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Der neue grosse Saal sagt hallo!Kinoansicht. S-Bahn Obertürkheim: 200m geradeaus und gleich links sehen Sie mich! Gastro
                                            
Unser Filmprogramm von Montag, 22.5. bis Mittwoch, 31.5.17:

Brandneue Perspektiven auf den Vater des Impressionismus, in dessen eigenen Worten. Die Empfehlung.
EXHIBITION ON SCREEN:    ICH, CLAUDE MONET (OmU)
Wer war der Mann hinter den sonnendurchfluteten Leinwänden wirklich?
  Mittwoch, 31.5. 20.30 Uhr.

WELCHER FILM IN KINOTHEK 1 ... Beginn DATUM WELCHER FILM IN KINOTHEK 2 ... Beginn
HIDDEN FIGURES  UNERKANNTE HELDINNEN 20.15 Mo 22.5. WILDE MAUS 20.15
MADAME CHRISTINE und ihre unerwarteten Gäste
***MOONLIGHT
18.00
20.30
Di 23.5. MEIN BLIND DATE MIT DEM LEBEN
DER SCHAMANE UND DIE SCHLANGE (OmU)
18.00
20.30
MADAME CHRISTINE und ihre unerwarteten Gäste
LION  DER LANGE WEG NACH HAUSE
18.00
20.30
Mi 24.5. ***MEIN BLIND DATE MIT DEM LEBEN
DIE BLUMEN VON GESTERN
18.00
20.30
NEU     CONNY & CO 2  Das Geheimnis des T-Rex
MADAME CHRISTINE und ihre unerwarteten Gäste
NEU     MANCHESTER BY THE SEA
15.00
17.30
20.15
Do 25.5. NEU   THE BOSS BABY
NEU    Shirley MacLaine   ZU GUTER LETZT
DIE BLUMEN VON GESTERN
15.00
17.30
20.15
MADAME CHRISTINE und ihre unerwarteten Gäste
MANCHESTER BY THE SEA
17.30
20.15
Fr 26.5. Shirley MacLaine   ZU GUTER LETZT
DIE BLUMEN VON GESTERN
17.30
20.15
CONNY & CO 2  Das Geheimnis des T-Rex
**PAULA  Mein Leben soll ein Fest sein
NEU    Isabelle Huppert ist   ELLE
15.00
17.30
20.15
Sa 27.5. THE BOSS BABY
DER *SCHAMANE UND DIE SCHLANGE (OmU)
LION  DER LANGE WEG NACH HAUSE
15.00
17.30
20.15
*CONNY & CO 2  Das Geheimnis des T-Rex
MADAME CHRISTINE und ihre unerwarteten Gäste
Isabelle Huppert ist   ELLE
15.00
17.30
20.15
So 28.5. **THE BOSS BABY
Shirley MacLaine   ZU GUTER LETZT
LION  DER LANGE WEG NACH HAUSE
15.00
17.30
20.15

HIDDEN FIGURES  UNERKANNTE HELDINNEN 20.15 Mo 29.5. WILDE MAUS 20.15
HIDDEN FIGURES  UNERKANNTE HELDINNEN 20.15 Di 30.5. WILDE MAUS 20.15
MADAME CHRISTINE und ihre unerwarteten Gäste
**ICH, CLAUDE MONET (OmU)
18.15
20.30
Mi 31.5. Shirley MacLaine   ZU GUTER LETZT
*PROJEKT A Eine Reise zu anarchistischen Projekten in Europa
18.15
20.30

* NUR NOCH KURZE ZEIT  |   ** VORAUSSICHTLICH LETZTE VORSTELLUNG.  |    *** LETZTE VORSTELLUNG.   |   ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR!
Wie zeigen jeweils die deutsche Fassung (2D), wenn nicht anders angegeben.  |  OF=Originalfassung  | OmU=Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Zu Ihrer Information: Filmtheater erstellen ihr Filmprogramm in der Regel von Woche zu Woche. Wir aktualisieren dieses jeden Montag nachmittag für die nächsten zehn Tage. Informieren Sie sich bitte taggenau, denn aufgrund der Fülle an Filmen, die für uns interessant sind und bei nur zwei Kinosälen zeigen wir diese nicht täglich (!) innerhalb der Kinowoche (Donnerstag bis Mittwoch), sondern vielmehr über Wochen hinweg immer wieder tageweise.
Sie können von weiteren Vorstellungen eines Titels ausgehen, wenn dieser ohne Stern versehen ist.
Alle diesbezüglichen Angaben sind ohne Gewähr.

Unsere neu einsetzenden Filme kurz vorgestellt: (Quellen: programmkino.de/kino.de)

Isabelle Huppert  ELLE – 130 min. – Ab 16 J.
Kaum ein Film wurde dieses Jahr in Cannes so gespannt erwartet. Paul Verhoeven (Total Recall, Basic Instinct) knüpft mit einem fulminanten neuen Film an sein Kino der dunklen Obsessionen an. Sein erster französischsprachiger Film ist ein Thriller über Sadismus und Perversion, aber er verfügt über eine Femme Fatale, die an Verkorkstheit und Verdorbenheit noch einiges mehr zu bieten hat. Wenn eine Vergewaltigung zum Rollenspiel wird: Auf ihre Umwelt wirkt die erfolgreiche Geschäftsfrau Michèle Leblanc (Isabelle Huppert) unzerstörbar, bis sie eines Abends in ihrem Haus überfallen und brutal vergewaltigt wird. Sie sieht jedoch keinen Grund, den Vorfall der Polizei zu melden, ohnehin bleibt sie seltsam unbewegt von dem schockierenden Erlebnis. Stattdessen beschließt sie, den Täter auf eigene Faust zu verfolgen. Dabei verstrickt sie sich immer mehr. Zwischen ihr und dem Täter zeichnet sich zunehmend eine Art erotisches Katz- und Maus-Spiel ab, das jeder Zeit außer Kontrolle geraten könnte. Je deutlicher die Verstörungen in Michèles Psyche werden, desto unklarer wird, ob die Vergewaltigung vom Anfang wirklich das Gewaltverbrechen war, das es zu sein scheint. Das Drehbuch dieses absurd abgründigen Thrillers basiert auf dem die lustvoll bürgerliche Gesellschaft sezierenden Roman "Oh..." des französischen Literatur-Rebells Philippe Djian. Cannes-Stammgast Huppert, die bereits zweimal als beste Darstellerin ausgezeichnet wurde, schafft es erneut, aus dieser Vorlage eine einzigartig verknotete Frauenfigur zu erschaffen. Sarkasmus, Süffisanz und Verachtung mischen sich in Hupperts Mimik zu einer faszinierenden Maske der emotionalen Vereisung, hinter der jedoch jederzeit ein scheues, verletzliches Lächeln und eine unerfüllte Sehnsucht nach Gefühl hervorbrechen kann, egal welchem. Damit bleibt sie so unberechenbar und verblüffend wie dieses schaurig-unterhaltsame Verhoeven-Comeback. Eine brillante, pointierte vielschichtige Gesellschaftssatire, die bewusst überzeichnet: Doch genau das ist Verhoevens Kunst, das genialische an einem Film, der erst durch seine zugespitzte Darstellung so wahrhaftig von Frauen- und Männerbeziehungen erzählen kann.

MANCHESTER BY THE SEA – 135 min. – Ab 12 J.
Kenneth Lonergans Filme sind in der zeitgenössischen amerikanischen Filmwelt eine Seltenheit, sie sind weder laute Blockbuster, noch typische Indiefilme, die ihre betont ungewöhnlichen Figuren zur Schau stellen, und auch klassische Oscar-Filme, die eine klare ideologische Botschaft vermitteln, sind sie nicht. Filmische Trauerarbeit der subtilsten Form ist Lonergans Drama, das dem Autor und Regisseur hoffentlich endlich über das Urteil Geheimtipp erhebt und einem breiteren Publikum bekannt macht. Dass das Drama um einen Mann, der nach dem plötzlichen Tod seines Bruders mit einem furchtbaren Ereignis aus seiner Vergangenheit konfrontiert wird, schon jetzt als einer der Favoriten für die Oscar-Verleihung gilt, dürfte dabei helfen. Und in dem mit Casey Affleck ein hochtalentierter Schauspieler im Zentrum steht, der hier so gut ist wie noch nie. In Lonergans Kino gibt es keine einfachen Lösungen, keine tränenreichen Streits, die zu dramatischen Versöhnungen führen. Was andererseits auch nicht bedeutet, dass seine Filme nihilistisch sind und suggerieren, dass das Schicksal ohnehin unausweichlich und nicht veränderbar ist. Nur sind die Veränderungen der Figuren unterschwellig und fein gezeichnet. Gerade dieser Verzicht auf Pathos, auf flache Emotionen, macht Lonergans Kino, macht „Manchester by the Sea“ so reich und befriedigend. Nicht weil er Dinge auf den Punkt bringt, sondern weil er durch genaue Beobachtung eine Landschaft menschlicher Emotionen entstehen lässt, die in ihrer Vielfalt und Komplexität zumindest in der momentanen amerikanischen Kinolandschaft fast einzigartig ist.

ZU GUTER LETZT – 107 min. – Ab 6 J.
Die kontrollsüchtige Geschäftsfrau Harriet Lauler ist ein echter Drache. Nichts kann sie aus der Hand geben, selbst den eigenen Nachruf nicht. Kurzerhand engagiert sie die junge Journalistin Anne, die einen positiven Nachruf schreiben soll. Doch bei der Recherche im Umfeld der herrschsüchtigen Dame trifft Anne auf ein unüberwindbares Problem, niemand kann Harriet wirklich leiden. Weder die eigene Tochter noch der Ex-Mann, die Arbeitskollegen oder der Pfarrer haben eine positive Erinnerung an Harriet. Stattdessen sind sie nur zu froh, keine Minute mit dem Drachen verbringen zu müssen. Doch es ist nie zu spät, sich zu ändern. So begibt sich die kratzbürstig Dame zusammen mit Anne auf eine Reise, die sie und ihre Welt verändern wird. Kaum eine Filmminute mit Shirley MacLaine ist Zeitverschwendung. In der sehenswerten Generationenkomödie brilliert die Oscar-Preisträgerin als scheinbar kratzbürstige, erfolgreiche Geschäftsfrau Harriet Lauler im Ruhestand, die ihr Leben zum Guten ändern möchte. Nicht umsonst bot die inzwischen 82jährige bodenständige Diva den Macho-Stars des alten Hollywoods die Stirn. Auf der Suche nach dem perfekten Nachruf begleitet die vielschichtige Schauspielerin Amanda Seyfried als junge Journalistin die autarke Hollywood-Ikone auf ihrem Roadtrip zum besseren Ich.

CONNY & CO. 2 –  98 min. – Ab 6 J.
Wenngleich Til Schweiger mit seinen (selbstironischen) Auftritten in unterschätzten Filmen wie «Vier gegen die Bank», «Tschiller: Off Duty» oder «Unsere Zeit ist jetzt» zuletzt immer wieder auch vehemente Kritiker des streitbaren Regisseurs überzeugen konnte, schien sein Regiestern am Sinken zu sein. Nicht im Hinblick auf die Besucherzahlen: Allein Schweigers letzter Film «Honig im Kopf» lockte 2014 über sieben Millionen Zuschauer in die deutschen Lichtspielhäuser. Doch wo sich positive wie negative Resonanz in früheren Werken die Waage hielten, sogar eine optimistische Tendenz aufwiesen, gingen die Meinungen ab "Kokowääh" immer einheitlicher in eine weniger gute Richtung. Viele verbanden damit auch die wiederholte Zusammenarbeit Schweigers mit seinen Kindern. Insbesondere Emma Schweiger wurde dank ihres unbedarften Spiels in «Keinohrhasen» zu einem echten Publikumsliebling. Einen ganzen Film zu „stemmen“ gelang ihr allerdings nicht. Zu wenig nuanciert präsentierte sich ihr Spiel, zu statisch die Interaktion mit den erwachsenen Kollegen. Hier ist Emma nun hauptsächlich mit Gleichaltrigen vor der Kamera zu sehen, und sie ist nicht mehr bloß die alleinige Heldin. Die (positive) Folge: Szenen, mit denen sie sich früher überfordert gezeigt hätte, muss sie hier gar nicht erst alleine stemmen. Til Schweiger gelingt mit «Conni & Co 2» seine beste Regiearbeit seit "Zweiohrküken". Die Produktion präsentiert sich ausbalanciert zwischen den Genres Familienfilm, Abenteuer sowie Komödie und lässt die Kinder die Helden sein. Lediglich der hektische Schnitt und manche Teile der Besetzung trüben das Seherlebnis ein wenig.


THE BOSS BABY –  98 min. – Ab 6 J.
Als der siebenjährige Tim einen kleinen Bruder bekommt, steht das neue Baby fortan im Mittelpunkt des Familienlebens. Das sorgt für Knatsch mit Tim, der die ungeteilte elterliche Aufmerksamkeit vermisst und den ungeliebten Windelträger loswerden will. Doch schließlich raufen sich die Brüder zusammen, um gemeinsam dem windigen Geschäftsmann Francis das Handwerk zu legen. Der sorgt dafür, dass die Menschen ihre Liebe immer mehr in Hundewelpen statt in Babys investieren. Ein sprechendes Baby im Business-Anzug, schon wenn wir uns das nur vor dem inneren Auge ausmalen, müssen wir schmunzeln und das ging den Verantwortlichen bei Dreamworks Animation offenbar ganz ähnlich. Als die Idee einer Verfilmung des Bilderbuchs „The Boss Baby“ an sie herangetragen wurde, bekam Regisseur Tom McGrath den Auftrag, nach der "Madagascar"-Trilogie und "Megamind" sein fünftes Abenteuer für die Animationsschmiede zu realisieren, die auch die Reihen "Shrek", "Drachenzäühmen leicht gemacht" und "Kung Fu Panda" hervorgebracht hat. Drehbuchautor Michael McCullers bleibt recht nah am kindgerechten Tonfall der Vorlage, aber die Filmemacher setzen zu sehr auf Gags und Action, ohne sich groß um differenzierte Figurenzeichnung und Handlungsführung zu kümmern. So driftet das Geschehen zuweilen in Chaos und Hektik ab, da nutzt sich selbst das wirklich sehr lustige Titelhelden-Baby irgendwann ab.


Weitere Titel im Programm, kurz vorgestellt: (Quellen: programmkino.de/kino.de)

LION – Der lange Weg nach Hause –  118 min. – Ab 6 J.
Die besten Geschichten schreibt bekanntlich das Leben. Eine solch starke Story ist jene des kleinen Jungen, der am Bahnhof vergessen wird. Nach einer Odyssee durch halb Indien landet der Knirps im Heim. Wird von einem Paar in Australien adoptiert. Und macht sich 20 Jahre später auf die Suche nach seiner leiblichen Familie. Überragend ist ein fünfjähriger Kinderdarsteller, der selbst einer überzeugenden Nicole Kidman locker die Show stiehlt. Der australische Regisseur Garth Davis verfilmte die wahre Geschichte dieses Jungen, der als Fünfjähriger in einem tragischen Zufall von seiner Familie getrennt wurde, aber 20 Jahre später zurückfand. Die Reise in die Verlorenheit eines Kindes entwickelt ihre enorme Kraft, weil sich der Film ganz auf die Perspektive des Jungen einlässt, der Kraft der Kinderaugen mehr traut als großen Erläuterungsdialogen und mit der Intensität des filmischen Erlebens westliche Ignoranzstrategien aushebelt. Dem gegenüber muss der zweite Teil des Filmes, in dem sich der erwachsene Saroo (Dev Patel) auf die Suche nach seiner leiblichen Familie macht, zwangsläufig abfallen. Es ist ein indisches Gericht aus der Kindheit, das die Schleusen der Erinnerung öffnet, und die Hightech-Segnungen von Google Earth, die die manische Recherche des Mittzwanzigers ermöglicht. »Lion« beruht auf der Lebensgeschichte von Saroo Brierley, der es tatsächlich geschafft hat, nach einem Vierteljahrhundert seine leibliche Mutter ausfindig zu machen. Ein berührender, angenehm klischeefreier und hervorragend besetzter Film über einen Menschen auf der Suche nach seinen Wurzeln.

DIE BLUMEN VON GESTERN – 120 min. – Ab 12 J.
Ziemlich fies, ein bisschen durchgeknallt und sehr kurzweilig: Das sind die herausragendsten Attribute einer wirklich nur beinahe romantischen Komödie um zwei Soziopathen, die sich untereinander aufs Feinste befehden. Adèle Haenel und Lars Eidinger spielen die beiden Chefneurotiker Zazie und Totila, deren persönliches Unglück in der Familiengeschichte liegt. Chris Kraus hat eine herrlich respektlose, aber niemals denunzierende Farce über die Spätfolgen des Holocausts geschrieben. Dabei bleibt die fantasievolle Story trotz hoher Slapstickdichte seriös und wird zu einer wenig barmherzigen, aber dafür warmherzigen Lehrstunde in Sachen (Schwarz-)Humor, der bekanntlich heilsame Wirkung haben kann. Es geht über die Nachkommen der Täter und der Opfer, die immer noch an der Krankheit Deutschland leiden. Dabei macht Chris Kraus vor nichts Halt, er zeigt den Medienrummel und die Kommerzialisierung um die deutsche Geschichte, aber auch eine zickige Auschwitz-Überlebende, die Burgschauspielerin Sigrid Marquardt in ihrer letzten Rolle, ebenso wie den Kampf der wenigen Aufrechten um das ungeliebte Erbe, und er drückt dabei ziemlich fest und bohrend auf halb offene Wunden. Als Katalysator dient ihm sein geradezu irrwitziger Humor mit manchmal atemstockender Situationskomik und beeindruckend ausgetüftelten Dialogen. Humor kann sehr gesundheitsfördernd sein, auch für den Geist. Zahlreiche Nominierungen für den Deutschen Filmpreis (am 28.4.17) wurden leider nicht belohnt. Nichtsdestotrotz: Das ist Unterhaltung vom Feinsten auf hohem Niveau. Die Empfehlung.

PROJEKT A – Eine Reise zu anarchistischen Projekten in Europa – 90 min. – Ab 6 J.
Der Dokumentarfilm PROJEKT A taucht ein in die vielschichtige Welt der Anarchisten und bricht mit den gängigen Klischees über Steinewerfer und Chaoten. Er öffnet viel mehr den Blick auf eine Bewegung, die das Unmögliche fordert, an den Grundfesten unserer Gesellschaft rüttelt und gerade deshalb das Augenmerk auf zentrale ungelöste Fragen unserer Zeit lenkt. Der Film handelt von einer politischen Bewegung, ihrer Theorie und den Menschen, die sich für deren Verwirklichung einsetzen. Sie träumen von einer freien Gesellschaft. Sie entwerfen konkrete Visionen einer anderen Welt und versuchen, diese in ihrem Leben umzusetzen. Sie glauben daran, dass Menschen herrschaftsfrei leben können, ohne Staat, ohne Polizei, ohne Gesetze und Justiz, aus heutiger Sicht eine absurde Vorstellung. Ihr Leben ist ein Ringen mit Obrigkeiten, Konventionen und Vorurteilen. Anarchie ist ein radikaler Ansatz und die Protagonisten von PROJEKT A stellen die Grundprinzipien der kapitalistischen Weltordnung in Frage. Und damit sind sie nicht mehr alleine. Zwanzig Jahre nach dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus stellen weite Teile der Gesellschaft ebenso den Kapitalismus als zukunftsfähiges Gesellschaftsmodell in Frage. Es geht um die Vision einer freien sozialistischen Gesellschaft, die auf den Grundlagen von Gemeineigentum, Selbstverwaltung, demokratischer Planung von unten und einer am Bedarf ausgerichteten, nicht profitorientierten Produktion basiert. Nur eine solche Gesellschaftsordnung macht individuelle Freiheit möglich. Welche Alternativen bietet der Anarchismus? PROJEKT A geht dieser alten und zugleich neuen Idee nach und nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise zu anarchistischen Projekten.

DER SCHAMANE UND DIE SCHLANGE – 125 min. – Ab 6 J. (OmU)
Mit dem südamerikanischen Dschungel hat die Natur eines ihrer vielen Meisterwerke vollbracht. Der Amazonas bahnt sich in Kurven seinen Weg durch schier endloses Grün, während die Berge im tief hängenden Nebel versinken, der seinerseits wie ein lebendiger Schleier das Wasser und die Erde überwacht. Dass wir hier nicht mehr nur einem weltlichen Ort, sondern einem übergroßen Mythos gegenüber stehen, ist diesem Film von Ciro Guerra schlangenförmig eingraviert. Er mahnt, verführt, verschlingt. Im Abstand von 31 Jahren suchen der deutsche Forscher Theodor Koch-Grünberg und der amerikanische Botaniker Richard Evans Schultes nach einer besonderen Heilpflanze (genannt Yakruna). Auch treffen beide auf den Schamanen Karamakate, der ihnen, nach einigem Zögern, Unterstützung zusagt und sie begleitet. In fesselnden Schwarzweißbildern wird von einer Welt erzählt, in der sich Gegenwart und Vergangenheit, Mythos, Rausch und Realität begegnen und mischen. Ein magisches, aufwühlendes Kinoereignis, eine Reise an den Rand des Fassbaren, die von den Mysterien einer vergessenen Kultur, von den Schrecken der Kolonialisierung und vom Umgang des Menschen mit den Schätzen der Natur erzählt.

HIDDEN FIGURES - UNERKANNTE HELDINNEN - 127 min. - Ab 12 J.
Fast jeder kennt Namen kühner Astronauten. Dass die Weltmacht USA ihren globalen Durchbruch beim Wettrennen ins All jedoch brillanten, afroamerikanischen Mathematikerinnen verdankt, weiß kaum jemand. Trotz aller rassistischen und sexistischen Vorurteile gaben diese Pionierinnen nicht auf und setzten sich Anfang der 60er Jahre in einer weißen und männerdominierten Gesellschaft bei der NASA durch. Einzigartig erzählt das Mut machende, temporeiche, historische Drama ihre außergewöhnliche Geschichte. Dabei agiert das sympathische afroamerikanische Frauentrio Taraji P. Henson, Oscar-Gewinnerin Octavia Spencer („The Help“) und Janelle Monáe („The Equalizer“) in der bislang unbekannten Episode der US-amerikanischen Raumfahrt hinreißend schlagfertig. Auch wenn die Gräuel der Sechziger Jahre, in denen die Übergriffe auf die schwarze Bevölkerung ihren brutalen Höhepunkt erreichen, in dem historischen Gleichberechtigungsdrama eher eine Randnotiz bleiben, wird nichts beschönigt. Regisseur Theodore Melfis optimistische, geradlinige Inszenierung nach dem gleichnamigen Sachbuch von Margot Lee Shetterly missachtet die Abgründe rassistischer Gewalt keineswegs. Im Vordergrund seines spannenden Biopics steht jedoch die solidarische Freundschaft und Lebensfreude des talentierten, entwaffnenden Trios schwarzer Wissenschaftlerinnen, die sich mit Selbstbewusstsein, intelligentem Witz und Kampfeswillen nehmen, was ihnen zusteht. Sie spornen Mädchen und Frauen an, ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, an die eigenen Fähigkeiten zu glauben und hartnäckig Hürden  zu überwinden. Schließlich galten Mathematik und Wissenschaft lange genug als Männerdomäne. Und immer noch bremsen Rollenklischees oft einen Wandel. Ein leidenschaftliches Plädoyer für eine gleichberechtigte Zukunft.

ICH, CLAUDE MONET (OmU) - 90 min. - Ab 12 J.
"Mein Kopf zerspringt. Ich möchte alles malen“ (Claude Monet). Basierend auf mehr als 2.500 Briefen ermöglicht Regisseur Phil Grabsky mit „ICH, CLAUDE MONET“ brandneue Perspektiven auf einen der vielleicht beliebtesten Maler weltweit. Durch seine Briefe spricht Monet zu uns und gewährt uns somit tiefe Einblicke in die Abgründe seiner Seele. Wer war der Mann hinter den sonnendurchfluteten Leinwänden wirklich? Monet gilt als Vater des Impressionismus. Sein Werk „Impression, Sonnenaufgang“ von 1872 gab der gesamten Bewegung ihren Namen. Er zählt zu den einflussreichsten und erfolgreichsten Malern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sein Leben ist eine fesselnde Geschichte über einen Menschen, der hinter seinen farbintensiv strahlenden Bildern unter schweren Depressionen, Einsamkeit und Selbstmordgedanken litt. Mit der Entwicklung seiner Kunst und der Liebe zum Gärtnern, aus der die Pracht seines Gartens in Giverny hervorgeht, entdecken wir auch seinen Humor, seine tiefen Einsichten und seine Hingabe an das Leben. Gedreht an verschiedenen europäischen Entstehungsorten seiner Kunst, ist dies eine filmische Reise durch einige der meist geliebten und unverwechselbarsten Szenerien der abendländischen Kunst. Und allemal ist es eine Wonne, die Pracht seiner wunderschönen Bild-/Lichtstimmungen seiner Gemälde auf der Großbildwand auf sich wirken lassen zu können. Die Empfehlung.

WILDE MAUS - 103 min. - Ab 12 J.
Josef Haders Kabarett-Programme sind hochkarätig und mit allen wichtigen Preisen geadelt. Die Auftritte als knautschiger Ermittler Brenner in den vier Verfilmungen der bitterbösen Wolf-Haas-Krimis haben unbestrittenen Kult-Faktor. Nach dem Ausflug ins große Charakterfach mit „Vor der Morgenröte“ präsentiert der Österreicher nun sein Regiedebüt. Nach eigenem Drehbuch spielt Hader den tragikomischen Helden in der Midlife-Crisis, der seinen Job als Musikkritiker verliert und sich an seinem Chef rächen will. Immer tiefer versinkt dieser Georg im Loch, verliert mit der Arbeit seinen Lebensinhalt, müht sich vergeblich, den Kinderwunsch seiner langjährigen Partnerin zu erfüllen, was bald auch die Ehe an den Rand des Abgrunds bringt, und sieht nur noch einen Ausweg. Famose Figuren, starke Situationskomik samt funkelnder Dialoge. Wie in seinen Bühnen-Programmen erweist sich Hader auch auf der Leinwand als Maestro der treffsicheren Pointen statt substanzloser Späßchen oder bloßem Wortspiel-Geplapper. Wie so oft bei Hader, streift diese Figur scharf an der Larmoyanz vorbei, was jedoch durch die breit aufgestellten Nebenfiguren aufgefangen wird, in denen das Hauptthema des Films variiert wird. Auf vielfältige Weise geht es um einen Mangel an Kommunikation, sei es zwischen Paaren, aber auch zwischen Berufskollegen oder sogar einem Journalisten und den Musikern, über die er schreibt. Auf bemerkenswert subtile Weise deutet Hader die Folgen dieser Kommunikationsunfähigkeit an, die oft ganz unbemerkt existiert und unerwartete Konsequenzen hat. Durch diese Mischung aus dem typischen, von Schmäh geprägtem, Haderschen Blick auf die Welt und einer feinfühligen Beobachtung unterschiedlicher Beziehungsschwierigkeiten, wird „Wilde Maus“ am Ende zu mehr als nur einer Variation der bekannten Muster eines Hader-Films. Nach diesem großen Wurf mit seinem Regie-Debüt gilt für Josef Hader allemal, was er seinen Helden einmal sagen lässt: „Ich bin ja auch nicht irgendwer. Ich bin eine Instanz!“.

MOONLIGHT - 111 min. - Ab 12 J.
Klassische Muster des amerikanischen Independentkinos dekliniert Richard Jenkins in seinem zweiten Spielfilm (sein Debüt „Medicine for Melancholy“ kam in Deutschland nicht ins Kino) durch und scheint dabei lange einer fatalistischen Weltsicht zu folgen: Hoffnungslos wirkt sein Blick auf das Leben in der ärmlichen Gegend, in der vor allem Schwarze leben, die meisten Kinder ohne Vater bei ihrer Mutter aufwachsen, Drogen allgegenwärtig sind und es kaum einen Weg zu geben scheint, dem Kreislauf zu entgehen. Andererseits ist dieser Blick nicht unbedingt fatalistisch, sondern für weite Teile der schwarzen Bevölkerung Amerikas traurige Realität. Auch wenn nur etwa 12 % der amerikanischen Bevölkerung Schwarze sind, machen sie 37% der Inhaftierten aus. Ein schwarzes Kind, das heute geboren wird, wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 3 im Gefängnis landen. Die Hoffnungslosigkeit, die solche Zahlen ausdrücken, prägt auch Jenkins Film, der in gewisser Weise kein Klischee auslässt, diese aber durch das Thema Homosexualität quasi unterläuft. Besonders gewagt ist das, da gerade die schwarze Kultur, vor allem die inzwischen landesweit dominierenden Musik-Stilrichtungen Hip-Hop und R'n'B von Machoattitüden geprägt und oft kaum verhohlen homophob sind. Dieser Tendenz setzt Jenkins ein Narrativ entgegen, dass nur ganz vorsichtig angedeutet werden muss, um seine geradezu subversive Qualität zu entfalten. Kaum mehr als einen Kuss und eine Umarmung zeigt Jenkins, doch die zarte Andeutung einer Romanze reicht aus. Radikal in seinem erzählerischen Ansatz, brillant inszeniert und tief berührend: Barry Jenkins Drama ist ein Highlight des Kinojahres und der diesjährige in drei Kategorien ausgezeichnete Oscargewinner, darunter als „Bester Film“.

MADAME CHRISTINE und ihre unerwarteten Gäste - 102 min. - Ab 12 J.
Wie man aus sozialem Zündstoff eine leichte Komödie macht, haben die Franzosen in den letzten Jahren mit teilweise grandiosen Filmerfolgen, vor allem aber mit viel Humor und noch mehr Mut zu Kritik und Selbstkritik bewiesen. Der neue Film von Alexandra Leclère („Zwei ungleiche Schwestern“) reiht sich hier nahtlos ein. Mit satirischem Humor und viel Menschlichkeit lässt Leclère in ihrer turbulenten Komödie Arm und Reich aufeinanderprallen: Wegen des harten Winters beschließt die französische Regierung, Arme in zu große Wohnungen einzuquartieren. Ein luxuriöses Wohnhaus in Paris wird zum Ausgangspunkt einer Story, in der niemand von Spott und Häme verschont bleibt. Im Mittelpunkt der turbulenten Handlung steht das Ehepaar Christine und Pierre, die allein auf ca. 300 Quadratmetern teuersten Pariser Wohnraums leben. Es kommt, wie es kommen muss. Das erste, was sich viele Reiche einfallen lassen, ist eine Ausrede, wie man sich vor der Verpflichtung drücken kann. Da werden plötzlich die schon ins Heim verbannten Eltern oder Verwandten aufgenommen, nur damit keine fremden Leute einziehen können. Doch so leicht lässt sich die Obrigkeit nicht austricksen, und bald hält tatsächlich die ungeliebte und mit großem Misstrauen betrachtete Unterschicht in Gestalt von Immigranten, Obdach- und Arbeitslosen Einzug in das schicke Pariser Wohnhaus. Verlierer und Gewinner prallen aufeinander, und schon geht’s rund. Eine bissige, mit scharfzüngigen Dialogen gespickte Sozialkomödie, die gängige Klischees gegenüber Migranten und sozial Schwachen genüsslich aufs Korn nimmt und eine tolerantere Gesellschaft fordert. Die schrulligen Nebenfiguren und die starken Darsteller runden den Film ab.


PAULA - Mein Leben soll ein Fest sein - 123 min. - Ab 12 J.
Das Drama über das kurze, wilde Leben der Paula Modersohn-Becker zeigt eine lebenshungrige Frau, die gegen alle Konventionen um 1900 herum als Künstlerin arbeitet. Christian Schwochow inszeniert formgewandt und in teils wunderbaren Bildern ein Biopic mit Einblicken in eine spannende Epoche und ins Leben einer Künstlerin, deren Werk bis heute strahlt. Carla Juri in der Titelrolle vibriert förmlich vor Lebensfreude und Lebenslust; ihre spontanen Gesten und Blicke, die manchmal überraschend witzigen Kommentare, die sie mit liebenswerter, leicht rauer Mädchenstimme hinwirft, und ihre ganze entschlossene, aufrechte Haltung machen aus Paula eine intelligente, leidenschaftliche Frau auf der Suche nach Erfüllung, sowohl in der Kunst als auch im Privaten. Dabei war die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert tatsächlich eine wilde Zeit, in der ordentlich die Post abging, auch bei den Frauen und vor allem in der Kunstszene, siehe Käthe Kollwitz, Alma Mahler und natürlich Paulas Freundin, Clara Westhoff. Schwochow hat sich als Regisseur starker, widerspenstiger Frauen etabliert, zu denen sich nun auch die Malerin Paula Modersohn-Becker einreiht. Dabei spiegeln sich im historischen Maler-Biopic ganz moderne Themen wie die Vereinbarkeit von menschlichen Beziehungen und beruflicher Selbstverwirklichung, die auch den Regisseur als Vater ebenso wie als Künstler umtreiben. Aber es geht auch um die Widerstände, gegen die eine Frau ankämpfen muss, egal ob sie heute oder um 1900 in Bremen ihrer künstlerischen Berufung folgen will. Wenn die Freunde Modersohn bedrängen, seine Frau wahlweise an die Kandare zu nehmen oder ins Irrenhaus einzuweisen, dann sind das die erschreckend drastischen Maßnahmen, mit denen Männer früher ihre Vorherrschaft verteidigt haben. Im Kontrast dazu arbeiten die Filmemacher die modernen Aspekte dieser Beziehung heraus. Immer stärker befreit sich auch Otto Modersohn aus den Konventionen seiner Zeit, weigert sich, den Forderungen seiner Freunde nachzugeben, geht auf seine Frau zu, entwickelt sogar die Größe, ihre künstlerische Kraft anzuerkennen und behutsam auf sie einzugehen.

MEIN BLIND DATE MIT DEM LEBEN – 111 min. – Ab 12 J.
Saliya Kahawatte (Kostja Ullmann) sieht die Welt wie durch ein dickes Milchglas. Doch seine Sehbehinderung soll ihn nicht aufhalten. Er will ein normales Leben führen, Karriere machen und sich verlieben, wie alle anderen auch. Saliya setzt sich in den Kopf, eine gastronomische Ausbildung im Nobelhotel Bayrischer Hof zu machen, obwohl er kaum das Gesicht seines Gegenübers scharf erkennen kann. Der junge Mann stellt sich erstaunlich gut an und überrascht alle, als er den Job tatsächlich an Land zieht. Er beginnt eine tiefe Freundschaft zu seinem Kollegen Max (Jacob Matschenz), der mit ihm alle Lebenslagen im Hotel meistert. Wie richtet man, ohne als Quasiblinder aufzufallen, ein Zimmer her, wie schneidet man die Mortadella, wie mixt man einen Drink? Dann lernt er Laura (Anna Maria Mühe) kennen, und da Liebe bekanntlich erst recht blind macht, stolpert er ungewollt in die heikelsten Situationen. Sein Versteck-Spielchen ist ein fragiles Konstrukt, das jeden Moment bröckeln könnte. Marc Rothemund inszenierte die faszinierende wahre Geschichte von Saliya Kahawatte als schwungvolle Komödie.