wie dringend das Gericht starke, unabhängige Richterinnen wie Ginsburg braucht. Eindrucksvoll erinnert Regisseurin Mimi Leder mit ihrer hoffnungsvollen Hommage, die zu keiner Minute ein trockenes Gerichtsdrama ist, wie hart Rechte erkämpft wurden. Und dass dieser Kampf noch lange nicht zu Ende ist. Unerschrocken zeigt die junge britische Schauspielerin Felicity Jones in einer fast fünfminütigen Rede, dass sie ihrer anspruchsvollen Rolle voll und ganz gewachsen ist. Auch Armie Hammer an ihrer Seite überrascht positiv. Die wahre Geschichte einer überaus willensstarken Frau und Ikone der Frauenrechtsbewegung in ihrem Kampf gegen aus heutiger Sicht unvorstellbare Gesetze, die sich in einer Männerwelt durchzusetzen versuchte und der dabei immer wieder Steine in den Weg gelegt wurden.

VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE – 90 min. – Ab 6 J.
Es ist schon ein skurriles Bild, das sich dem Zuschauer da bietet: Kaum rauscht Nurlan, der kurz vor seiner Pensionierung steht, in seiner alten Lok auf den kleinen Vorort zu, sprintet ein kleiner Junge an den Gleisen entlang durchs Dorf und trällert mit seiner Trillerpfeife drauf los, was das Zeug hält. Panisch stürmen die Anwohner aus ihren Häusern und räumen die Gleise flugs von allen möglichen Hindernissen frei. Ein paar Mal noch die Lok durch die schmalen Gassen des aserbaidschanischen Dorfs steuern, in dem er lebt, dann kann Nurlan seinen Lebensabend genießen. Allerdings allein, denn Nurlan findet keine Frau. Bei seiner letzten Fahrt geschieht etwas Merkwürdiges: Ein Büstenhalter verfängt sich an der Lok. Er gehört einer unbekannten Frau, die er einmal schemenhaft gesehen hat, als sein Zug an ihrem Fenster vorbeifuhr. Doch wie Frau und Büstenhalter zusammenbringen? Regisseur Veit Helmer führt uns in die Berglandschaft Aserbaidschans. In seiner meisterhaft phantasievollen Bildsprache wird er seinem Ruf als moderner Märchenerzähler gerecht und inszeniert die Geschichte als atmosphärische Komödie, die ganz ohne Dialoge auskommt (!) und uns gerade dadurch in ihren Bann zieht. Die Darsteller, unter ihnen die Spanierin Paz Vega, der Franzose Denis Lavant, die Russin Chulpan Khamatova, bilden eine international zusammengewürfelte Truppe, die sichtlich Spaß am wortlos-naiven Schauspiel hat. Ein sehr sehr charmanter Film, den Helmer da gedreht hat. Ein Film, der auch Widersprüche sucht und zulässt, wenn sich bezaubernde Idylle und schäbige Armut treffen. Für die große Liebe ist man schließlich nie zu alt, auch nicht zu hässlich. Dass Nurlan eben nicht dem Prinzenschema entspricht, sondern unscheinbar ist, wenig besonders, macht diese kleine deutsche Produktion zu etwas Besonderem. Denn hier sind die üblichen Regeln außer Kraft gesetzt, die Komödie hält sich weder an die Erwartungen eines heutigen Publikums, noch an die Gesetze der Realität. Es ist eine eigene kleine Welt, die hier geschaffen wurde, nah genug, um uns darin wiederzufinden, skurril genug, um Abstand zu finden. Das ist vielleicht nicht anspruchsvoll oder abwechslungsreich, aber doch auf seine Weise zauberhaft.


FREE SOLO –  98 min. – Ab 0 J.
975 Meter purer, meist senkrecht abfallender Granitfelsen. Die Steilwand des El Capitan ist der Blickfang im kalifornischen Yosemite Valley. Die „National Geographic“-Produktion „Free Solo“ erzählt davon, wie sich Alex Honold, der acht Jahre davon geträumt hat, als erster ohne Sicherung den Felsen in Kalifornien zu besteigen, dieser Herausforderung stellt. Die Doku versteht es, dem Zuschauer verständlich zu machen, was Alex antreibt, wartet aber auch mit atemberaubenden Bildern auf, die einem den Atem stocken lassen.  Honold bereitet sich ausgiebig auf die Besteigung vor, macht zahllose Testläufe mit Kletterseil und stellt sich dann einer Herausforderung, bei der jeder noch so kleine Fehler den Tod bedeuten kann. Das atemberaubende Porträt eines Mannes, dem sehr wohl bewusst ist, was er alles mit diesem Sport riskiert. Aber er tut es dennoch, weil die eigene Passion zu verleugnen schlimmer als der Tod wäre. Mag es anfangs so aussehen, als sei er ein Mensch, der nichts zu verlieren hat, zeigt sich im Verlauf, dass dem eben schon so ist. Kurz bevor er mit den konkreten Plänen für die Besteigung des El Capitan begann, verliebte er sich. Das hatte auch Auswirkungen. Blieb er zuvor sieben Jahre ohne Verletzung, verletzte er sich nun gleich zweimal innerhalb eines Jahres. Weil ein Free-Solo-Kletterer, so der Kletterprofi Tommy Caldwell, ganz und gar auf die Wand fokussiert sein muss. Er darf an nichts anderes denken. Genau zu diesem geistigen Zustand musste Honold zurückfinden. „Free Solo“ versteht es, dem Zuschauer ein Gefühl davon zu vermitteln, wieso der Extremsportler macht, was er macht. Man glaubt gerne, dass man sich in diesen Momenten an der Wand dem Leben näher als je zuvor fühlt, oder sich selbst für größer als das Leben hält, wenn man absolute Perfektion erreicht, die notwendig ist, um einen solchen Aufstieg zu überstehen. Aber der Film unterschlägt auch nicht, dass Free-Solo-Kletterer oftmals nicht alt werden. Viele sind durch Abstürze ums Leben gekommen. Ein Schicksal, das auch Honold blühen könnte, weswegen ihm ein Freund schließlich rät, aufzuhören, solange er es noch kann. Aber dem Ruf des Bergs kann er sich nicht entziehen. Der Zuschauer wiederum kann sich der Wirkung dieses Films nicht entziehen. Die Aufnahmen vom Kletterer an der Wand sind atemberaubend. Manche Einstellungen verursachen gar ein mulmiges Gefühl und als Honold beginnt, die gefährlichen Passagen ohne Sicherung zu besteigen, da ist das spannender und aufregender als bei jedem Thriller.


MANASLU – BERG DER SEELEN – 123 min. – Ab 12 J.
Als Bergsteiger hat Hans Kammerlander die höchsten Gipfel bestiegen, als Mensch in furchtbare Abgründe geblickt. Neben dem 61jährigen Extrem-Kletterer aus Südtirol kommen Familie und Weggefährten wie Reinhold Messner zu Wort. Ausgesprochen bewegend fällt ein sehr persönliches Gespräch mit dem alten Freund Werner Herzog aus. Bergfilm-Profi Gerald Salmina setzt bei seinem Porträt auf eine gelungene Mischung aus Interviews, Archivbildern sowie nachgestellten Spielsequenzen. Damit werden zum einen, etwas zu üppig, die Kindheitstage des Bauernjungen und seine frühe Begeisterung für die Berge illustriert, zum anderen, weitaus spektakulärer, jene dramatischen Szenen im Gebirge nachgestellt. Als reizvoller Kontrast und echte Filmperlen erweisen sich Archivbilder, insbesondere aus Werner Herzogs TV-Doku „Gasherbrum - Der leuchtende Berg“ von 1984, in der Kammerlander und Messner bei ihrer Doppelüberschreitung von zwei Achttausendern mit der Kamera bis zum Basislager begleitet werden. Entspannt in einem Pool planschend, schwärmt zuvor ein junger Messner von den Fähigkeiten seines neuen Kletter-Kameraden. Tatsächlich hat er dem Newcomer zum Durchbruch und Karriere-Kick verholfen. Eine gute Wahl, schließlich wird Kammerlander seinen Mentor auf die letzten 7 von 14 Achttausendern begleiten. „Der Tod ist das leichteste von allen Übeln, die man erlebt“, sagt Hans Kammerlander gleich zu Beginn. Der Extrem-Bergsteiger weiß, wovon er redet. Am Manaslu in Nepal, einem der vierzehn Achttausender, verliert Kammerlander 1991 zwei seiner besten Freunde. Der eine stürzt aus unerklärlichen Gründen ab. Den anderen trifft ein Blitzschlag tödlich. Grund für das ungewöhnliche Gewitter sind jene brennenden Ölfelder im Golfkrieg, deren Partikel in der Atmosphäre bis zum Himalaja gelangen und zu elektrisch aufgeladenen Hochspannungsfeldern führt. Gut ein Vierteljahrhundert nach der tödlichen Tragödie kehrt Kammerlander an seinen Schicksalsberg zurück. Gemeinsam mit Alpinist Stephan Keck will er den 8163 Meter hohen Gipfel endlich besteigen, um die traumatischen Erlebnisse von einst endlich zu verarbeiten. „Ein einfühlsames, wertungsfreies und authentisches Lebensportrait von Hans Kammerlander zu zeichnen“, beschreibt der Regisseur seine Absichten. Die Gratwanderung ist ihm bestens gelungen mit einer spannenden Doku über einen extremen Menschen, der wahnwitzig bis an seine Grenzen geht und darüber hinaus, wer könnte Wahnwitz besser adeln als ein Werner Herzog!


GREEN BOOK – Eine besondere Freundschaft – 130 min. – Ab 6 J.
Die stärksten Storys schreibt bekanntlich das Leben. Dies ist eine dieser schönen Geschichten, die einem nicht nur ans Herz gehen, sondern auch vor Augen führen, was in dieser Welt an so vielen Stellen falsch läuft. Es ist im Kern ein Film, der versucht, die Zuschauer emotional zu packen, mal mit Humor, mal mit dramatischen Szenen. Es geht um einen latent rassistischen Einfaltspinsel, der in den 60er Jahren als Chauffeur für einen sehr gebildeten, schwarzen Musiker anheuert. Die Tour führt in den tiefsten Süden der USA und in die Abgründe der alltäglichen Diskriminierung. Aus dem ungleichen Duo werden alsbald ziemlich beste Freunde. In diese Freundschaft eingeschlossen wird auch der Zuschauer. Die beiden Helden haben ihre Ecken und Kanten. Ihrem unheimlichen Charme wird man aber kaum widerstehen. Ebenso wenig der warmherzigen Botschaft. In zynischen Zeiten von Hass und Häme, werden humanistische, bewegende Filme zu publikumsträchtigen Leuchttürmen auf der Leinwand. Regisseur und Koautor Peter Farrelly gelingt mit diesem warmherzigen, lakonisch komischen Antirassismus-Drama ein Film mit Klassiker-Qualitäten. Das ungleiche Paar ist psychologisch plausibel und ebenso pointenstark entwickelt. Mahershala Ali („Moonlight“) verleiht dem sensiblen Pianisten charismatischen Glanz. Derweil Viggo Mortensen als gutherzige Quasselstrippe dem Affen mit sichtlichem Vergnügen reichlich Zucker geben darf. Intellektuell mag das Arbeiterkind aus der Bronx kaum glänzen. Was Haltung und Werte anlangt, stellt er sie alle mit nonchalanter Selbstverständlichkeit in den Schatten. Politisches Aufklärungskino, das ausgesprochen vergnüglich und bewegend ausfällt: Nie war es so wertvoll wie heute.

GEGEN DEN STROM – 100 min. – Ab 6 J.
Nach außen ist Halla eine patente, liebenswürdige Frau in den besten Endvierziger-Jahren, die allein lebt und als Chorleiterin arbeitet. Doch der Eindruck täuscht, denn Halla führt ein geheimes Doppelleben. In ihrer Freizeit ist sie eine Umweltaktivistin, die einsam, mutig und zielstrebig die isländischen Berge durchstreift, um Stromleitungen zu zerstören. Der Grund: Sie will die Natur retten, indem sie gemeinsame Machenschaften von Politik und Wirtschaft bekämpft und dafür sorgt, dass der Verkauf der isländischen Aluminiumindustrie nach China gestoppt wird. Auch wenn sie sich vieler Sympathien in der Bevölkerung sicher sein darf, die Obrigkeit betrachtet sie als Bedrohung. Spannung und Action, herrliche Bilder aus der ursprünglichen isländischen Bergwelt, eine Erzählweise, die bei allem Tempo und Schwung gelassen bleibt. Dazu eine wunderbare Hauptdarstellerin, Halldóra Geirharðsdóttir, die sehr sportiv mit Pfeil und Bogen als weiblicher Robin Hood die Wildnis durchstreift, eine arktische Schwester der Göttin Artemis, das ist Abenteuer pur und wirklich sehr, sehr gut gemacht. Ihr darstellerisches Repertoire ist beachtlich, sie überzeugt als rechtschaffene, liebenswürdige Chormusikerin, flotte Dame und Naturkind zugleich, als zu allem entschlossene Guerillakämpferin und Beschützerin der Natur. Dabei leistet die Schauspielerin Unglaubliches, nicht nur körperlich, als grazile Bogenschützin oder als geschickte Läuferin. Sie gibt der mutigen Aktivistin zudem eine gewisse Ambivalenz. Sobald die Spirale der Gewalt in Bewegung gesetzt ist, woran sie selbst nicht ganz unschuldig ist, wird es für sie sichtbar anstrengender, für das Gute zu kämpfen. Wem nützt ihr Einsatz eigentlich? Die Falte zwischen ihren Augen vertieft sich, der Blick wird finster, doch die Entschlossenheit bleibt und wächst sogar. Ökothriller, Abenteuerfilm, Märchen und Komödie: Erlingssons Film über eine Umweltaktivistin auf dem Kriegspfad ist all das und noch mehr: Großes, originelles Arthousekino!


DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT – 100 min. - Ab 6 J.
Caroline Links Verfilmung des gleichnamigen autobiografischen Erfolgsromans von Hape Kerkeling über seine Kindheit im Ruhrpott, das Aufwachsen in einer fröhlichen Großfamilie und den frühen Verlust der geliebten Mutter. Mit der Verpflichtung von Julius Weckauf gelang der Regisseurin der Besetzungscoup des Jahres. Unter mehr als 5000 Bewerbern setzte sich der Junge aus einem Dorf in NRW beim Casting durch, nachdem er von Kunden im Laden seiner Eltern auf die Suche nach einem jungen Hape Kerkeling aufmerksam gemacht worden war. - Der pummelige 9-jährige Hans-Peter ist Teil einer großen, feierwütigen Familie aus dem Ruhrpott, in der jeder seine kleinen Macken hat. Nach den ersten behüteten Jahren im Haus von Oma und Opa auf dem Dorf zieht er mit seinen Eltern in eine Stadtwohnung, im gleichen Haus wohnt das andere Großelternpaar. Etliche Tanten und Onkel sind ebenso stets gern gesehene Gäste. Sein Talent, andere zum Lachen zu bringen, trainiert er im Krämerladen seiner Oma Änne, wo er Kundinnen perfekt nachmacht. Den ersten Knick bekommt die heile Welt nach dem Tod der Großmutter. Später erkrankt seine Mutter schwer und verfällt in Depressionen, an denen selbst Hans-Peters komödiantische Fähigkeiten abprallen. Nach ihrem Freitod ziehen die Großeltern vom Land in die Stadt und kümmern sich um den Jungen, der so gerne die Stars des deutschen Fernsehens imitiert. Und alle ahnen schon damals und akzeptieren unausgesprochen, dass Kerkeling homosexuell ist. Die Fröhlichkeit Kerkelings ist aus tiefem Schmerz geboren, dies bringt der unterhaltende Film dem Zuschauer sehr nah. Link blickt mit großer Liebenswürdigkeit und Ehrlichkeit auf diese kleinbürgerliche Welt, sie hält traumwandlerisch sicher die Balance aus Tragikomik und Ernsthaftigkeit. Sie beweist das richtige Gespür für den Ton in jeder Situation, wobei sie einen im deutschen Kino einmaligen Mut zur Sentimentalität beweist, die sie stets richtig dosiert. Nostalgisch im besten Sinne des Wortes, aber nie kitschig oder verklärend. Zur gelungenen Zeichnung von Milieu und Ära tragen die detailreiche Ausstattung und die Charakterisierung der Figuren bei, die alle ihre Schrullen und Macken haben. Aber vor allem das Herz am rechten Fleck. Über das Porträt des jungen Kerkeling wird die alte Bundesrepublik mit ihren Kiezen und Tante-Emma-Läden lebendig, hier hat der Entertainer seine Wurzeln, das Fernsehen der 70er mit Hitparade, Disco und Samstagabendshows wird eine Quelle seines unverwechselbaren Humors. Zugleich macht der Film klar, warum Kerkeling auf dem Höhepunkt des Ruhms dem Bildschirm adé sagte. Er ist nun mal ein Kind der 70er, das sich selbst oft in Szene setzte, aber nie seine Person ins Zentrum seiner Auftritte stellte. Genau das reflektiert der Film auf wunderbare Weise. Ein liebenswerter, herrlich nostalgischer Familienfilm.

BOHEMIAN RHAPSODY – 135 min. – Ab 6 J.
Am 24. November 1991 endete das Leben von Farrokh Bulsara, besser bekannt als Freddie Mercury. Die Musikwelt verfiel in einen Schockzustand. Der legendäre Leadsänger der Rockgruppe Queen erlag im Alter von nur 45 Jahren den Folgen einer HIV-Infektion. In den gut zwei Dekaden, die Queen mit Mercury existierte, schuf die britische Band Welthits für die Ewigkeit. Ähnlich turbulent wie Mercurys wildes Leben ist die Produktionsgeschichte dieses Biopic-Dramas. Eine Hommage an die ganze Gruppe, aber mit klarem Fokus auf ihren schillernden Frontmann. England, die 1970er Jahre: Der 19-jährige Farrokh hat große Träume: Er will auf die Bühne und singen. Als er allen Mut zusammennimmt und sich bei einer Band als deren neuer Leadsänger bewirbt, hat er noch keine Ahnung, dass dies der Beginn einer musikalischen Ära ist. Er selbst nennt sich Freddie Mercury. Als charismatischer, leidenschaftlicher Performer erobert er das Publikum im Sturm. Doch je mehr er sich auf der Bühne zu finden beginnt, desto mehr verliert er den Halt im Leben. Und riskiert schon bald, alles zu verlieren, was ihm etwas bedeutet. Am 13. Juli 1985 spielten Queen im Rahmen des Live-Aid-Concerts vor 72.000 Menschen im Wembley Stadion. Über 1,9 Milliarden Menschen verfolgten das Konzert live. Für Bryan Singers und Dexter Fletchers Film dient dieses Konzert als erzählerischer Rahmen. Als Künstler-Biopic erzählt der Film aus der Perspektive von Mercury. Dabei zeigt er den öffentlichen Menschen und kommt gleichzeitig auch der privaten Seite des scheuen und unsicheren Mannes nahe, der sich Zeit seines Lebens nach wirklicher Vertrautheit sehnte und dennoch seine Freunde oft verriet, weil er sich auf falsche Berater einließ. Dass er nie wirklich zu seiner Homosexualität stehen konnte, ist ein Aspekt, den der Film nie ausstellt, sondern sensibel in die Erzählung einwebt. Rami Malek ist grandios in seiner Darstellung als Freddie. Die Verletzlichkeit einer zarten Künstlerseele, die Neurosen und Allüren eines übergroßen Stars und die Getriebenheit eines nie ruhenden Genies, Malek lässt nie einen Zweifel an der Authentizität seiner Darstellung. Auch der Rest des Ensembles steht dem in nichts nach, vor allem auch im Zusammenspiel miteinander. Neben der Geschichte der Band greift das Drehbuch auch die Entstehungsgeschichte der weltberühmten Songs auf. Wenn als Höhepunkt der legendäre 25-minütige Auftritt der Band minutiös und detailgetreu nachgestellt wird, dann spürt man als Zuschauer die Kraft, die Musik freisetzen kann. Was auch der Soundtrack beweist, der kaum einen Hit von Queen vermissen lässt. „Es ist kein Biopic, es ist ein Film über Freddie und Queen, bei dem wir uns kreative Freiheit herausgenommen haben!“ - das sagte Queens Leadgitarrist Brian May selbst nach einem Konzert in Hamburg und erklärt damit innerhalb eines Satzes, was den Reiz des Films ausmacht. So ist es nicht bloß ein sehr musikalischer und emotionaler Film, sondern auch ein verdammt unterhaltsamer geworden. Der Regie gelingt ein hochsensibler, aber nie voyeuristischer Film, in dem es in erster Linie darum geht, den Geniestatus der den musikalischen Zeitgeist prägenden Band hervorzuheben. So gehören ausgerechnet die Szenen zwischen Queen und den hinter den Kulissen agierenden Produzenten und Musiklabelchefs zu den ganz großen Highlights des Films; immerhin wissen wir heute sehr genau, wie erfolgreich die Band später wurde. Als Zuschauer wird man nicht nur abgeholt, sondern mitgerissen! Ein Musikfilm der ganz großen Emotionen, mit großer Power, Opulenz und Dramatik inszeniert. Für Fans von Freddie Mercury und Queen ist dieses elektrisierend-nostalgische Musik-Biopic ein Muss. Rami Malek, um es noch einmal zu sagen, liefert in der Hauptrolle eine unglaubliche, eine fulminante Performance, die ihn zum nahezu sicheren Kandidaten für die beginnende Filmpreis-Saison macht.

ASTERIX UND DAS GEHEIMNIS DES ZAUBERTRANKS – 88 min. – Ab 0 J.
Nach dem großen Erfolg des vorherigen Films war es nur eine Frage der Zeit, bis das Duo Alexandre Astier und Louis Clichy mit einem Sequel aufwarten würde, das dann doch etwas Ungewöhnliches ist: Anders als bei den meisten Animationsfilmen rund um den gewieften Gallier und seinem dicken Freund hat man hier eine ganz neue Geschichte ersonnen. Herausgekommen ist ein beschwingtes Abenteuer mit reichlich Humor. Die Computeranimation ist makellos, man spielt aber auch mit der Form. Ein Rückblick, der die gemeinsame Historie von Miraculix und Dämonix erläutert, ist in grobem Zeichentrick gehalten, ganz im Stil von Bleistiftzeichnungen von Comics, die erst noch mit Tusche verfeinert werden müssen. In der deutschen Fassung sprechen erneut Milan Peschel und Charly Hübner, die Asterix und Obelix mit Leben erfüllen. Sie passen auch so gut, weil sie perfekte Kandidaten wären, würde man einen Realfilm mit deutschen Schauspielern umsetzen. Lockere und amüsante Unterhaltung für Jung und Alt, mit allen Elementen, die ein „Asterix“-Film haben muss, die bekannte Formel aber auch etwas auflockert.