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Der neue grosse Saal sagt hallo!Kinoansicht. S-Bahn Obertürkheim: 200m geradeaus und gleich links sehen Sie mich! K2
                                            
Unser Programm von Montag, 22.10. bis Mittwoch, 31.10.2018:

Welcher Film in  KINOTHEK 1 ... Beginn DATUM Welcher Film in  KINOTHEK 2 ... Beginn
MACKIE MESSER - BRECHTS 3GROSCHENFILM 20.15
Mo22.10. BLACKKKLANSMAN von Spike Lee 20.15
GRÜNER WIRD´S NICHT, sagte der Gärtner und flog davon
Unser Klassiker: ***FLASHDANCE (1983)
17.45
20.30
Di 23.10. ***DEINE JULIET
GUNDERMANN
17.45
20.30
Heute keine Vorstellungen. Mi24.10. Heute keine Vorstellungen.
NEU   BALLON
20.15 Do25.10. SAUERKRAUTKOMA 20.15
MACKIE MESSER - BRECHTS 3GROSCHENFILM
20.15 Fr 26.10. NEU   WACKERSDORF 20.15
NEU   Walt Disneys  CHRISTOPHER ROBIN
NEU  VOM BAUEN DER ZUKUNFT  100 JAHRE BAUHAUS
BALLON
14.30
17.30
20.15
Sa 27.10. PAPST FRANZISKUS - Ein Mann seines Wortes
GRÜNER WIRD´S NICHT, sagte der Gärtner und flog davon
SAUERKRAUTKOMA
14.30
17.30
20.15
Walt Disneys  CHRISTOPHER ROBIN
MACKIE MESSER - BRECHTS 3GROSCHENFILM
GUNDERMANN
14.30
17.15
20.15
So 28.10. *PAPST FRANZISKUS - Ein Mann seines Wortes
WACKERSDORF
**BLACKKKLANSMAN von Spike Lee
14.30
17.15
20.15

BALLON 20.15
Mo29.10. SAUERKRAUTKOMA 20.15
VOM BAUEN DER ZUKUNFT  100 JAHRE BAUHAUS
20.15 Di 30.10. GRÜNER WIRD´S NICHT, sagte der Gärtner und flog davon 20.15
Walt Disneys  CHRISTOPHER ROBIN
BALLON

MACKIE MESSER - BRECHTS 3GROSCHENFILM
15.00
17.30
20.30
Mi 31.10. *PETTERSSON & FINDUS FINDUS ZIEHT UM
SAUERKRAUTKOMA
WACKERSDORF
15.00
17.30
20.30
* NUR NOCH KURZE ZEIT  |   ** VORAUSSICHTLICH LETZTE VORSTELLUNG.  |    *** LETZTE VORSTELLUNG.   |   ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR!
Wie zeigen jeweils die deutsche Fassung (2D), wenn nicht anders angegeben.  |  OF=Originalfassung  | OmU=Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Zu Ihrer Information: Filmtheater erstellen ihr Filmprogramm in der Regel von Woche zu Woche. Jeden Montag nachmittag ab ca. 14 Uhr können Sie unser Programm für die nächsten zehn Tage einsehen. Informieren Sie sich bitte taggenau: Aufgrund der Fülle an Filmen, die für uns interessant sind und bei nur zwei Kinosälen zeigen wir diese nicht täglich (!) innerhalb der Kinowoche (Donnerstag bis Mittwoch), sondern vielmehr über Wochen hinweg immer wieder tageweise.
Sie können von weiteren Vorstellungen eines Titels ausgehen, wenn dieser ohne Stern versehen ist.
Alle diesbezüglichen Angaben sind ohne Gewähr.

Unsere diese Woche neu einsetzenden Filme, kurz vorgestellt: (Quellen u.a.: programmkino.de/kino.de)

BALLON - 123 min. - Ab 12 J.
Im Sommer 1979 fassen zwei Familien in Thüringen einen aberwitzigen Plan: Sie wollen raus aus der DDR, und das alles in einem … Ballon! Dafür nähen, basteln und tüfteln sie wochenlang, bis ihr erster Versuch fehlschlägt. Heisst: Sie müssen noch effektiver arbeiten und ihre Pläne noch einmal ganz genau kontrollieren, eh sie eine zweite Flucht planen können. Doch die Regierung ist bereits auf die Pläne aufmerksam geworden. Das ganze Vorhaben wird zu einem irren Wettlauf gegen die Zeit. - Ob man mit dem Humor eines Michael Bully Herbig etwas anfangen kann oder nicht: Der gebürtig aus München stammende Filmemacher ist einer der wenigen in Deutschland, der ein Gespür für große Kinobilder hat. Erzählerisch erzählt „Ballon“ zwar „nur“ von einer weiteren dramatischen Flucht vom Osten in den Westen, doch schon Walt Disney Pictures wusste Anfang der Achtzigerjahre darum, wie filmreif diese gewesen sein muss. 1982 erschien „Mit dem Wind nach Westen“, inszeniert von Delbert Mann, der sich ebenfalls dem Schicksal der zwei Familien Strelzyk und Wenzel annahm. Herbig verleiht dem Ganzen nun allerdings nicht nur mit seinem Namen deutlich mehr an Prestige, sondern auch durch seine inszenatorische Finesse. Ohne sich nun ausschließlich auf sein neues Dasein als Thriller-Regisseur zu besinnen, streut er immer mal wieder komische Momente ein, lässt sein ganzes Know-How zu Kleinigkeiten wie einen dynamischen Schnitt oder die richtige Bildaufteilung in seine Arbeit miteinfließen und schafft am Ende vor allem dadurch, dass seine Geschichte, aller Vorhersehbarkeit zum Trotz, einen Sog aus Spannung, Dramatik und viel, viel Menschlichkeit entwickelt. Und Herbig ist ganz nah dran an seinen Protagonisten. Was außerhalb ihrer vier Wände passiert, weiß ohnehin jeder aufmerksame Zuschauer. So legt er seine Story als Drama an, das ausschließlich die beiden Familien selbst betrifft. Inwiefern ihr Schicksal auch Einfluss auf eine ganze Bevölkerung haben könnte, deutet Herbig nur vereinzelt an. Besonders spannend ist vor allem die parallel zu den Flucht-Vorbereitungen stattgefundene Ermittlerarbeit. Mit jeder Sekunde, die sich die Flüchtigen und die Polizei näher aufeinander zu bewegt, desto spannender wird „Ballon“, der es für Unkundige des Stoffs lange Zeit angenehm offenhält, ob die Flucht über die Grenze am Ende gelingen wird, oder nicht. Der durch die Bank herausragende Cast rund um Friedrich Mücke, Karoline Schuch und David Kross haucht dem Film zusätzlich Leben ein.

WACKERSDORF - 122 min. - Ab 6 J.
Die Oberpfalz in den Achtzigerjahren: In der kleinen Gemeinde Wackersdorf im Landkreis Schwandorf geht alles seinen gewohnten Gang, bis die bayerische Staatsregierung die Pläne für eine Wiederaufbereitungsanlage für Kernbrennstoffe aufnimmt. Damit die Bürger diesen einschneidenden Schritt fraglos über sich ergehen lassen, versuchen die Verantwortlichen vor allem den Landrat Hans Schuierer auf ihre Seite zu ziehen und schmieren ihm deshalb ordentlich Honig ums Maul. Doch unter den Bürgern regen sich erste Widerstände, die auch an Schuirer nicht spurlos vorbeigehen. Heutzutage weiß man nur zu gut um die Risiken, die der Bau einer Wiederaufbereitungsanlage von Kernbrennstoffen mit sich bringt. 1985 befand man sich dagegen noch kurz vor dem ersten großen Super-GAU in der Menschheitsgeschichte und hatte die möglichen Folgen eines Atomunglücks massiv unterschätzt. Die bayerische Gemeinde Wackersdorf wurde in genau dieser Zeit zum Sinnbild aufkeimender Beunruhigung, als sich eine ganze Dorfgemeinschaft gegen den Bau eines solchen Betriebsgeländes engagierte und sich nicht zuletzt aufgrund der Tschernobyl-Katastrophe ein Jahr nach Baubeginn gegen die Pläne durchsetzen konnte. Regisseur Oliver Haffner errichtet diesen Bürgern nun ein filmisches Denkmal, das seine Premiere auf dem Filmfest in München feierte. Er inszeniert die Geschichte derart realistisch und bodenständig, dass man am Ende genau zu wissen glaubt, wie all das damals genau abgelaufen ist. Mit der Idee, zwischendrin immer wieder echte Fernsehausschnitte aus den 80erjahren einzuspielen, die mit der Tagesschau zu dem Atomunglück von Tschernobyl ihren zwar tragischen, aber doch irgendwie auch krönenden Abschluss finden, unterstreicht der Regisseur schließlich noch einmal, dass all das hier keine Fiktion ist, sondern einmal beklemmende Wirklichkeit war. In leisen, unaufdringlichen Bildern entwickelt der Film seine besondere Kraft und erinnert daran, dass unsere demokratische Grundordnung immer wieder aufs Neue verteidigt werden muss. Die Empfehlung.

VOM BAUEN DER ZUKUNFT - 100 JAHRE BAUHAUS - 90 min. - Ab 0 J.
Vor beinahe 100 Jahren wurde eine radikale künstlerische Utopie in die beschauliche Stadt Weimar hineingeboren: Das Bauhaus. Die Bauhausbewegung steht für den Aufbruch in die Moderne schlechthin. Von Beginn an fragten Architekten und Künstler damals, wie Walter Gropius, Wassily Kandinsky, Hannes Meyer, Mies van der Rohe oder Paul Klee: Wie zusammenleben? Was bedeutet „zusammenleben“ überhaupt? Wie lassen sich Räume so gestalten, dass alle Menschen am gemeinsamen Leben teilhaben? Der Anspruch: Jedes Produkt sollte nicht nur funktional sein, sondern auch preiswert und ästhetisch. Mit dem Bauhaus wurden Kunst, Design und Architektur politisch. Ihre Ideen wirken bis heute nach. Die Filmemacher Niels Bobrinker und Thomas Tielsch zeichnen ein Bild von dieser einmaligen Institution und Urzelle, vom revolutionären Ausbruch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs bis zur Auflösung und Emigration, der beruflichen Weiterreise sowie der Verstrickung einiger Bauhäusler im nationalsozialistischen Deutschland. Sie greifen die Konflikte, die zur Verlegung des Bauhauses von Weimar nach Dessau führten, auf und die Auflösung der Schule in der Nazizeit. Vor allem aber spannen sie den Bogen vom berühmten Bauhausgebäude in Dessau zu visionären Projekten der Jetztzeit: lateinamerikanische Favelas, skandinavische Schulen ohne Klassenräume, die autofreie Metropolis. Eindrücklich erfährt man, wie architektonische Räume pädagogische Ideale fördern können. Diese Doku öffnet Augen und ist vielmehr als eine Geschichte des Bauens. Ihr gelingt eine Kulturgeschichte des modernen Raumdenkens, die so fesselnd wie erhellend ist. Wir werden zu staunenden Flaneuren zwischen den Räumen der Moderne, die jegliches Gestalten fortan mit anderen Augen sehen werden. Die Empfehlung.

Walt Disneys  CHRISTOPHER ROBIN - 105 min. - Ab 0 J.
Wer kennt nicht Christopher Robin und seine Freunde aus dem Hundertmorgenwald: Winnie Puuh,Tigger, Ferkel & Co. Es ist eine wunderbare Idee, ihre animierten Abenteuer in die Welt des Realfilms einzuführen. Denn schließlich muss jeder junge Mensch seine Traumwelt mit Lieblingsgeschichten und -stofftieren oder Puppen einmal verlassen und den Gang in die reale Welt antreten. Schön, vielleicht auch wünschenswert ist es, wenn auch Erwachsene im Alltagsgeschehen von Beruf und Familie ihre Träume der Kindheit nicht vergessen oder verdrängen. Dies ist auch die Geschichte des nun erwachsen gewordenen Christopher Robin, der in seinem verantwortungsvollen Beruf und höchstem Druck dabei ist, seine Familie und die besten Werte des Lebens aufs Spiel zu setzen. Es ist nun die Aufgabe von Winnie Puuh und seinen Freunden, ihn wieder auf den richtigen Weg zu führen! Sollte es Filmfreunde geben, denen die Geschichten um Winnie Puuh und Christopher bisher fremd waren, so wird sie die Eingangssequenz des Films auf elegante Weise damit vertraut machen. Ewan McGregor spielt den erwachsenen Christopher mit einer gelungenen Mischung aus Wehmut, britischer Zugeknöpftheit und kindlichem Übermut, welcher von Winnie Puuh allerdings erst einmal wieder wachgekitzelt werden muss. Gerade in der zweiten Hälfte des Films wird der jungen Zielgruppe viel geboten, wenn die tierischen Freunde aus dem Hundertmorgenwald nach London reisen und dort die steife britische Gesellschaft gehörig durcheinanderwirbeln. Marc Forster findet die Balance zwischen lustigen Szenen und ruhigen Momenten, die auch Erwachsene durch einen hohen Nostalgiefaktor bezaubern. Und die Botschaft, dass die Zeit mit der Familie immer wichtiger ist als der Beruf oder sonstige Verpflichtungen, vermittelt sich auf wunderschön unaufdringliche Weise. Mit seiner Mischung aus kindlicher Fantasie und erzählerischem Charme ist CHRISTOPHER ROBIN die überaus gelungene und berührende Fortsetzung der Abenteuer rund um einen kleinen Jungen und seinen bärigen besten Freund.

Aktuell im Programm: (Quellen: programmkino.de/kino.de/epd-film)

MACKIE MESSER - BRECHTS 3GROSCHENFILM - 130 min. - Ab 6 J.
„Dieser Film erzählt die Geschichte eines nie gemachten Films und gibt den Künstlern ihre Stimme: einem jungen, wilden Kollektiv, das mit seiner Kunst die großen gesellschaftlichen Fragen stellt und einen Welterfolg schafft. Alles, was Brecht im Film sagt, beruht auf Zitaten aus seinem gesamten Werk und Leben.“ Ein bisschen Vorwissen vor dem Vorspann kann nicht schaden. Zumal die originelle Idee, ausschließlich Original-Zitate zu verwenden, den Aussagen des Lars Eidinger als Brecht gleich einen ganz besonderen Stellenwert verleiht. Auf die Leinwand gefunden hat es das überaus populäre Stück von Bertolt Brecht und Kurt Weill seit der Premiere vor 90 Jahren hingegen selten. Weshalb das so ist, erklärt dieses Opus, das Realität und Fiktion virtuos verschmelzen lässt. Parallel zur Geschichte vom Kampf des Brecht gegen die Branche („Die Filmindustrie ist zu doof und muss erst bankrott gehen.“) gibt es dessen Visionen einer Verfilmung seiner „Dreigroschenoper“ in Episoden zu erleben. Die bekannten Konstellationen des Bühnenstücks bleiben erhalten: Macheath, der Mackie Messer heiratet heimlich Polly (Hannah Herzsprung), die Tochter seines Gegenspielers Peachum (Joachim Król), dem König der Bettler. Der schwört Rache am Rivalen. Die Protektion durch den Polizeichef Tiger Brown (Christian Redl) wird Mackie nur kurz retten. Denn Peachum bringt seine Armee der Bettler in Stellung und droht, die Krönungsfeierlichkeiten zu stören. Derweil auf der Leinwand jene Szenen eines nie gedrehten Films zu sehen sind, geht in der Parallel-Handlung das reale Leben von Brecht weiter, ein „making of“ sozusagen. Die Aufführung seiner Bühnenstücke wird von SA-Truppen gestört. Die Vereinigung der Kinobetreiber findet den geplanten Film sittenwidrig und wettert. Doch der Kultur-Rebell bleibt trotzig. Er zerrt seine Produktionsfirma vor Gericht, um seine geplante Niederlage als exemplarisches Lehrstück zu inszenieren. Regisseur Joachim Lang weiß sehr genau, wovon er erzählt, immerhin schrieb er seine Doktorarbeit über die „Dreigroschenoper“ und war acht Jahre lang künstlerischer Leiter des Brecht-Festivals. Vielleicht weiß er es ein bisschen zu genau und ist sein Regie-Debüt bisweilen zu akribisch. Etwas weniger verklärter Heiligenschein beim Säulenheiligen Brecht und mehr Macken beim Mackie-Macher hätten dem freien Radikalen gewiss kaum geschadet. Gleichwohl ist das ambitionierte Werk allemal sehenswert und unterhaltsam, und das nicht nur für Deutschlehrer und Brechtologen! Das hochkarätige Ensemble hat sichtlich Spaß an dieser Variante des Klassikers. Der Sound des 80 Musiker starken SWR Symphonieorchesters verleiht den bekannten Liedern einen wuchtigen Klang. Mit Eric Gauthier, dem Publikumsliebling des Stuttgarter Balletts, sorgt ein Tanz-Könner für die grandiose Choreografie.  

BLACKKKLANSMAN – 136 min. – Ab 12 J.
Ein Schwarzer als Mitglied des ultrarassistischen Ku-Klux-Klans? Kaum zu glauben, aber dies hat sich in den 70er Jahren tatsächlich zugetragen. Wie so was ¬funktioniert, zeigt Spike Lees pulsierende, in Cannes mit dem Großen Preis der Jury prämiierte Komödie. Die erzählt das wahre Märchen eines dunkelhäutigen Polizisten in Colorado Springs, der es tatsächlich schaffte, den Ku-Klux-Klan zu infiltrieren. Der Film basiert lose auf den Erinnerungen von Ron Stallworth, der 1978 sieben Monate lang undercover gegen die Organisation ermittelte. Spike Lee wirbelt die Formen und Tonlagen nur so durcheinander, aber anders als bei einigen seiner weniger geglückten Kapriolen fügen sich die Elemente hier zu einer weitgehend schlüssigen Einheit. Komik und Seriosität, Satire und Hommage, Nüchternheit und Groteske sind samt und sonders Teil einer erzählerischen Position, die bei aller Verzweiflung das Lachen nicht verlernt hat und bei aller boulevardesken Zuspitzung den ernsten Hintergrund nie aus den Augen verliert. Ein Spike-Lee-Joint als pralle Wundertüte. Die Story entwickelt sich dabei, nach dem Auftakt mit einer bunten Montage von Szenen unter anderem aus »Vom Winde verweht« und »Birth of a Nation«, ziemlich geradlinig. Sie muss eigentlich bloß ihrer eigenen wahnwitzigen Idee folgen, dass ein nassforscher, afroamerikanischer Rookie nur genug Chuzpe benötigt, um bis ins Innere einer schwarzenfeindlichen Geheimorganisation vorzudringen. Unterwegs stellt der Film zwangsläufig immer wieder die Frage nach Identität und ihrer Fabrikation. Nie habe der jüdisch-stämmige Cop über seine Religion nachgedacht, heißt es einmal, aber jetzt, wo er die Rolle eines schwarzen Polizisten übernommen habe, der die Rolle eines weißen Rassisten spielt, könne er an nichts anderes mehr denken. Manchmal mischt Lee solche interessanten Grautöne unter seine lustvolle Schwarz-Weiß-Malerei. Mit seiner aber auch polemischen Art, mit seinem aus der Wut gespeisten Herangehensweise, die stets behauptet, die Moral auf seiner Seite zu haben, zeigt Spike Lee einmal mehr, dass er zwar große stilistische Kraft besitzt, wuchtige, emotionale Filme dreht, deren politische Haltung allerdings oft allzu schlicht erscheint. Die Kunst besteht bei ihm darin, einerseits die Farce auf die Spitze zu treiben, andererseits aber auch zu zeigen, wie ernst, wie unerträglich, wie omnipräsent das Thema leider weiterhin ist.

FLASHDANCE (1983) – 95 min. – Ab 12 J.
„Flashdance“ mauserte sich mit 95 Millionen Dollar Einspiel in Nordamerika und fast vier Millionen Zuschauern in Deutschland zum internationalen Überraschungshit. Er ist zugleich das erste Kapitel in der Erfolgsgeschichte des berühmt-berüchtigten Produzentenduos Jerry Bruckheimer und Don Simpson, das weitere Kassenschlager wie Beverly Hills Cop und Top Gun folgen ließ. Für den ebenso erfolgreichen Soundtrack ist der Südtiroler Synthesizer-Pionier Giorgio Moroder verantwortlich. Der Komponist gewann für „What a feeling“, dessen Intro bis heute für Gänsehaut sorgt, den zweiten seiner drei Oscars. Zu ultracoolen Songs wie „Maniac“ und „Manhunt“ schwingt allerdings nicht Jennifer Beals die muskulösen Schenkel durchs Bild. Die Schauspielerin wurde größtenteils von Marine Jahan gedoubelt. Bei der Tanzszene am Ende sprangen zusätzlich ein männlicher Breakdancer und eine professionelle Turnerin ein. Die Häppchendramaturgie und das effektvolle Spiel mit Schatten und Licht erwiesen sich dessen ungeachtet als ideal für das noch junge Musikfernsehen und so landeten viele Filmausschnitte als Clips bei MTV in der Heavy Rotation, was einen nicht unwesentlichen Teil zur Popularität von „Flashdance“ beitrug. Mit schicker Optik, mitreißenden Songs und einem Hauch von Story vereint „Flashdance“ die klassischen Tugenden von Musikvideos. Für einen Spielfilm sind Handlung und Charaktere dann doch recht flach. Mit seiner Clip-Ästhetik, die auf MTV noch über Jahre eine Heimstatt haben sollte, atmet Adrian Lynes Tanzspektakel auf der feinen Linie zwischen Trash und Kult den Geist der Achtziger.

GUNDERMANN – 126 min. – Ab 12 J.
Kann ein Verräter, selbst wenn er das Herz auf dem richtigen Fleck hat, wirklich die Welt verbessern? Wie kann man überzeugter Kommunist sein und im Sozialismus trotzdem systemkritische Lieder singen? Was macht das mit einem, der sich 1976 als IM für die Stasi anwerben ließ, wenn er erfährt, dass er selbst jahrelang bespitzelt worden ist? Warum fährt einer überhaupt jeden verdammten Arbeitstag in den stickig-braunen Tagebau zwischen Dresden und Cottbus zurück, obwohl er doch bereits im Vorprogramm von Bob Dylan oder Joan Baez aufgetreten ist und von seiner musikalischen Begabung seit den frühen 1990ern längst schon leben könnte? - Gerhard „Gundi“ Gundermann (Alexander Scheer) ahnt nicht, dass er später einmal einer der prägendsten Künstler der Nachwendezeit sein wird. Als er in den Achtzigerjahren mit seinen Musikern durch die Clubs tourt, ist das Geldverdienen mit seiner Musik noch nicht einmal sein Hauptanliegen. Stattdessen möchte er seine einfühlsamen, oft auf echten Erlebnissen beruhenden Texte mit der Welt teilen. Seine Brötchen verdient er sich als Baggerfahrer. Als er eines Tages gezwungen ist, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, wird er unsanft an seine Vergangenheit als Stasi-Spitzel erinnert. Das erschüttert nicht nur Gundis Vertrauen in sich selbst, der sich bis zu seinem frühen Tod mit nur 43 Jahren nie verzeihen wird, was er getan hat. Vor allem stellt ihn das vor die Frage nach dem „Warum?“, die er nicht beantworten kann und von der er hofft, dass sein Umfeld aus Freundin Conni (Anna Unterberger) und seiner Band ihm diese nicht stellt. - Bei Andreas Dresen ist man immer „mittendrin statt nur dabei“. Wir erleben hautnah und ungekünstelt, was es bedeutet, seine Vergangenheit zu verdrängen und was passiert, wenn sie uns über Umwege doch heimsucht. In „Gundermann“ befasst sich Dresen mit der bislang wenig bekannten Geschichte des Weimarer Liedermachers Gerhard Gundermann, der lange Zeit als Sprachrohr der Menschen im Lausitzer Braunkohlerevier galt, nicht zuletzt, weil er selbst dort arbeitete. Schon damals und insbesondere nach der Wende äußerte sich Gundermann immer wieder systemkritisch. Dresen zeichnet das kontrastreiche Bild einer Person, die sich gleichermaßen stark und zerbrechlich gab, deren melancholische Texte die angestaute Wut über die Welt verbargen und die bis zuletzt hinter ihren damals als kontrovers angesehenen Überzeugungen stand, die mitunter als das Auflehnen gegen ein menschenfeindliches System ausgelegt wurden. Dass Dresen zwischen so viel Pessimismus in einer ungeschönten Realität die Poesie in Gundermanns Texten nicht unberücksichtigt lässt, macht das romantisch-dramatische Biopic in seinem Facettenreichtum so sehenswert. Die ausführlichen Gesangseinlagen Gundermanns entfalten die Wirkung eines erzählerischen Leitfadens; mal lässt sich der Bezug zwischen Text und Ereignis direkt feststellen, ein anderes Mal wiederum dauert es etwas, bis man erkennt, woher Gundermann die Fantasie für das nahm, was er auf der Bühne von sich gab. „Gundermann“ springt zwischen zwei Zeitebenen: Da ist das Hier und Jetzt Mitte der Achtzigerjahre, als er sich erstmals mit seiner Stasi-Vergangenheit auseinandersetzen muss. Zum anderen geben kurze Rückblenden Einblicke in die Zeit, als Gundi dem Ministerium für Staatssicherheit angehörte. Viel ausgefeilter und intensiver gerät aber die Aufarbeitung. Schließlich folgt auf die eigene Erkenntnis die Frage danach, wie man sein Umfeld über seine Vergangenheit informiert; und ob es das überhaupt braucht. Alexander Scheer ist als Gerhard Gundermann kaum wiederzuerkennen, agiert allerdings überragend. Sein Hin- und Hergerissen sein zwischen Unsicherheit und Bekenntnis wirkt nie widersprüchlich und lässt den Zuschauer glaubhaft an dem inneren Zwiespalt seiner Figur teilhaben.

SAUERKRAUTKOMA – 97 min. – Ab 12 J.
Eine Mordsgaudi mit schrägem Witz, einem Hauch Anarchie und subversiven Charme garantiert auch der fünfte bayerische Heimatkrimi nach der Vorlage von Bestsellerautorin Rita Falk. Maibaumschändung, Sauerkrautüberdosis, verpatzte Heiratsanträge, für Sebastian Bezzel als Franz Eberhofer schwerste Heraus-forderungen. Dem stets lässig, grantelnden  Dorfsheriff  kommt eine Zwangs-Beförderung ins ungeliebte München in die Quere. Für ihn der Overkill. Dass im alten Opel Admiral seines Hippie-Vaters eine Leiche im Kofferraum auftaucht, ist da fast schon ein Segen. Weniger glücklich macht ihn Lisa Potthof als seine langjährige On-Off-Freundin Susi. Die wünscht sich nun definitiv einen Heiratsantrag und Nachwuchs. Die derzeit erfolgreichste Bayernfilmreihe enttäuscht erneut keine Sekunde. Der gebürtige Garmischer Sebastian Bezzel, als stets etwas launischer Anti-Held,  ist dabei zwar nach wie vor der unbestrittene Sympathieträger des herrlichen Kultfilms. Aber seine Susi holt rasant auf. Und natürlich wär alles nix ohne die Oma, den Birkenberger und überhaupt die ganze restliche, wunderbare Bagage. Und wie schwärmt das bayerische Urgestein und Rebell Hans Söllner von seinem Gspusi „Edeltraut, Edeltraut, du hast a sauguats Gras obaut“. Über so eine Schwiegertochter würd sich natürlich auch Eberhofers Hippievater freuen. Erneut begeistert das brillante österreichisch-bayerische Dreamteam mit unwiderstehlich, derber Herzlichkeit.

GRÜNER WIRD´S NICHT, SAGTE DER GÄRTNER UND FLOG DAVON – 116 min. – Ab 6 J.
Zu Gärtner Georgs Geldsorgen gesellen sich familiäre Probleme. Die Ehefrau verhält sich sonderbar. Die Tochter möchte lieber Kunst studieren, als den Betrieb zu übernehmen. Noch immer mimt Schorsch (Elmar Wepper) verzweifelt den Patriarchen. Wenn es Probleme gibt, flieht er gern in seinen roten Doppeldecker und fliegt den irdischen Sorgen davon. Als ein Gerichtsvollzieher den geliebten Flieger beschlagnahmen möchte, setzt sich Schorsch spontan in seinen Kiebitz und startet den Propeller. Der tollkühne Mann in seiner fliegenden Kiste wird alsbald von einem grellen Warnton auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Der Tank ist leer, mit einer sauberen Notladung rettet sich der Pilot auf einen Acker. Bei dessen Besitzer, einem seelenverwandten Landwirt, findet Schorsch Verpflegung, Verständnis sowie Benzin, schließlich will er mit seinem Kiebitz noch bis zum Nordkap fliegen! Oscar-Besitzer Florian Gallenberger kann sich bei seinem fliegenden Roadmovie quer durch die Republik  nach dem gleichnamigen Roman des Kabarettisten und Schauspielers Jockel Tschiersch auf ein exzellentes Ensemble verlassen. Allen voran Elmar Wepper, der in dieser luftigen Tragikomödie mit leinwandpräsenter Lässigkeit vom mürrischen Saulus zum empathiefreudigen Paulus mutiert. Einmal mehr präsentiert sich der einst als Serien-Mime unterforderte, von Doris Dörrie für die Leinwand schließlich wachgeküsste Schauspieler in der (Kirsch)Blüte seiner Karriere. Eine liebevolle Komödie über unerfüllte Träume, mutige Entscheidungen und die Kraft des Herzens, grosse Hürden zu überwinden. In weiteren Rollen: Emma Bading, Monika Baumgartner, Dagmar Manzel, Ulrich Tukur.


PAPST FRANZISKUS – Ein Mann seines Wortes – 96 min. – Ab 6 J.
Als cineastischer Biograf bekam Wim Wenders bereits drei Oscar-Nominierungen. Nach den Musikern vom „Buena Vista Social Club“, Tanz-Ikone „Pina“ Bausch sowie dem Fotografen Sebastião Salgado in „Salz der Erde“ folgt nun ein Porträt über Papst Franziskus. Es ist eine persönliche Reise mit dem Papst und nicht so sehr ein Film über ihn. Im Zentrum dieses Porträts stehen seine Gedanken, alle ihm wichtigen Themen, aktuelle Fragen zu globalen Herausforderungen und sein Reformbestreben innerhalb der Kirche. Das visuelle Konzept des Films lässt den Zuschauer mit dem Papst von Angesicht zu Angesicht sein. Ein Gespräch zwischen ihm und, im wahrsten Sinne, der Welt entsteht. Papst Franziskus teilt seine Vision einer Kirche, die von tiefer Sorge um die Armen geprägt ist, präsentiert werden dessen politisch durchaus radikale Ansichten in Sachen Ökologie, sozialer Gerechtigkeit oder Konsumgesellschaft. Rigoros beklagt der Pontifex zudem die Vertuschung von sexuellem Missbrauch in seiner Kirche. Er fordert die Stärkung von Frauen und die Akzeptanz von Schwulen. Neben den Bildern der Papst-Reisen rund um die Welt überrascht Wim Wenders vor allem mit einzigartig intimen Innenansichten, mehrfach erhielt er Interview-Audienz im Vatikan. „Es ist auch für Kritiker der Kirche völlig ungefährlich, sich diesen Film anzusehen“, verspricht Wenders. Den Raubbau der Erde schnellstens verhindern! Der Profitgier der Konsumgesellschaft begegnen! Die eklatante Ungerechtigkeit zwischen Armut und Reichtum beenden! Hunger bekämpfen! Waffenexporte verbieten! Toleranz der Religionen! Akzeptanz von Minderheiten! Was wie Wunschzettel auf einem Öko-Workshop beim Kirchentag klingt, meint das Oberhaupt der Katholiken absolut ernst. „Wir sind alle verantwortlich! Niemand kann sagen, ich habe damit nichts zu tun!“, kommentiert Franziskus rigoros die Lage. Er schaut dabei dem Publikum direkt in die Augen. Wie schon in „Salz der Erde“ sorgt die besondere Kameratechnik namens Interrotron für diesen Spezialeffekt: Der Befragte blickt auf eine Art umfunktionierten Teleprompter, auf dem er das Gesicht des Interviewers sieht, als ob dieser vor ihm säße. Gleichwohl sieht er durch ihn hindurch direkt in die Kamera.

DEINE JULIET – 124 min. – Ab 12 J.
Die Filmadaption beruht auf dem gleichnamigen Briefroman von Mary Ann Shaffer, welcher 2008, wenige Monate nach dem Tod der Autorin, veröffentlicht wurde. Regisseur Mike Newell („Vier Hochzeiten und ein Todesfall“) schildert in seiner Mischung aus Liebesfilm und Kriegsdrama stilsicher das Schicksal einer jungen, erfolgreichen Autorin, deren Leben durch den Brief eines Fremden gehörig durcheinandergewirbelt wird. „Deine Juliet“ ist dabei nicht bloß ein leidenschaftliches Plädoyer für die Kraft des geschriebenen Wortes, sondern auch eine Erzählung über die Folgen des Zweiten Weltkriegs. Newell bringt diese beiden Elemente überzeugend unter einen Hut, seine hochkarätige Besetzung übernimmt den Rest. Stilsicher und ohne Effekthascherei inszeniert Newell sowohl niederschmetternde Momente wie jenen, in dem eine Mutter vom Verlust ihrer Tochter erfährt, als auch amüsante Frauengespräche zwischen Juliet und ihrer Freundin Isola, die absolut alles über Juliets Männergeschichten wissen will. Auch das zurückhaltende Kennenlernen zwischen der Autorin und dem alleinerziehenden Dawsey gerät zunächst angenehm unaufgeregt und besteht lediglich aus verspielten Blicken und kurzen Berührungen. Doch es stehen die Figuren und ihre mitunter sehr traurigen Schicksale im Mittelpunkt. Wie der Zweite Weltkrieg die Inselbewohner hat zusammenrücken lassen, das ist das Herzstück der Erzählung auf der einen Ebene, die andere Ebene zeigt das Gemeinschaftsstiftende des geschriebenen Wortes: Literatur kann Menschen zusammenbringen, sie kann Begeisterung schaffen. Und manchmal kann sie sogar Leben retten! Eine geschmackvolle Verfilmung eines vielschichtigen Romans.

PETTERSSON UND FINDUS – FINDUS ZIEHT UM - 82 min. - Ab 0 J.
Zum dritten Mal inszenierte Ali Samadi Ahadi ein Abenteuer mit dem etwas tolpatschigen Erfinder Pettersson und seinem Kater Findus, erneut in einer bunten Mischung aus Real- und Animationsfilm. Dank der vielen visuellen Einfälle stört es nicht, dass die Geschichte nicht mehr als rudimentär ist, man könnte auch sagen kindgerecht: Ein klarer Grundkonflikt, der sich am Ende in Wohlgefallen auflöst und auch noch für ein paar Lebensweisheiten taugt, die nebenbei mit auf den Weg gegeben werden. Viel wichtiger als die Moral ist der Spaß, der zum einen durch die tierischen Nebenfiguren ins Spiel kommt, neben den sprechenden Hühnern ist das der Jagdhund Happo, den der Nachbar Gustavsson vergeblich zu kontrollieren versucht, und zum anderen die animierten Mucklas, die zwar wohl so etwas wie Matschkleckse sein sollen, dank ihrer bräunlichen Farbe und ihres Wohnorts unter dem Toilettenhäuschen allerdings auch andere Assoziationen wecken. Ein lustiger Haufen sind sie jedenfalls, die sich mit merkwürdigen Lauten artikulieren und wilde Musik spielen, die hübsch mit den von Schüttelreimen geprägten Liedern kontrastieren, die immer wieder angestimmt werden. Ein abwechslungsreicher Spaß, der glänzend unterhält und zwar nicht nur die kleinen Besucher.