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Der neue grosse Saal sagt hallo!Kinoansicht. S-Bahn Obertürkheim: 200m geradeaus und gleich links sehen Sie mich! K2
                                            
Unser Programm von Freitag, 10.8. bis Freitag, 14.9.2018:

Welcher Film in  KINOTHEK 1 ... Beginn DATUM Welcher Film in  KINOTHEK 2 ... Beginn
Keine Vorstellungen.

Do 9.8. Keine Vorstellungen.

PAPST FRANZISKUS - Ein Mann seines Wortes
20.15 Fr 10.8. SWIMMING WITH MEN 20.15
PAPST FRANZISKUS - Ein Mann seines Wortes
20.15 Sa 11.8. SWIMMING WITH MEN 20.15
PAPST FRANZISKUS - Ein Mann seines Wortes
17.30 So 12.8. DER BUCHLADEN DER FLORENCE GREEN 17.30
Keine Vorstellungen.
Mo 13.8. Keine Vorstellungen.
PAPST FRANZISKUS - Ein Mann seines Wortes
20.15 Di 14.8. DIE BRILLANTE MADEMOISELLE NEÏLA 20.15
PAPST FRANZISKUS - Ein Mann seines Wortes
20.15 Mi 15.8. ***DIE BRILLANTE MADEMOISELLE NEÏLA 20.15
Keine Vorstellungen.
Do 16.8. Keine Vorstellungen.
PAPST FRANZISKUS - Ein Mann seines Wortes
20.15 Fr 17.8. DER BUCHLADEN DER FLORENCE GREEN 20.15
PAPST FRANZISKUS - Ein Mann seines Wortes
20.15 Sa 18.8. ***DER BUCHLADEN DER FLORENCE GREEN 20.15
Wir machen Betriebsferien von Sonntag, 19.8. bis Donnerstag, 6.9.2018.
NEU   DIE FARBE DES HORIZONTS
20.15 Fr 7.9. SWIMMING WITH MEN 20.15
DIE FARBE DES HORIZONTS
PAPST FRANZISKUS - Ein Mann seines Wortes

17.30
20.15
Sa 8.9. SWIMMING WITH MEN
NEU   TRANSIT
17.30
20.15
NEU   LUIS UND DIE ALIENS
PAPST FRANZISKUS - Ein Mann seines Wortes

15.00
17.30
So 9.9. NEU  LILIANE SUSEWIND EIN TIERISCHES ABENTEUER
TRANSIT
15.00
17.30
Keine Vorstellungen.
Mo 10.9. Keine Vorstellungen.
PAPST FRANZISKUS - Ein Mann seines Wortes
20.15 Di 11.9. NEU   3 TAGE IN QUIBERON 20.15
PAPST FRANZISKUS - Ein Mann seines Wortes
DIE FARBE DES HORIZONTS
17.45
20.15
Mi 12.9. 3 TAGE IN QUIBERON
SWIMMING WITH MEN
17.45
20.15
NEU   MAMMA MIA! HERE WE GO AGAIN
20.15 Do 13.9. NEU   CANDELARIA  EIN KUBANISCHER SOMMER 20.15
MAMMA MIA! HERE WE GO AGAIN
20.15 Fr 14.9. CANDELARIA  EIN KUBANISCHER SOMMER 20.15
* NUR NOCH KURZE ZEIT  |   ** VORAUSSICHTLICH LETZTE VORSTELLUNG.  |    *** LETZTE VORSTELLUNG.   |   ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR!
Wie zeigen jeweils die deutsche Fassung (2D), wenn nicht anders angegeben.  |  OF=Originalfassung  | OmU=Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Zu Ihrer Information: Filmtheater erstellen ihr Filmprogramm in der Regel von Woche zu Woche. Jeden Montag nachmittag ab ca. 14 Uhr können Sie unser Programm für die nächsten zehn Tage einsehen. Informieren Sie sich bitte taggenau: Aufgrund der Fülle an Filmen, die für uns interessant sind und bei nur zwei Kinosälen zeigen wir diese nicht täglich (!) innerhalb der Kinowoche (Donnerstag bis Mittwoch), sondern vielmehr über Wochen hinweg immer wieder tageweise.
Sie können von weiteren Vorstellungen eines Titels ausgehen, wenn dieser ohne Stern versehen ist.
Alle diesbezüglichen Angaben sind ohne Gewähr.

Aktuell im Programm: (Quellen: programmkino.de/kino.de/epd-film)

PAPST FRANZISKUS – Ein Mann seines Wortes – 96 min. – Ab 6 J.
Als cineastischer Biograf bekam Wim Wenders bereits drei Oscar-Nominierungen. Nach den Musikern vom „Buena Vista Social Club“, Tanz-Ikone „Pina“ Bausch sowie dem Fotografen Sebastião Salgado in „Salz der Erde“ folgt nun ein Porträt über Papst Franziskus. Es ist eine persönliche Reise mit dem Papst und nicht so sehr ein Film über ihn. Im Zentrum dieses Porträts stehen seine Gedanken, alle ihm wichtigen Themen, aktuelle Fragen zu globalen Herausforderungen und sein Reformbestreben innerhalb der Kirche. Das visuelle Konzept des Films lässt den Zuschauer mit dem Papst von Angesicht zu Angesicht sein. Ein Gespräch zwischen ihm und, im wahrsten Sinne, der Welt entsteht. Papst Franziskus teilt seine Vision einer Kirche, die von tiefer Sorge um die Armen geprägt ist, präsentiert werden dessen politisch durchaus radikale Ansichten in Sachen Ökologie, sozialer Gerechtigkeit oder Konsumgesellschaft. Rigoros beklagt der Pontifex zudem die Vertuschung von sexuellem Missbrauch in seiner Kirche. Er fordert die Stärkung von Frauen und die Akzeptanz von Schwulen. Neben den Bildern der Papst-Reisen rund um die Welt überrascht Wim Wenders vor allem mit einzigartig intimen Innenansichten, mehrfach erhielt er Interview-Audienz im Vatikan. „Es ist auch für Kritiker der Kirche völlig ungefährlich, sich diesen Film anzusehen“, verspricht Wenders. Den Raubbau der Erde schnellstens verhindern! Der Profitgier der Konsumgesellschaft begegnen! Die eklatante Ungerechtigkeit zwischen Armut und Reichtum beenden! Hunger bekämpfen! Waffenexporte verbieten! Toleranz der Religionen! Akzeptanz von Minderheiten! Was wie Wunschzettel auf einem Öko-Workshop beim Kirchentag klingt, meint das Oberhaupt der Katholiken absolut ernst. „Wir sind alle verantwortlich! Niemand kann sagen, ich habe damit nichts zu tun!“, kommentiert Franziskus rigoros die Lage. Er schaut dabei dem Publikum direkt in die Augen. Wie schon in „Salz der Erde“ sorgt die besondere Kameratechnik namens Interrotron für diesen Spezialeffekt: Der Befragte blickt auf eine Art umfunktionierten Teleprompter, auf dem er das Gesicht des Interviewers sieht, als ob dieser vor ihm säße. Gleichwohl sieht er durch ihn hindurch direkt in die Kamera.

SWIMMING WITH MEN – 94 min. – Ab 6 J.
Nirgendwo werden Underdogs amüsanter gefeiert als im britischen Kino. In der Tradition von „Ganz oder gar nicht“ oder „Kalender Girls“ strampelt sich in dieser Feel-Good-Komödie ein Trupp männlicher Synchronschwimmer ab, um sich im tristen Hallenbad ein bisschen Würde und Werte im Leben zu bewahren. Die sportlichen Anstrengungen der schrägen Stehaufmännchen fallen erwartungsgemäß ebenso situationskomisch wie selbstironisch aus. Not amused dürften allein die Funktionärs-Bonzen von Olympia sein: Sie verbieten Männern bis heute den Zutritt ins Synchronschwimm-Becken. Bei seinem Figurenkabinett der liebenswerten Loser verzichtet „Johnny English 2“-Regisseur Oliver Parker bewusst auf aalglatte Sixpack-Schönheiten aus dem „Magic Mike“-Traumfabrik-Katalog, stattdessen mühen sich hier die ganz normalen Durchschnitts-Typen mit gelegentlichem Übergewicht um Anmut über und unter Wasser. In diesem Pool sind alle gleich. Damit dies auch so bliebt, lautet der erste Paragraph der putzigen Vereinssatzung: „Was im Becken passiert, das bleibt im Becken.“ Die Chemie in dieser Herrenriege fällt spürbar stimmig aus. Sichtlich entspannt spielt man sich die Pointen-Bälle zu. Für Situationskomik gibt es reichlich Anlass, und die fällt bei Briten traditionell mit unnachahmlich unaufdringlichem Understatement aus.

DIE BRILLANTE MADEMOISELLE NEÏLA - 97 min. - Ab 6 J.
Die Kunst, Recht zu behalten, man kann sie lernen. Im neuen Film von Yvan Attal nimmt Daniel Auteuil als zynischer Rhetorik-Professor eine junge Jurastudentin unter seine Fittiche, um ihr die Technik des Diskutierens beizubringen. Und um seinen Job zu retten. Zwei Dickköpfe prallen aufeinander, und wie sie langsam, mit intelligent geschriebenen Dialogen am selben Strick ziehen, um einen Rhetorik-Wettbewerb zu gewinnen, ist die eigentliche Geschichte des Films. Mit der schönen Erkenntnis: Mit den richtigen Worten kann man viel erreichen, vom Kuss bis zur Karriere. Regisseur Yvan Attal macht es dem Zuschauer zunächst nicht leicht, seine Figuren zu mögen. Neïla geht einem in den ersten Szenen mit ihrer Unpünktlichkeit und ihrem aufbrausenden Temperament, ihrer Aggressivität und Zickigkeit gehörig auf die Nerven. So legt sich ein kleiner Schatten auf die Figur, die erst später Mut, Hartnäckigkeit, Freundlichkeit, Zielstrebigkeit und Dankbarkeit zeigen wird. Mazard hingegen ist zwar ein guter Lehrer, der mit ungewöhnlichen Methoden und immensem Wissen seine Schülerin fordert. Aber mit seinen Wutanfällen, Provokationen und Beleidigungen erscheint er als schwieriger Misanthrop, dem man nur ungern Sympathie entgegen bringt. Im Folgenden geht es also darum, wie Lehrer und Schülerin aufeinander zu gehen und voneinander lernen. Aber es geht auch um die Macht des Wortes und die richtige Argumentation. In fein ziselierten, intelligent geschrieben Dialogen berührt der Film zahlreiche Themen, vom Rassismus bis zur Frauenfeindlichkeit, von der Bigotterie bis zur Wahrheit, von der Bildung bis zur Redefreiheit. Nicht umsonst wird hier Arthur Schopenhauers Technik des Diskutierens, auch bekannt als „Eristische Dialektik“, angeführt. 38 Kunstgriffe gibt es, die einem helfen, Recht zu behalten, von der Ablenkung bis zur Verallgemeinerung, von falschen Annahmen bis zur irritierenden Zwischenfrage. Und wenn der Gegner zu gewinnen droht, darf man ihn auch persönlich beleidigen. Wer hätte gedacht, dass Schopenhauer auch heute noch so aktuell ist?

DER BUCHLADEN DER FLORENCE GREEN - 110 min. - Ab 6 J.
Ein Buch sei wie ein Haus, das man während der Lektüre durchwandere und in dem man sich ein Zuhause schaffe, behauptet die Erzählerin aus dem Off zu Beginn des Films. Und im Folgenden macht Regisseurin Isabel Coixet das Publikum zum Zeugen ihrer eigenen Wanderung durch Penelope Fitzgeralds 1978 erschienenen Roman. Diese hat ihren Roman als Konfrontation zwischen dem staubigen britischen Konservatismus und der beginnenden Liberalität der späten fünfziger Jahre angelegt. Hinter der Fassade gediegener Konversation entlarvt sie die Böswilligkeit des provinziellen Establishments. Coixet bleibt diesem Grundgedanken treu, indem sie den Buchladen zu einer Bastion des freien Geistes ausbaut, die von der Heldin ebenso tapfer wie vergeblich verteidigt wird. Und es geht auch um nichts weniger als die Liebe zum Buch, die Lust am Lesen, die Sehnsucht nach Fantasie und anderen Welten. Doch in der englischen Provinz der späten 1950er Jahre, einer Zeit, in der unterdrückte Gefühle, Klassenunterschiede und die Angst vor dem Unbekannten den Alltag bestimmen, sind dies auch sehr gefährliche Sehnsüchte, die eine mutige, idealistische Frau (Emily Mortimer) auf Konfrontationskurs mit der Dorfgemeinschaft schicken. Unterstützt wird sie dabei von dem exzentrischen Sonderling Mr. Brundish (Bill Nighy), erbittert bekämpft von der allmächtigen Grande Dame des Ortes, Violet Gamart (Patricia Clarkson), die aus dem alten Haus ein Kulturzentrum machen wollte. Das sind wunderbare Schauspieler mit perfektem Gefühl für ihre Figuren, denen man gern bei den Kleinstadtintrigen zusieht. Eine ehrliche Liebeserklärung an die bedrohten Wohnstuben des Geistes, an die guten alten, aussterbenden Buchläden, die jeden leidenschaftlichen Leser berührt.

DIE FARBE DES HORIZONTS – 105 min. – Ab 12 J.
Alle kennen Road Movies, viel seltener aber werden Boat Movies gewürdigt. Wo man mit einem Auto meist rechts ranfahren kann, um den gefährlichen Weg in Richtung Selbsterkenntnis abzubrechen, endet eine filmische Seefahrt oft nicht eher, bevor Boot oder Passagiere vom Kurs abgekommen und untergegangen sind. Nach einer wahren Geschichte rekonstruierte Baltasar Kormákur ein packendes, beklemmendes Drama. Eine Ahnung von der Existenzangst und der Verzweiflung, die die Heldin des Films heimsucht, lieferten zuletzt J.C. Chandor mit „All is Lost“ (Hauptrolle: Robert Redford) und erst kürzlich James Marsh mit „Vor uns das Meer“ (Hauptrolle: Colin Firth). Eine junge Amerikanerin lernt auf Tahiti einen englischen Segler kennen und verliebt sich Hals über Kopf. Als die beiden für ein älteres Ehepaar ein Segelschiff nach San Diego überführen, geraten sie mitten im Pazifik, 2000 Seemeilen vom Festland entfernt, in einen gewaltigen Hurrikan, ein Kampf ums Überleben beginnt. Und die Rettung einer Liebe. Kormákur, der schon mit „In the Deep“ (2012) die Hauptfigur der Unbarmherzigkeit des Meeres auslieferte und sich dabei ebenfalls auf eine wahre Geschichte berief, fängt die Tragik zunächst durch eine romantische Liebesgeschichte an traumhaftem Ort auf. Doch nach der Katastrophe des Hurrikans, in den Actionszenen atemberaubend und technisch perfekt inszeniert, geht es auch um die Rettung dieser Liebe, und das verstärkt die Tragik des Films. Der deutsche Filmtitel bezieht sich, trotz allen Leids, auf die Schönheit des Meeres, die immer auch etwas Überwältigendes hat. Kein Wunder, dass die echte Tami, das verrät der Abspann, auch heute noch der Faszination des Segelns erliegt.

TRANSIT – 101 min. – Ab 12 J.
Nach zwei Filmen, die in der Vergangenheit spielten, kehrt Christian Petzold mit „Transit“ in die Gegenwart zurück. In gewisser Weise, denn der ebenso brillante wie einfache Kniff des Flüchtlings-Melodram, das im Wettbewerb der Berlinale seine Weltpremiere erlebte, verfilmt sehr werkgetreu Anna Seghers Roman von 1942, lässt ihn aber in einer Welt spielen, die wie die Gegenwart aussieht, aber vor allem zeitlos ist. In Paris findet der Flüchtling Georg (Franz Rogowski) keinen Unterschlupf, bald muss er vor den anrückenden deutschen Truppen nach Marseille fliehen, doch zuvor will er einem Freund einen Gefallen tun. Er soll dem Schriftsteller Weidel einen Brief überbringen, doch in dessen Hotelzimmer muss er feststellen, dass der Autor sich das Leben genommen hat. Kurzentschlossen nimmt Georg dessen Papiere an sich, ein Romanfragment, vor allem aber ein Transitvisum nach Mexiko und schlägt sich nach Marseille durch. Unheimlich genau beschreiben Seghers vor 75 Jahren geschriebene Worte die Gegenwart Europas, in der zwar kein faschistisches Regime auf dem Kontinent für Angst und Schrecken sorgt, die Angst vor Flüchtlingen aber vielerorts ähnliche Ausmaße angenommen zu haben scheint. Desinteresse und Passivität ist die größte Schuld, eine Haltung, die auch Georg in den emotionalen Strudel führt. Mit Franz Rogowski hat Petzold einen idealen Hauptdarsteller für die passive, fast verschüchterte Hauptfigur gefunden, die lange nur Beobachter des eigenen Schicksals ist. Erst als er im mexikanischen Konsulat auf die Frage, ob er Weidel sei, Ja sagt, ist er für einen Moment aktiv und leitet dadurch die Kette von Ereignissen ein, die ihn bis zum Ende des Films und vermutlich darüber hinaus nicht loslassen werden. Dominierte die Flüchtlingsthematik noch die erste Hälfte von „Transit“, wird die zweite von vielen der Themen bestimmt, die Petzold schon seit langem umtreiben: Geistererscheinungen, vertauschte Identitäten und der Suche nach Liebe. Einerseits ein typischer Petzold, ist „Transit“ doch eine ungewöhnliche, aber doch konsequente Weiterentwicklung im Werk eines der seit Jahren spannendsten deutschen Regisseure.

Zum 80. Geburtstag von Romy Schneider (23.9.18). Nochmals im Programm:
3 TAGE IN QUIBERON – 116 min. - Ab 12 J. - Deutscher Filmpreis in sieben Kategorien.
Deutschland macht es seinen Stars oft nicht leicht, was besonders Romy Schneider erfahren musste, die bald nach Frankreich floh und dort zu dem Weltstar wurde, als der sie auch heute, gut 35 Jahre nach ihrem Tod, noch verehrt wird. Glücklich wurde sie allerdings nie, eine Hassliebe zur Presse und zur Öffentlichkeit prägte ihr Wesen, wie Emily Atef in ihrem ästhetischen, melancholischen Film zeigt. Ihre besondere Gabe, sagte Claude Sautet einmal, bestand darin, ihre männlichen Partner infrage zu stellen. Sie ist aber, gepaart mit der Fähigkeit, sich über die eigenen Gefühle Rechenschaft abzulegen, ein mächtiges Instrument, über das die Schauspielerin zumal in ihren Filmen mit Sautet verfügt: Romy Schneiders prägnanteste Leinwandcharaktere konfrontieren ihr Gegenüber mit der Resonanz ihres Handelns. Als Romy 1981 einwilligt, dem »Stern« ein Interview zu geben, scheint dieses Talent zur Konfrontation fast erloschen. Emily Atefs Film konzentriert sich, abgesehen von einem kurzen Epilog, auf dieses Ereignis. Die von Alkohol und Tabletten abhängige Schauspielerin (glänzend Marie Bäumer) hat sich zu diesem Zeitpunkt in eine als Hotel getarnte Entzugsklinik an der französischen Atlantikküste zurückgezogen. In diesem Zustand extremer Verletzbarkeit ist ihr bang vor dem Gespräch; sie hat ihre Jugendfreundin Hilde (Birgit Minichmayr) als Stütze ­hinzugeladen. Der ehrgeizige ­Reporter Michael Jürgs (Robert Gwisdek) sieht in dem Interview eine große Karrierechance; er wird begleitet vom Fotografen Robert Lebeck (Charly Hübner), der seit einigen Jahren Romys Vertrauen und auch Freundschaft genießt. Drei Tage verbringt das Quartett zusammen, drei Tage, in denen viel geredet und fotografiert, geraucht und getrunken wird, in denen sich Schneider, teils freiwillig, teils durch die provokanten Fragen Jürgs' aus der Reserve gelockt, in einem Maße offenbart wie sie das noch nie getan hatte. Und nie wieder tun würde, denn kaum ein Jahr nach den Tagen in Quiberon starb Schneider mit nur 43 Jahren, vermutlich an einer Überdosis Schmerztabletten. Das im April 1981 veröffentlichte Interview und die dazugehörigen Fotos, die Lebeck von Schneider machte, wurden durch die Umstände zu einer Art Vermächtnis, zu einem letzten, intimen Blick in ein abwechslungsreiches, vielfältiges, aber auch tragisches Leben, dass seit frühen Tagen stets im Blick der Öffentlichkeit stattfand. Als Opfer der Medien darf man Schneider aber nicht sehen, zumindest nicht ausschließlich. In ihrem auf Tatsachen beruhenden, aber doch freien biographischen Film geht es Emily Atef genau um diese Widersprüche, die Ambivalenzen in Schneiders Wesen, ihre fast manisch wirkende Art, ihr Wechsel zwischen Himmel hoch jauchzend und zu Tode betrübt. Wie Bäumer, die Schneider in Mimik und Gestik auf verblüffende Weise ähnelt, das spielt, die unglaubliche Offenheit von Schneidet andeutet, die ihren Leinwandfiguren so eine enorme Emotionalität verlieh, wie sie mal stark und selbstbewusst, mal schwach und verletzlich ist, allein das ist toll. Doch auch stilistisch weiß Atefs Film zu überzeugen, in weichem Schwarz-weiß gefilmt, den Bildern Lebecks nachgeahmt, der in Quiberon eine der bekanntesten Foto-Serien über die oft fotografierte Schneider einfing. Auch vom Wissen um das, was folgen sollte, lebt dieser Film, vom Wissen um den baldigen Tod Schneiders, die viel zu jung starb, aber in zahlreichen wunderbaren Filmen weiterlebt, und nun auch durch diese berührende, melancholische Hommage.

MAMMA MIA! HERE WE GO AGAIN – 114 min. – Ab 0 J.
Sophie (Amanda Seyfried) ist emotional aufgewühlt: Die Wiedereröffnung des einst von ihrer Mutter geführten Hotels auf einer griechischen Trauminsel besteht bevor, doch einige der wichtigsten Menschen in ihrem Leben können verschiedenen Gründen nicht bei ihr sein. Sie fühlt sich in die Schuhe ihrer Mutter Donna (in Rückblenden: Lily James) versetzt, die in den 70er-Jahren allein nach Griechenland reiste und dort ein völlig neues Leben begonnen hat, was nicht immer so einfach war. - "Mamma Mia!" spielte weltweit über 615 Millionen Dollar ein. Das sonnig-fröhliche Musical erkämpfte sich im Herzen vieler ABBA-, Popmusik- und Filmfans einen festen Platz als wundervolle, leichtfüßige Ladung Spaß. Ohne den leisesten Hauch des Zynismus im filmischen Leib entführte die Produktion auf eine paradiesische, griechische Insel und versprühte mit seinem bestens gelaunten Ensemble und den eingängigen Melodien beliebter ABBA-Lieder Frohsinn, mit kleineren emotionaleren Momenten, die behutsam in die Handlung gestreut wurden. Während im ersten Teil die Gute-Laune-Wirkung des Films dank der geradlinig fließenden, unvermittelten Erzählweise eine sukzessiv steigende Sogkraft entwickelte, ist "Mamma Mia 2" doch zu konstruiert. Der regelrechte Sturm an Sommer-Sonne-ABBA-Spaßigkeit aus dem Erstling will sich so einfach nicht wiederholen. Doch selbst wenn die argen Drehbuchkonstruktionen die Partywellen ausbremsen: Das "Mamma Mia!"-Feeling stellt sich eben doch wieder ein, und sei es halt stockend und etwas gehemmter. Die zweite filmische ABBA-Coverparty muss nicht an die erste heranreichen, um amüsant zu sein. Regie-Nachfolger Ol Parker kann zwar wieder auf den romantischen Zauber der Ägais, die Hits der erneut mitproduzierenden Abba-Mitglieder Benny Andersson und Björn Ulvaeus und das wohlbekannte All-Star-Ensemble setzen, doch deren Fixstern, die Hotelbesitzerin Donna (Meryl Streep) ist tragischerweise verstorben und kehrt nur für eine Alibi-Abschiedsrunde als „Erinnerung“ wieder. Die Trauer um sie verleiht der Feelgood-Komödie einen Stich Melancholie, der das Schauspieler und Publikum verbindende Gefühl, unerbittlich verrinnender Lebenszeit noch verstärkt. So einnehmend wurde der Kreislauf des Lebens selten bebildert, geschweige denn besungen und betanzt. Parker hat die Ausgelassenheit des Originals in sein Sequel hineingetragen und mit einer Prise Weltschmerz versetzt, sodass sein Film der Beschaffenheit eines typischen ABBA-Songs noch ein Stückchen näher kommt. Nach Kritik an ihren Gesangseinlagen in Mamma Mia! treten Brosnan, Firth und Skarsgård dieses Mal kürzer, doch niemand Geringeres als Cher steht schon bereit, um für den angemessenen Glanz zu sorgen. Dem Ruf von ABBA erliegen sie alle.

CANDELARIA – EIN KUBANISCHER SOMMER – 88 min. – Ab 6 J.
Es war einmal ein armes, alterndes Ehepaar in Kuba, dessen Liebe und Leidenschaft im Laufe der Zeit ziemlich eingerostet war: Die 75-jährige Candelaria und ihr 76-jähriger Ehemann Victor Hugo kennen das karge Leben auf Kuba. Noch immer müssen beide arbeiten, er in einer Zigarrenfabrik, sie als Waschfrau im Hotel. Im herben Alltag ist den beiden die Liebe längst abhandengekommen. Der schicksalhafte Fund einer Videokamera bringt plötzlich völlig neuen Schwung in das Leben des Duos. Mit ausgesprochen unaufgeregtem Tempo, fast minimalistisch und meditativ, zelebrieren zwei charismatisch sympathische Senioren, wie charmant das Medium Film für den dritten Frühling sorgen kann. Nicht umsonst hört hier der Held von Havanna auf den hübschen Namen Victor Hugo! Gemeinsam entwickelt man die neu entdeckte Leidenschaft für den Film, und füreinander. Bald turtelt das betagte Paar wie Frischverliebte. Selbst ein Kuss steht nach Ewigkeiten wieder auf dem Programm. Eifersucht flammt wieder auf! Während sie sich, mit gewissem Risiko, ein schönes rotes Kleid ausleiht, geht er in das berüchtigte Kaufhaus für Schwarzhändler, um eine Uhr zu verhökern und damit ein üppiges Menu zu organisieren, für die chronisch hungernden Senioren ein wahres Freudenfest. Viel erfährt der Zuschauer über das Land und über die Menschen. Natürlich sind da auch viele kubanische Rhythmen, da ist der morbide Charme Havannas, aber auch das raue Meer, die staubigen Straßen, die große Armut. Und doch verfällt der Regisseur nicht in Klischees, sondern erzählt eine Liebes- und Lebensgeschichte mit Traurigkeit und Freude zugleich, mal ganz leise, mal lauter und immer mit einer respektvollen Liebenswürdigkeit für seine Figuren. Mit seinem bezaubernden Film über ein altes kubanisches Paar schafft der kolumbianische Regisseur Jhonny Hendrix Hinestroza ein kleines Juwel, das die Liebe und das Leben feiert. Kubanisch für Fortgeschrittene!

LUIS UND DIE ALIENS –  80 min. – Ab 0 J.
Außerirdische besuchen die Erde, ein klassischer Topos des Science-Fiction-Genres. Die Regisseure und Drehbuchautoren Christoph und Wolfgang Lauenstein, Zwillingsbrüder, stricken daraus ein prägnant erzähltes Animationsabenteuer mit dem Herz am rechten Fleck. Die europäische Koproduktion setzt auf ein Augenzwinkern und wurde vom luxemburgischen Studio Fabrique d'Images kompetent animiert. In der Schule gilt der 12-jährige Luis Sonntag als Freak, weil sein alleinerziehender Vater Armin, ein Ufologe, seit einem Kindheitstrauma die Existenz von Außerirdischen beweisen will und ständig die spießigen Nachbarn aufregt. Nur Jenny von der Schülerzeitung findet Luis nicht seltsam, sondern interessant. Als die kauzigen Aliens Mog, Nag und Wabo vor den Augen des Jungen bruchlanden, staunt Luis nicht schlecht. Zum Glück führen die Erdenbesucher nichts Arges im Schild, sondern begehren nur eine Massage-Matratze aus dem Teleshopping. Weil Armin die Aliens schockfrosten würde, versteckt Luis die Wesen. Zugleich rücken der besorgte Schuldirektor und die strenge Heimleiterin Frau Diekendaker dem Kind auf die Pelle. Der kauzige Vater verletzt nämlich seine Sorgfaltspflicht, Luis soll ins Kinderheim ... . Was diesen europäischen Animationsfilm besonders macht, sind nicht der sympathische Humor und die trubeligen Verwechslungen, sondern die Parallelhandlung um Luis und seinen Vater Armin, der sich obsessiv in seine Arbeit steigert und tagsüber schläft. So muss Luis nicht nur drei chaotische Aliens betreuen, sondern auch dafür sorgen, nicht im Heim zu landen. Dabei agiert der Junge, dessen Augen anfangs oft auf Halbmast stehen, immer selbstbewusster, und eignet sich gut als Identifikationsfigur. Frei ab 0 Jahren, empfohlen ab 6 Jahren.

LILIANE SUSEWIND – Ein tierisches Abenteuer – 98 min. – Ab 0 J.
Mit ihren roten Haaren, der bunten Kleidung und ihrem außergewöhnlichen Wesen erinnert Liliane Susewind entfernt an Astrid Lindgrens berühmte Heldin Pippi Langstrumpf. Und auch die Moral der von Tanya Stewner erdachten Kinderbuchreihe ähnelt der des möglichen Vorbilds: Um Außenseiter geht es hier wie dort, ums Anderssein, um das Besondere, das von der Gesellschaft oft abgelehnt, weil nicht verstanden wird. Explizit bekommt es Liliane immer wieder gesagt: Du bist etwas Besonderes, du bist anders. Manches Mal sorgt dieses Anderssein für Probleme, aber eigentlich, das ist klar, ist es gerade dieses Anderssein, dass sie auszeichnet. Bunt und laut läuft auch dieser Kinderfilm von Joachim Masannek ab, der sich schon mit diversen „Wilde Kerle“ und „V8“-Folgen als Spezialist für das etabliert hat, was moderne Kinder mögen. „Liliane Susewind“ folgt bekannten Mustern, hat viel Action und Hip-Hop zu bieten und dazu noch eine deutliche Moral.