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Der neue grosse Saal sagt hallo!Kinoansicht. S-Bahn Obertürkheim: 200m geradeaus und gleich links sehen Sie mich! Gastro
                                            
Unser Filmprogramm von Montag, 20.11. bis Mittwoch, 29.11.17:

WELCHER FILM IN KINOTHEK 1 ... Beginn DATUM WELCHER FILM IN KINOTHEK 2 ... Beginn
VICTORIA & ABDUL 20.15 Mo 20.11. NEU  HAMPSTEAD PARK Aussicht auf Liebe 20.15
MALEIKA  Ein Film von Matto Barfuss
NEU  WESTERN
17.45
20.15
Di 21.11. DIE GÖTTLICHE ORDNUNG
MONSIEUR PIERRE GEHT ONLINE
17.45
20.15
VICTORIA & ABDUL
Die wundersame Welt des HIERONYMUS BOSCH
17.45
20.15
Mi 22.11. HAMPSTEAD PARK Aussicht auf Liebe
ZEN FOR NOTHING
17.45
20.15
VICTORIA & ABDUL
20.15 Do 23.11. HAMPSTEAD PARK Aussicht auf Liebe 20.15
WEIT DIE GESCHICHTE VON EINEM WEG UM DIE WELT
VICTORIA & ABDUL
17.30
20.30
Fr 24.11. DER WEIN UND DER WIND
HAMPSTEAD PARK Aussicht auf Liebe
17.30
20.30
 MALEIKA  Ein Film von Matto Barfuss
NEU  TULPENFIEBER
WEIT DIE GESCHICHTE VON EINEM WEG UM DIE WELT
15.00
17.30
20.15
Sa 25.11. NEU   AMELIE RENNT
BARFUSS IN PARIS
DER WEIN UND DER WIND
15.00
17.30
20.
15
Die wundersame Welt des **HIERONYMUS BOSCH
MALEIKA  Ein Film von Matto Barfuss
WEIT DIE GESCHICHTE VON EINEM WEG UM DIE WELT
TULPENFIEBER
12.45
15.00
17.30
20.15
So 26.11. **ZEN FOR NOTHING
AMELIE RENNT
WESTERN
BARFUSS IN PARIS
12.45
15.00
17.30
20.15
VICTORIA & ABDUL 20.15 Mo27.11. DIE GÖTTLICHE ORDNUNG 20.15
TULPENFIEBER
WEIT DIE GESCHICHTE VON EINEM WEG UM DIE WELT
18.00
20.15
Di 28.11. BARFUSS IN PARIS
*WESTERN
18.00
20.15
VICTORIA & ABDUL
*MONSIEUR PIERRE GEHT ONLINE
18.00
20.15
Mi 29.11. **DIE GÖTTLICHE ORDNUNG
**HELL OR HIGH WATER
18.00
20.15
* NUR NOCH KURZE ZEIT  |   ** VORAUSSICHTLICH LETZTE VORSTELLUNG.  |    *** LETZTE VORSTELLUNG.   |   ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR!
Wie zeigen jeweils die deutsche Fassung (2D), wenn nicht anders angegeben.  |  OF=Originalfassung  | OmU=Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Zu Ihrer Information: Filmtheater erstellen ihr Filmprogramm in der Regel von Woche zu Woche. Wir aktualisieren dieses jeden Montag nachmittag für die nächsten zehn Tage. Informieren Sie sich bitte taggenau, denn aufgrund der Fülle an Filmen, die für uns interessant sind und bei nur zwei Kinosälen zeigen wir diese nicht täglich (!) innerhalb der Kinowoche (Donnerstag bis Mittwoch), sondern vielmehr über Wochen hinweg immer wieder tageweise.
Sie können von weiteren Vorstellungen eines Titels ausgehen, wenn dieser ohne Stern versehen ist.
Alle diesbezüglichen Angaben sind ohne Gewähr.


Unsere diese Woche neu einsetzenden Filme, kurz vorgestellt: (Quellen: programmkino.de/kino.de)

TULPENFIEBER - 105 min. - Ab 6 J.
Die Niederländer und ihre Tulpen: Das ist eine interessante historische Verquickung, die im 17. Jahrhundert einer Menge Menschen zum Verhängnis wurde. Während der sogenannten „Tulpenmanie“ avancierte die Tulpenzwiebel zu einem Objekt irrwitziger Spekulationen, das zeitweise wertvoller war als ein Eigenheim in Amsterdams Innenstadt. Viele Händler verdienten sich eine goldene Nase, bis die Blase platzte und die Preise für die Pflanze ins Bodenlose fielen: Der erste waschechte Börsencrash der Geschichte war geboren. Chadwick lässt das Amsterdam des Goldenen Zeitalters auferstehen, in dem die Metropole durch den Überseehandel eine Hochkonjunktur erlebte. Die Grachten und Straßen gleichen einem riesigen Markt und in den Hinterzimmern von dunklen Spelunken wird wild spekuliert. Die Gier und Leidenschaft, durch einen Börsencoup ein neues Leben beginnen zu können, erfasst von der Prostituierten bis zum Adelsmann alle Schichten. Vor diesem geschichtlichen Hintergrund ist „Tulpenfieber“ angesiedelt, eine üppig ausgestattete und prominent besetzte, aber letztlich zu holzschnittartig umgesetzte Historien-Romanze nach dem gleichnamigen Roman von Deborah Moggach. Die Geschichte einer jungen Frau, die aus Not den Falschen heiratet und aus Liebe zum Richtigen eine Intrige inszeniert, die nicht gut ausgehen kann. Ein ausstattungsreiches Historiendrama mit der aufregenden Alicia Vikander in der Hauptrolle neben Christoph Waltz, Judi Dench und Dane DeHaan.

AMELIE RENNT - 97 min. - Ab 6 J.
Eine schwer asthmakranke Göre aus Berlin büxt aus einer Südtiroler Klinik aus. In den Bergen wächst sie über sich hinaus und findet in dem jungen Milchbauern Bart einen Begleiter, der so ganz anders ist und ihr doch die Augen öffnet. Natja Brunckhorst (spielte 1981 die „Christiane F.“) erzählt in mehrfacher Hinsicht eine gelungene Geschichte, denn ihr Drehbuch funktioniert als Abenteuergeschichte ebenso gut wie als Screwball-Komödie. Zum Abenteuer gehören die großartigen Bilder aus der Südtiroler Bergwelt. Dazu gibt’s lässige, witzige Dialoge, oft im Schlagabtausch zwischen der kessen Amelie und dem eher ruhigen Bart. Hier flitzen die Frechheiten hin und her, die beiden schenken sich nichts; dafür sitzen die Pointen passgenau. Das gute Timing und die angenehm authentische Inszenierung ist Tobias Wiemann zu verdanken, der auch bei der Auswahl der kleineren Rollen ins Schwarze traf. Shenia Pitschmann („Ich bin die Steffi!“) spielt Amelies ungeliebte Zimmerkameradin in der Klinik und wird mit ihrer rührenden Nervigkeit bald zum dritten Star des Films. Jasmin Tabatabai ist als Klinikärztin eine glaubwürdig engagierte und dennoch sachliche Vertreterin der Erwachsenenseite. Das junge Publikum wird sich an zwei sehr sympathischen, natürlichen Protagonisten in einer abenteuerlichen und romantischen Komödie erfreuen, die bei aller Leichtigkeit dankenswerterweise stets das Niveau hält. Denn immerhin geht es um ein krankes Mädchen, das lernen muss, trotzdem zurechtzukommen und Spaß am Leben zu haben. Dies zu vermitteln, gelingt auch deshalb, weil Amelies Krankheit eher undramatisch und leise dargestellt wird. Das gilt auch für die seltenen, aber eindrücklichen Momente, in denen Amelie einen Anfall hat. Die Schockwirkung ist da manchmal sogar größer, aber nur kurze Zeit, dann folgt wieder ein frecher Dialog oder eine schräge Situation in diesem mit leichter Hand inszenierten Film für Junge und Junggebliebene.

Weitere Filme, aktuell im Programm: (Quellen: programmkino.de/kino.de)

VICTORIA UND ABDUL - 112 min. - Ab 6 J.
In seiner wie immer wohlwollend-verschmitzten Art erzählt Stephen Frears von der ungewöhnlichen Freundschaft - sehr frei nach einer wahren Begebenheit - , die Queen Victoria zu ihrem indischen Bediensteten Abdul Karim unterhielt. Judy Dench ist großartig als eigensinnige Monarchin. Ali Fazal spielt Abdul Karim als karrierebewussten Abenteurer, der die Königin mit viel Charme um den kleinen Finger wickelt, sie aber tatsächlich auch mag, und fast der einzige ist, der sie als Mensch und Person wahrnimmt. Nach dem Tod ihres Ehemanns Albert pflegte die Queen mehrere sehr enge Freundschaften zu männlichen Angestellten, die für viel Klatsch und Tratsch und Empörung bei Hofe sorgten. Um diese Anekdote herum strickt Stephen Frears die amüsante und gelegentlich rührende Geschichte einer Art Freundschaft zwischen zwei eigensinnigen Personen, die von ihrer Nationalität und ihrer Herkunft her eigentlich nur als Diener und Herrscherin oder als Unterdrückter und Unterdrückerin miteinander hätten agieren sollen. Wie schon in THE QUEEN demontiert Frears die Absurditäten der höflichen Etikette mit gepflegtem Amüsement. Judi Dench verkörpert Queen Victoria mit einer unvergleichlich bravourösen Mischung aus royaler Grandesse und tiefer innerer menschlicher Zerrissenheit. In ihrem Gesicht zeichnet sich das fortschreitende Alter ebenso überzeugend ab wie der zermürbende Kampf einer Frau innerhalb des Hofs, der als Jahrmarkt der Eitelkeiten von Missgunst geprägt ist. Die Figur des Abdul, den Ali Fazal mit Wärme und Güte verkörpert, wirkt auch für den Zuschauer wie eine Erinnerung an die Menschlichkeit, mit der er das Herz der Königin erobert. Scheinbar nahtlos gehen dank dem Drehbuch von Lee Hall Komödie und Tragödie Hand in Hand, wobei die amüsanten Momente nie lächerlich wirken und die dramatischen Konflikte, die mehr und mehr das Dilemma dieser unmöglichen Freundschaft zweier auf den ersten Blick so unterschiedlichen Menschen offenbaren, nie ihre Leichtigkeit verlieren. Eine perfekte Bildkomposition, prachtvolle Kostüme und Spielorte und ein berührender Score komplettieren den Film und machen diesen zu einem wahrhaft königlichen Leinwandereignis.

WESTERN - 119 min. - Ab 12 J.
Ein Trupp deutscher Bauarbeiter trifft in Bulgarien auf Einheimische: Wie Maren Ade, deren Firma Komplizen Film »Western« mitproduziert hat, ist auch die 1968 in Bremen geborene und in Berlin aufgewachsene Valeska Grisebach keine Vieldreherin. »Western« ist, nach »Mein Stern« (2001) und »Sehnsucht« (2006), erst Grisebachs dritter Film, und erneut wünscht man sich, sie würde öfter einen fertigstellen. Doch vielleicht braucht es ja gerade die langen Phasen von Ideenentwicklung, Recherche, Vorbereitung und Proben, um derart dichte Arbeiten zu schaffen. Wie »Western« eben, in dem ein Genre analysiert, ein sozialer Mikrokosmos porträtiert und die Überwindung kultureller Differenzen gezeigt wird, das alles im Gewand einer Erzählung über die latente Rivalität und das verhaltene Duell zweier Alphamänner, denen die unverbaute Landschaft die Sehnsucht nach Freiheit und Träume von einem anderen Leben wachruft. Als sich herausstellt, dass das Dorf und Baustelle sich bei der Nutzung einer Wasserquelle abwechseln müssen und dass der bestellte Kies möglicherweise bei der ortsansässigen Mafia festhängt, entstehen Konflikte. Vor allem aber weil die Deutschen kein Bulgarisch sprechen und die Bulgaren kein Deutsch. So radebrecht man denn aufeinander ein, und so wird denn auch sichtbar, dass »Western« gleichfalls ein Film über Kommunikation ist und darüber, dass die Sprache keine gemeinsame sein muss, um sich einander verständlich zu machen. Es kann auch der eine deutsch und der andere bulgarisch reden, und dennoch versteht man einander am Ende irgendwie. Das liegt dann an der Intonation und an den Gesten und daran, dass man einander in die Augen schauen kann. Dort sieht man, wer lügt. Es spielen wunderbare nicht-professionelle Darsteller, deren Gesichter die Wirklichkeit in diesen Film bringen, und eine große Wahrhaftigkeit. (epd-film). Die Empfehlung.

HAMPSTEAD PARK - Aussicht auf Liebe - 102 min. - Ab 6 J.
Bereits in den Romanzen “Liebe auf den zweiten Blick” oder “Wie in alten Zeiten” hat sich der britische Regisseur Joel Hopkins mit der Liebe im reifen Alter auseinandergesetzt. Seine Protagonisten schauen meist auf ein erfülltes Leben zurück, nur die Liebe macht ihnen Probleme. Manche Dinge ändern sich leider auch im Alter nicht. Für diese Komödie greift Hopkins nun das aktuelle Thema der Mietpreisexplosion in Großstädten wie London auf, um vor dem Hintergrund eine herzliche Liebesgeschichte über zwei Sturköpfe zu erzählen, die wider Erwarten zueinander finden. Obwohl sie davon erzählt, wie Donald mit Unterstützung Emilys vor Gericht um sein Wohnrecht kämpft, ist diese Geschichte eine Wohlfühlkomödie. Emily hat etwas Verzagtes, ist sich ihrer Widersprüche nicht wirklich bewusst. Diane Keaton versteht es wunderbar, dieser Figur Niveau zu verleihen. Emily verfügt nämlich über Humor und eine eloquente Leichtigkeit, die mit wenigen Worten auskommt und sehr souverän wirkt. Auch bei ihr ist ein Stück jener Widerspenstigkeit vorhanden, die Donald im Übermaß besitzt. Brendan Gleeson verleiht diesem Charakter die Aura eines cholerischen Brummbären, der sich nach Liebe sehnt, dem aber seine misanthropisch rechthaberische Art oft ein Bein stellt. Das ungleiche Paar rauft sich verbal zwar mühsam, dabei aber sehr vergnüglich zusammen. Außer den gut gespielten Figuren bleiben zwei Dinge in Erinnerung: Zum einen sind es die friedlich-anheimelnden Aufnahmen des Parks, der selbstgeschaffenen Aussteiger-Idylle Donalds und des Friedhofs. Dort sitzen Emily und Donald einmal auf einem Grasstück beim Picknick zwischen Kornblumen, ein wunderschönes Bild für das kleine Glück, das verwunschene Refugien mitten in der Großstadt bieten können. Zum anderen sind es die gelegentlichen Abstecher in die Tiefe, die sich die Geschichte leistet, ohne dabei ihren unbeschwerten Unterhaltungscharakter aufs Spiel zu setzen. So verschweigt sie nicht, dass einer Beziehung über so große Unterschiede hinweg ein Missverständnis innewohnen kann. Es ist nicht dasselbe, eine Aussteigeridylle aus der Ferne zu bewundern und ihr alltägliches Kleinklein des Improvisierens im Mangel zu mögen.

MALEIKA - 104 min. - Ab 0 J.
Der als „Gepardenmann“ bekannt gewordene Filmemacher und Fotograf Matto Barfuss begleitet in „Maleika“ eine Geparden-Mama und ihren Nachwuchs. Matto Barfuss lebte zwischen 1996 bis 2002 in Tansania über 25 Wochen lang mit einer wilden Gepardenfamilie zusammen. Er kannte Wesen und Verhalten der Tiere also bereits sehr gut, als er 2014 mit der Arbeit an diesem Film begann. Insgesamt begleitete er die Gepardenfamilie drei Jahre lang. Berühmt wurde Barfuss mit seinen Büchern und Berichten über sein Leben in der Wildnis. Er ist nicht nur UNESCO-Fotopreisträger sondern ebenso UN-Botschafter für biologische Vielfalt.  Einer der großen Pluspunkte ist, dass der Film das wahre Leben der Tiere in der Savanne Afrikas aus nächster Nähe zeigt. Zu diesem Leben gehören Begegnungen mit natürlichen Feinden ebenso wie die verzweifelte Futtersuche oder Momente der Freude und Begeisterung. Ein wahres Auf und Ab der Emotionen durchläuft der Zuschauer, wenn er Maleika und den sechs putzigen Gepardenjungen bei ihrem alltäglichen Treiben zusieht. All diese Ereignisse fängt Barfuss in wunderschönen, stilvollen Naturbildern ein. Gerade die Jagdszenen in Zeitlupe veranschaulichen nachhaltig die Eleganz und Pracht dieser Tiere. Auf eines aber hätte der Film verzichten sollen: wieder einmal setzen die Macher bei einem Tierfilm auf eine überzogene, teils sehr störende Vermenschlichung der Tiere. Angelehnt an die Erzählweise und Tonalität vieler Disney-Filme. Das führt dazu, dass der Off-Kommentator (der Moderator Max Moor) die - angeblichen und vermuteten - Gedanken  der Tieren laut ausspricht. Anschließend lässt man die Geparden mit verniedlichender Stimme sprechen und miteinander kommunizieren. Ein sachlicher, einordnender Kommentar-Stil wäre die bessere Wahl gewesen. Dann gäbe es an „Maleika“ nichts auszusetzen. Kein perfekter, aber ein schöner und lehrreicher Film für die zahllosen Naturdokumentarfilm-Liebhaber aller Altersstufen.

BARFUSS IN PARIS - 83 min. - Ab 6 J.
Voll von kleinen Inseln der schwerelosen Heiterkeit und eines beiläufigen kurzen Glücks. Dieser Film ist ganz Stimmung, Slapstick und poetische Komik, ohne groß auf den Inhalt eingehen zu müssen. Die junge Fiona macht sich auf den Weg, um ihre Tante Martha in Paris aufzusuchen, die sich standhaft weigert, ins Altersheim zu ziehen. Ihre Ankunft in Paris wird zu einem Abenteuer: Rucksack, Pass und Handy verliert sie, stromert allein und hilflos durch die fremden Straßen und begegnet bald dem Clochard Dom, der sich sofort unsterblich in sie verliebt. - Als einen der Ursprünge des Kinos mag man die Pantomime betrachten, das Vermitteln von Emotionen nur durch Gestik und Mimik, das gerade in Frankreich auch über die Anfänge des Kinos Tradition hat. In dieser bewegt sich auch das Duo Abel & Gordon in diesem seinem neuen Film, einer leichten, flüchtigen Geschichte über die Stadt und ihre Menschen. Die Kanadierin Fiona Gordon und der Belgier Dominique Abel sind ein Komikerduo, das seit den 80er Jahren in seiner eigenen Liga spielt. Tati, Keaton, und Chaplin lauten die künstlerischen Koordinaten des Ehepaars, das mit seiner Theatercompagnie »Courage mon amour« weltweit auf Tournee geht. Seine Filme aber sind bisher noch Festivalgeheimtipps. Der Film überzeugt weniger als stimmige Geschichte denn durch wundervoll choreographierte und getimte Einzelszenen: Hier wissen zwei Theaterprofis genau, was sie tun. Besonders der Einfallsreichtum, mit der die Umgebung in die Possen der Darsteller einbezogen wird, ist hinreißend. Das Wechselspiel zwischen gehemmter Körperbewegung und aufgewühlten Emotionen entwickelt »melankomische« Intensität und hat, ähnlich den Interaktionen in den Stücken von Pina Bausch, etwas Tänzerisches. Zusammengehalten wird der Film vor allem vom Charme seiner Hauptdarsteller, nicht zuletzt der wunderbaren Emmanuelle Riva, die hier, in ihrer vorletzten Rolle, trotz ihrer fast 90 Jahre immer noch bemerkenswerte Vitalität und Spielfreude verströmte.

HELL OR HIGH WATER - 102 min. - Ab 12 J.
David Mackenzies vielschichtiger Heist-Western-Mix „Hell or High Water“ wurde als Oscar-Kandidat gehandelt und das vollkommen zu Recht. Der Thriller um zwei ungleiche Brüder, die im tiefsten Texas Banken ausrauben, bietet neben reichlich Suspense vor allem ein doppelbödiges Katz-und-Maus-Spiel und bissige Kommentare auf die mitunter triste wirtschaftliche Realität in den USA. Oscar-Preisträger Jeff Bridges als knochiger Texas Ranger sowie Chris Pine und Ben Foster als das vom Gesetz gejagte Brüderpaar liefern sich ein packendes, intensives Duell. Anders als bei den Coens (No country for old men) bleibt hier die Geschichte trotz mancher (schwarz-)humoriger Zwischentöne, die meist auf das Konto des grummelnden Bridges gehen, stets mit der gelegentlich tristen Realität im texanischen Hinterland verbunden. Der wirtschaftliche Niedergang ganzer Regionen ist hier als Motiv unübersehbar. Endlose Werbeschilder entlang der Highways, auf denen den vielen überschuldeten Amerikanern ein finanzieller Neuanfang versprochen wird, zeichnen wie auch die Geschäftspraxis der Banken ein düsteres Bild. Die Frage, ob Toby und Tanner oder doch das ausgeraubte Geldinstitut der wahre „Bad Guy“ ist, scheint durchaus legitim. Die gleiche Ambivalenz steckt auch in den Figuren. Sie sind weitaus komplexer als zunächst vermutet, was sie für das Publikum nur noch interessanter macht. Das erklärt zum Teil auch die Dynamik und Intensität des Plots, der es vermag, sowohl mit dem klassischen Western-Shootout als auch mit einem rein verbalen Kräftemessen Spannung zu erzeugen. Am Ende warten keine eindeutigen Sieger oder Besiegte, bestenfalls ein ziemlich dunkler Hoffnungsschimmer.

ZEN FOR NOTHING - 100 min. - Ab 6 J.
Im Norden von Kyōto führt eine steile Steintreppe hinauf zum abgelegenen Zen-Kloster Antaiji. Hier oben will die Schweizer Schauspielerin Sabine Timoteo ein Jahr verbringen. Begleitet wird sie von Regisseur und Kameramann Werner Penzel, der mit seiner unaufgeregten Dokumentation ein filmisches Zeugnis von diesem Aufenthalt vorlegt und zugleich ein Plädoyer für Entschleunigung und innere Einkehr. Dabei folgt er ganz der Philosophie des Klosterabts und gebürtigen Berliners Muhō Nölke, der die Frage danach, was die Zen-Meditation bringen soll, auf entwaffnende Weise beantwortet: „Überhaupt nichts.“
Im Alltag von Antaiji ist niemand auf den Nutzen von Handlungen und schon gar nicht auf den Anforderungskatalog der Leistungsgesellschaft fixiert: „Ist es nicht seltsam, dass sich keiner mit seinem eigenen Leben beschäftigt?“ fragt einer der Zen-Buddhisten gleich zu Beginn. Nicht zu einem bestimmten Zweck leben, sondern für Nichts, was nicht etwa nihilistisch zu verstehen ist, sondern als Versuch, im Hier und Jetzt, im Einklang mit sich und der Welt zu leben. Darum geht es. So taucht Penzel in meist unbewegten Einstellungen  auf kontemplative Weise in den Klosteralltag ein, auch die Tongestaltung hat dazu passend etwas geradezu Meditatives. Antaiji ist eines der wenigen Zen-Klöster, das Männer und Frauen aufnimmt. Timoteo lernt hier die korrekten Formen der Verbeugung oder die Benutzung japanischer Toiletten und bringt sich in den klösterlichen Tagesablauf ein, der in den frühen Morgenstunden beginnt. Die Tage sind geprägt von regelmäßigen Meditationen und gemeinsam, aber schweigend eingenommenen Mahlzeiten, aber auch von viel körperlicher Arbeit, wenn es etwa gilt, Reis und Gemüse für die Selbstversorgergemeinschaft anzubauen oder Feuerholz aufzubereiten. Die weitaus prägenderen Momente für das Leben dort und auch für den Film sind jene, in denen draußen gleichmütig der Regen prasselt, während im Inneren des Tempels Stille herrscht: Dann scheint es fast so, als wäre die Zeit stehengeblieben. Werner Penzel verlässt sich ganz auf die Wirkung solcher Aufnahmen und verzichtet auf einen erklärenden Off-Kommentar und andere Sinnstiftungen. Mit dem puristischen „Zen For Nothing“ findet er eine dem Klosterleben angemessene filmische Form und gibt einen konzentrierten Einblick in den Alltag der Zen-Buddhisten. Was man am Ende mitnimmt, wenn man zusammen mit Timoteo das Kloster verlässt, ist ein bisweilen interessanter Einblick in den Alltag eines sehr speziellen Zen-Klosters, dessen besondere Philosophie aber nur in Ansätzen deutlich wird.


WEIT - Die Geschichte von einem Weg um die Welt - 125 min. - Ab 0 J.
Sie wollen ihr Zuhause verlassen, um zu entdecken, was Heimat für andere bedeutet: Das junge Paar Patrick und Gwen aus Freiburg zieht mit dem Rucksack gen Osten und weiter bis um die Welt. Die zwei versuchen dabei auch, sich in Verzicht zu üben. Das Ziel ist es, nicht mehr als fünf Euro am Tag auszugeben, und nicht zu fliegen. Jeder zurückgelegte Meter soll mit allen Sinnen wahrgenommen, Grenzen sollen ausgetestet und neben dem Verzicht soll auch der Genuss gelernt werden. Bei jedem Schritt wollen Patrick und Gwen spontan und neugierig bleiben. Die beiden sind drei Jahre und 110 Tage unterwegs, bewegen sich ausschließlich als Anhalter fort, ob mit Bus, Zug, Schiff. Am Ende kommen fast 100.000 Kilometer durch Europa, Asien sowie Nord- und Zentralamerika zusammen. Sie kehren zu dritt zurück. Im Mittelpunkt der Reise steht immer der unmittelbare Kontakt zu den Menschen, die sie durch das „per Anhalter reisen“ besonders intensiv erleben dürfen. Sie, und wir mit ihnen, sind mittendrin im Alltag der Menschen. Jedes Auto bringt eine neue Geschichte, eine neue Begegnung, die man so nie hätte planen können. Der Film und die beiden Reisenden Patrick und Gwen sind dermaßen sympathisch, dass man sich ungeheuer gerne mit ihnen auf ziemliche Abenteuer einläßt quer durch die Welt, meist trampend, oft im Zelt schlafend, oft auch bei Menschen, die sie unterwegs kennen lernen. Da Patrick zudem von Beruf Kameramann ist, kann man sich über erstaunlich professionelle Bilder freuen, die immer dicht dran sind an der Natur und den Mitmenschen. Viel schöner kann man nicht Lust machen aufs Reisen, auf Welt entdecken, auf Menschen kennen lernen. Ein Film wie eine gelebte Völkerverständigung, und ein Erfolgsprojekt ohnegleichen. Anfänglich gedacht, nur Bilder und Videos für Freunde ins Netz zu stellen, entwickelte sich daraus ein Kinofilm, der mittlerweile über 200.000 Besucher begeistert hat. Dabei sind die 130 Minuten des Kinofilms nur ein Bruchteil des Materials, das insgesamt zur Verfügung stand. Nach fünf Monaten anstrengender Deutschlandtour starten die beiden nun ihre Live-Bühnentour, mit weiteren Geschichten und vielen neuen Anekdoten. „Herzlichen Dank für all das schöne Feedback, das wir täglich persönlich, per mail, über das Gästebuch und Facebook bekommen! Es berührt uns immer wieder zu beobachten, was für eine Reichweite die wunderschönen Begegnungen, die wir auf unserer Reise erleben durften, nun haben. Grüße von Herzen: Patrick und Gwen. (www.weitumdiewelt.de).

DER WEIN UND DER WIND - 114 min. - Ab 6 J.
„Burgund ist kein Land, Burgund ist das Leben“, wusste einst der französische Präsident François Mitterand. Das Stichwort savoir-vivre scheint in dieser seit den Römern gehegten Kulturlandschaft ein Lebensprinzip. Sanfte Hügel, ein Mosaik aus ummauerten Weinbergen, sattgrünen Wäldern und Wiesen, dazwischen romanische Kirchen, gemütliche Dörfer, die Wonnen seliger Provinz. Nicht zuletzt genießen Weine aus Burgund einen legendären Ruf. Rubinrot rollt ein Vosnée-Romane im Glas, goldgelb ein Chablis, smaragdgrün ein Pouilly-Fuissé. Große und kleine Kellereien bergen ihre Geheimnisse und Traditionen. Dieser Region widmet der französische Ausnahmeregisseur Cédric Klapisch sein wunderbar authentisches Sozialporträt über den Weinanbau zwischen Tradition und Moderne. Nach der chaotischen WG in Barcelona („L´Auberge espagnole“), dem Zusammenprall der Welten eines Börsenmaklers und seiner Putzfrau („Mein Stück vom Kuchen“) und seiner Liebeserklärung an Paris („So ist Paris“), ist seine neue, exzellente Darstellerriege dieser Familiensaga nun durchwegs erwachsen geworden. Sie müssen sich entscheiden für oder gegen ein Leben in der Provinz, dem Weiterführen des Erbes ihrer Eltern und Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Der dokumentarische Stil seines einmaligen, französischen Erzählkinos zeigt sich bei den Szenen im Weinberg ebenso wie bei der opulenten Feier nach der Ernte. Nicht umsonst drehte er seinen Film über ein Jahr lang, um über die Monate hinweg alle Stationen der Weinproduktion realistisch festzuhalten. Einen Landstrich im Wandel der Jahreszeiten zu erleben ist dabei ein besonderer Augenschmaus. Unaufdringlich vermittelt sein cineastisches Kleinod Momente fast verloren gegangener Naturverbundenheit. Ein Glanzstück französischen Kinos, das durch seine Authentizität besticht.

Exhibition on screen:  DIE WUNDERSAME WELT DES HIERONYMUS BOSCH - 91 min. - Ab 6 J.
Nach 500 Jahren schockieren und faszinieren die Gemälde von Hieronymus Boschs bis heute. Tauchen Sie ein in die blühende Fantasie eines wahren Visionärs. Wer war Hieronymus Bosch? Warum sprechen seine eigenartigen und fantastischen Gemälde heute die Kunstliebhaber mehr an denn je? Wie schlägt er die Brücke zwischen Mittelalter und Renaissance? Woher nahm er die Einfälle für seine unkonventionellen und zeitlosen Schöpfungen? Entdecken Sie die Antwort auf diese und weitere Fragen in dem bemerkenswerten neuen Film von EXHIBITION ON SCREEN: „DIE WUNDERSAME WELT DES HIERONYMUS BOSCH“ kreist um die vielfach gefeierte Ausstellung ‘Jheronimus Bosch – Visions of Genius’ im Het Noordbrabants Museum in Südholland. Erstmals versammelte man den Großteil von Boschs verbliebenen Gemälden und Zeichnungen in seiner Heimatstadt in einer Ausstellung und lockte damit beinahe eine halbe Million Kunstfreunde aus aller Welt an. Mit faszinierenden Enthüllungen über sein Leben und die Hintergrundgeschichten zu seinen Arbeiten ist dieser filmische Ausflug eine Entdeckungsreise über das kreative Genie, die man nicht verpassen darf.
(Drei Dokus. Drei Schwerpunkte. Demnächst: H. Bosch - Der Garten der Lüste. H. Bosch - Schöpfer der Teufel).

DIE GÖTTLICHE ORDNUNG - 97 min. - Ab 6 J.
Während andernorts die 68er-Bewegung für Frieden, Frauenrechte und die sexuelle Revolution auf die Straßen geht, hält man all diese Dinge in den meisten Kantonen der Schweiz der 70er-Jahre für Teufelswerk. Hier herrscht noch der Mann nahezu uneingeschränkt über die Familie und das Dorf. Gegen diese gesellschaftlichen Normen hat die zweifache Mutter Nora (Marie Leuenberger) nie laut rebelliert. Als eine Abstimmung über die Einführung des Frauenwahlrechts ansteht, wird ihr plötzlich die Ungerechtigkeit dieses streng patriarchalischen Systems bewusst. Sie beschließt, in ihrem Dorf den Wahlkampf zu organisieren und sich aktiv für die Gleichberechtigung einzusetzen. Ihr Mann ahnt von all dem zunächst nichts. Die Schweizer Filmregisseurin Petra Volpe inszenierte eine hintersinnige, ironische und bisweilen sehr berührende Tragikomödie, die in ihrer Heimat mit Preisen und auf dem Tribeca-Filmfestival mit dem begehrten Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Ein Film über starke Frauen, aber kein klassischer Frauenfilm. Und es sind dann auch eher die leisen Zwischentöne, die in Erinnerung bleiben, wobei es auch viel feinen und manchmal sogar recht derben Humor gibt. Noras entschlossener Kampf erinnert zudem daran, dass Gleichberechtigung und Forderungen nach politischer Teilhabe selbst mitten in Europa noch vergleichsweise „jung“ sind. Ohnehin sollte man nicht den Fehler begehen, überheblich auf die vermeintlich rückständige Schweiz zu blicken. Es geht um Unsicherheit, Selbstzweifel, Rebellion, der Wunsch nach persönlicher Freiheit und die Entdeckung des eigenen Körpers. Dabei beweist Nora, dass es für eine Revolution niemals zu spät ist.

MONSIEUR PIERRE GEHT ONLINE - 99 min. - Ab 6 J.
Er gilt als der französische Buster Keaton und Woody Allen in einer Person: Pierre Richard. Mit der Agentenkomödie „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“  verzauberte er in den 70er Jahren ein Millionen-Publikum mit seiner entwaffnenden Arglosigkeit und lächelte sich auf liebenswürdigste Weise durch alle Kalamitäten. Der geniale Komödiant steht immer noch vor der Kamera. Coole Klamotten, lässige Körpersprache, der Kopf eines philosophischen Bonvivants, dem niemand unterstellen würde, er sei in seiner Einfalt nicht mehr von dieser Welt. Auch im Alter kennt so jemand keinen Stillstand. Der Grandseigneur wandelt sich bei seinem virtuellen Flirten in der Internetwelt vom griesgrämigen Witwer zum agilen Best-Ager auf Freiersfüßen. Erzählt wird von einer verzwickten, etwas anderen Dreiecksbeziehung, die immer wieder für hinreissende Missverständnisse sorgt. Die von Edmond Rostands Versdrama „Cyrano de Bergerac“ von 1897 inspirierte Handlung über einen heimlichen Verliebten, der einem anderen Mann als Ghostwriter dient, würzt Regisseur Stéphane Robelin mit erfrischender Situationskomik. Nach seinem Erfolg „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ über eine eigenwillige Rentner-WG punktet sein Lustspiel erneut mit seiner präzisen Inszenierung und jeder Menge unverbrauchter Pointen. Eine Komödie der Irrungen über alle Altersgrenzen hinweg.