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MUSEMUSEMUSE

Unser Programm von Montag, 16.7. bis Mittwoch, 25.7.2018:

Welcher Film in  KINOTHEK 1 ... Beginn DATUM Welcher Film in  KINOTHEK 2 ... Beginn
***3 TAGE IN QUIBERON 20.15
Mo 16.7. ***MOLLY´S GAME 20.15
***ISLE OF DOGS - ATARIS REISE
20.15 Di 17.7. ***LADY BIRD 20.15
NO WAY OUT - GEGEN DIE FLAMMEN 20.15 Mi 18.7. ***WEIT Die Geschichte von einem Weg um die Welt 20.15
MUSE - DRONES WORLD TOUR 20.00 Do 19.7. In Kino 2 heute keine Vorstellungen.

NEU  PAPST FRANZISKUS - Ein Mann seines Wortes 20.15 Fr 20.7. DIE BRILLANTE MADEMOISELLE NEÏLA 20.15
PAPST FRANZISKUS - Ein Mann seines Wortes
20.15 Sa 21.7. DER BUCHLADEN DER FLORENCE GREEN 20.15
NEU   Steven Spielbergs  **READY PLAYER ONE
PAPST FRANZISKUS - Ein Mann seines Wortes
***MUSE - DRONES WORLD TOUR
14.30
17.30
20.00
So 22.7. NEU  **DIE BIENE MAJA 2 - DIE HONIGSPIELE
DER BUCHLADEN DER FLORENCE GREEN

14.30
17.30

PAPST FRANZISKUS - Ein Mann seines Wortes 20.15
Mo 23.7. DIE BRILLANTE MADEMOISELLE NEÏLA 20.15
**NO WAY OUT - GEGEN DIE FLAMMEN
20.15 Di 24.7. ***IN DEN GÄNGEN 20.15
**DAS ETRUSKISCHE LÄCHELN 20.15 Mi 25.7. DIE BRILLANTE MADEMOISELLE NEÏLA 20.15
* NUR NOCH KURZE ZEIT  |   ** VORAUSSICHTLICH LETZTE VORSTELLUNG.  |    *** LETZTE VORSTELLUNG.   |   ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR!
Wie zeigen jeweils die deutsche Fassung (2D), wenn nicht anders angegeben.  |  OF=Originalfassung  | OmU=Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Zu Ihrer Information: Filmtheater erstellen ihr Filmprogramm in der Regel von Woche zu Woche. Jeden Montag nachmittag ab ca. 14 Uhr können Sie unser Programm für die nächsten zehn Tage einsehen. Informieren Sie sich bitte taggenau: Aufgrund der Fülle an Filmen, die für uns interessant sind und bei nur zwei Kinosälen zeigen wir diese nicht täglich (!) innerhalb der Kinowoche (Donnerstag bis Mittwoch), sondern vielmehr über Wochen hinweg immer wieder tageweise.
Sie können von weiteren Vorstellungen eines Titels ausgehen, wenn dieser ohne Stern versehen ist.
Alle diesbezüglichen Angaben sind ohne Gewähr.



Unsere diese Woche neu einsetzenden Filme, kurz vorgestellt: (Quellen u.a.: programmkino.de/kino.de)


PAPST FRANZISKUS – Ein Mann seines Wortes – 96 min. – Ab 6 J.
Als cineastischer Biograf bekam Wim Wenders bereits drei Oscar-Nominierungen. Nach den Musikern vom „Buena Vista Social Club“, Tanz-Ikone „Pina“ Bausch sowie dem Fotografen Sebastião Salgado in „Salz der Erde“ folgt nun ein Porträt über Papst Franziskus. Es ist eine persönliche Reise mit dem Papst und nicht so sehr ein Film über ihn. Im Zentrum dieses Porträts stehen seine Gedanken, alle ihm wichtigen Themen, aktuelle Fragen zu globalen Herausforderungen und sein Reformbestreben innerhalb der Kirche. Das visuelle Konzept des Films lässt den Zuschauer mit dem Papst von Angesicht zu Angesicht sein. Ein Gespräch zwischen ihm und, im wahrsten Sinne, der Welt entsteht. Papst Franziskus teilt seine Vision einer Kirche, die von tiefer Sorge um die Armen geprägt ist, präsentiert werden dessen politisch durchaus radikale Ansichten in Sachen Ökologie, sozialer Gerechtigkeit oder Konsumgesellschaft. Rigoros beklagt der Pontifex zudem die Vertuschung von sexuellem Missbrauch in seiner Kirche. Er fordert die Stärkung von Frauen und die Akzeptanz von Schwulen. Neben den Bildern der Papst-Reisen rund um die Welt überrascht Wim Wenders vor allem mit einzigartig intimen Innenansichten, mehrfach erhielt er Interview-Audienz im Vatikan. „Es ist auch für Kritiker der Kirche völlig ungefährlich, sich diesen Film anzusehen“, verspricht Wenders. Den Raubbau der Erde schnellstens verhindern! Der Profitgier der Konsumgesellschaft begegnen! Die eklatante Ungerechtigkeit zwischen Armut und Reichtum beenden! Hunger bekämpfen! Waffenexporte verbieten! Toleranz der Religionen! Akzeptanz von Minderheiten! Was wie Wunschzettel auf einem Öko-Workshop beim Kirchentag klingt, meint das Oberhaupt der Katholiken absolut ernst. „Wir sind alle verantwortlich! Niemand kann sagen, ich habe damit nichts zu tun!“, kommentiert Franziskus rigoros die Lage. Er schaut dabei dem Publikum direkt in die Augen. Wie schon in „Salz der Erde“ sorgt die besondere Kameratechnik namens Interrotron für diesen Spezialeffekt: Der Befragte blickt auf eine Art umfunktionierten Teleprompter, auf dem er das Gesicht des Interviewers sieht, als ob dieser vor ihm säße. Gleichwohl sieht er durch ihn hindurch direkt in die Kamera.

READY PLAYER ONE – 140 min. – Ab 12 J.
Als Regisseur und Filmemacher hat Steven Spielberg einen gewaltigen Fußabdruck in der Popkultur der 80er-Jahre hinterlassen. Dass er sich die Rechte an der Verfilmung des Romans „Ready Player One“ von Ernest Cline sichern konnte, ist ein Geniestreich. Der Roman ist die ultimative Liebeserklärung an Filme, Videospiele und die Musik der 80er. Es geht um einen gigantischen Videospielwettbewerb, den einige todernst nehmen, um ein Virtual-Reality-Zukunftsszenario, das gleichzeitig ein Nostalgietrip ist in die Zeit, die von Spielberg so sehr mitgeprägt wurde. Auch wenn der Zitatenreichtum des Science-Fiction-Actioners geradezu unerschöpflich ist, interessiert sich Spielberg weniger für die Vergangenheit als für die Gegenwart und die Zukunft des Filmemachens: Er nutzt die Möglichkeiten des Mediums für ein mitreißendes Spektakel, einen visuell immer wieder überwältigenden Trip in nie gesehene Welten: Im Jahr 2045 zieht der in einem gigantischen Trailerpark am Stadtrand von Columbus, Ohio, hausende 18-jährige Waisenjunge Wade Watts (Tye Sheridan) wie die meisten seiner Zeitgenossen der tristen Wirklichkeit seines Lebens die virtuelle Realität der interaktiven Online-Welt OASIS vor. Dort nimmt er die Identität des Avatars Parzival an und verwendet seine ganze Energie darauf, die Aufgaben zu lösen, die Jimmy Hallyday (Mark Rylance) hinterlassen hat, der fünf Jahre zuvor verstorbene Schöpfer des Paralleluniversums. Wer alle Herausforderungen besteht und das Easter Egg des exzentrischen Erfinders findet, dem winkt nicht nur sagenhafter Reichtum, sondern auch die totale Kontrolle über die OASIS. Die zwischen der Realität und der Computerwelt hin- und herspringende Geschichte ist flott und wendungsreich erzählt und wird getragen von sympathischen Figuren. Eine allzu komplexe Charakterzeichnung sollte man nicht erwarten. Ebenso wenig tiefgründige Überlegungen zu den Gefahren des virtuellen Raums. Als temporeiche, visuell beeindruckende Abenteuersause macht Spielbergs Adaption durchgehend Spaß und dürfte auch all jene unterhalten, die sich nicht so sehr für die zahlreichen Verweise begeistern können.

DIE BIENE MAJA 2 – DIE HONIGSPIELE – 83 min. – Ab 0 J.
Arbeit, Fleiß und Honig: Manche Figuren sterben nie aus. Maja hat bereits mehr als 100 Jahre auf ihrem Bienenbuckel. In einem Roman des Schriftstellers Waldemar Bonsels kroch sie 1912 aus ihrer Wabe. Einen Stummfilm, diverse Theaterstücke, zwei Zeichentrickserien und einen Animationsfilm später geht die eigenwillige Protagonistin im Kino in die nächste Runde. Eltern, die mit der TV-Produktion aus den 1970ern groß geworden sind, müssen sich an die neue Optik vielleicht gewöhnen. Für die ganz Kleinen, an die sich Majas zweites Kinoabenteuer in erster Linie richtet, ist an dieser Geschichte um ein sportliches Großereignis in Summtropolis nichts falsch. Der Animationsfilm vermittelt Werte wie Freundschaft, Zusammenhalt und die Bedeutung, das Wohl der Gruppe über das Einzelner zu stellen, oder Fremden stets aufgeschlossen und vorurteilsfrei zu begegnen. Zum anderen hat diese Biene nicht mehr viel mit ihren Wurzeln gemein. Die versöhnliche, doch etwas langweilige Maja bestreitet Abenteuer, welche genauso gut jeder andere Kinder-Held hätte auferlegt bekommen können. Dennoch unterhält der Film über weite Strecken vor allem die kleinen Zuschauer bis 10 Jahren.


Weitere Filme, aktuell im Programm: (Quellen: programmkino.de/kino.de/epd-film)

MUSE: DRONES WORLD TOUR – 95 min. – Ab 6 J.
Hinweis! Der Konzertfilm enthält Sequenzen mit Blitzlichteffekten, die Gäste beeinträchtigen können, die anfällig für photosensitive Epilepsie sind!
Muse, die weltberühmte mehrfach mit Platin ausgezeichnete und vielfach preisgekrönte Band, begann ihre ambitionierte Drones World Tour 2015/2016 und spielte über 130 Konzerte auf der ganzen Welt. Die Band ist bekannt dafür, mit ihren Bühnenshows neue Maßstäbe zu setzen. Sie spielte auf einer runden Bühne von der Mitte der Arena aus, wobei das Bühnenbild und die Anordnung der Bühne den Fans ein audiovisuelles 360°-Sinneserlebnis bot. Im Mittelpunkt der Visualisierungen der Tour standen die Drohnen, die autonom über die Bühne und quer durch das Publikum flogen, neben riesigen Projektionen, die mit den Bandmitgliedern auf der Bühne interagierten. Dieses Spektakel mit LEDs und Lasern hat das gefeierte Repertoire der Band perfekt ergänzt. Zu den auf der Tournee vorgetragenen Key-Songs gehörten "Psycho", "Madness", "Uprising", "Plug in Baby", "Supermassive Black Hole" und "Knights of Cydonia". Gefilmt und aufgenommen über mehrere Shows enthält der Konzertfilm nie zuvor gesehene Spezialeffekte und einen exklusiven Einblick in die Band in der Einleitung. Die New York Times beschreibt die Muse-Live-Erfahrung als "eine unendliche Steigerung, die auf einen Höhepunkt nach dem anderen zusteuert, das ist, was ein Muse-Konzert mit allen verfügbaren Mitteln leisten will." Hier sehen wir die Band auf dem Höhepunkt ihrer Kräfte, wie sie ein unvergessliches Fan-Erlebnis schafft, das auf der großen Leinwand gesehen werden muss.

DIE BRILLANTE MADEMOISELLE NEÏLA - 97 min. - Ab 6 J.
Die Kunst, Recht zu behalten, man kann sie lernen. Im neuen Film von Yvan Attal nimmt Daniel Auteuil als zynischer Rhetorik-Professor eine junge Jurastudentin unter seine Fittiche, um ihr die Technik des Diskutierens beizubringen. Und um seinen Job zu retten. Zwei Dickköpfe prallen aufeinander, und wie sie langsam, mit intelligent geschriebenen Dialogen am selben Strick ziehen, um einen Rhetorik-Wettbewerb zu gewinnen, ist die eigentliche Geschichte des Films. Mit der schönen Erkenntnis: Mit den richtigen Worten kann man viel erreichen, vom Kuss bis zur Karriere. Regisseur Yvan Attal macht es dem Zuschauer zunächst nicht leicht, seine Figuren zu mögen. Neïla geht einem in den ersten Szenen mit ihrer Unpünktlichkeit und ihrem aufbrausenden Temperament, ihrer Aggressivität und Zickigkeit gehörig auf die Nerven. So legt sich ein kleiner Schatten auf die Figur, die erst später Mut, Hartnäckigkeit, Freundlichkeit, Zielstrebigkeit und Dankbarkeit zeigen wird. Mazard hingegen ist zwar ein guter Lehrer, der mit ungewöhnlichen Methoden und immensem Wissen seine Schülerin fordert. Aber mit seinen Wutanfällen, Provokationen und Beleidigungen erscheint er als schwieriger Misanthrop, dem man nur ungern Sympathie entgegen bringt. Im Folgenden geht es also darum, wie Lehrer und Schülerin aufeinander zu gehen und voneinander lernen. Aber es geht auch um die Macht des Wortes und die richtige Argumentation. In fein ziselierten, intelligent geschrieben Dialogen berührt der Film zahlreiche Themen, vom Rassismus bis zur Frauenfeindlichkeit, von der Bigotterie bis zur Wahrheit, von der Bildung bis zur Redefreiheit. Nicht umsonst wird hier Arthur Schopenhauers Technik des Diskutierens, auch bekannt als „Eristische Dialektik“, angeführt. 38 Kunstgriffe gibt es, die einem helfen, Recht zu behalten, von der Ablenkung bis zur Verallgemeinerung, von falschen Annahmen bis zur irritierenden Zwischenfrage. Und wenn der Gegner zu gewinnen droht, darf man ihn auch persönlich beleidigen. Wer hätte gedacht, dass Schopenhauer auch heute noch so aktuell ist?

NO WAY OUT – GEGEN DIE FLAMMEN - 134 min. - Ab 12 J.
Vom sogenannten Yarnell Hill Fire im Juni 2013 in der Nähe von Arizona hat hierzulande kaum einer Notiz genommen. Gerade in den Sommermonaten brennt es in den Wäldern der USA ja immer irgendwo. Der Brand vor knapp vier Jahren war allerdings etwas Außergewöhnliches, denn in dem Feuer kam fast die gesamte Crew der sogenannten Granite Mountain Hotshots ums Leben; nur einer der insgesamt 19 Brandspezialisten überlebte. Seit den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 forderte keine Katastrophe mehr Leben von Feuerwehrmännern als das Yarnell Hill Fire. Regisseur Joseph Kosinski („Oblivion“), der sich im Zeitalter der Superhelden bewusst der Geschichte von Heroen des Alltags annehmen wollte, macht das tragische Ereignis zum Grundstein eines aufwühlenden Katastrophendramas, das sich in seiner erzählerischen Zurückhaltung wie der Gegenentwurf zu Hollywoods oft so pathosschwangeren Werken anfühlt. Hier stehen die Menschen im Vordergrund und ihre Bereitschaft, sich für das Leben ihnen fremder Opfer selbst in größte Gefahr zu bringen. Die Protagonisten zeigen kein großspuriges Hollywood-Heldentum, sondern echten Mut und echte Menschlichkeit und zu denen gehört es, sich seiner eigenen Grenzen bewusst zu sein. Kosinski inszeniert das Ganze so unaufdringlich, dass der dramatische Ausgang der Geschichte vor allem deshalb so mitnimmt, weil man in den Feuerwehrleuten eben keine übermenschlichen Helden sieht, sondern Männer und Familienväter wie Tausende andere auch. Ein bildgewaltiges und aufwühlendes Katastrophendrama, das den Opfern des Yarnell Hire Fires ein ergreifendes Denkmal setzt.

DER BUCHLADEN DER FLORENCE GREEN - 110 min. - Ab 6 J.
Ein Buch sei wie ein Haus, das man während der Lektüre durchwandere und in dem man sich ein Zuhause schaffe, behauptet die Erzählerin aus dem Off zu Beginn des Films. Und im Folgenden macht Regisseurin Isabel Coixet das Publikum zum Zeugen ihrer eigenen Wanderung durch Penelope Fitzgeralds 1978 erschienenen Roman. Diese hat ihren Roman als Konfrontation zwischen dem staubigen britischen Konservatismus und der beginnenden Liberalität der späten fünfziger Jahre angelegt. Hinter der Fassade gediegener Konversation entlarvt sie die Böswilligkeit des provinziellen Establishments. Coixet bleibt diesem Grundgedanken treu, indem sie den Buchladen zu einer Bastion des freien Geistes ausbaut, die von der Heldin ebenso tapfer wie vergeblich verteidigt wird. Und es geht auch um nichts weniger als die Liebe zum Buch, die Lust am Lesen, die Sehnsucht nach Fantasie und anderen Welten. Doch in der englischen Provinz der späten 1950er Jahre, einer Zeit, in der unterdrückte Gefühle, Klassenunterschiede und die Angst vor dem Unbekannten den Alltag bestimmen, sind dies auch sehr gefährliche Sehnsüchte, die eine mutige, idealistische Frau (Emily Mortimer) auf Konfrontationskurs mit der Dorfgemeinschaft schicken. Unterstützt wird sie dabei von dem exzentrischen Sonderling Mr. Brundish (Bill Nighy), erbittert bekämpft von der allmächtigen Grande Dame des Ortes, Violet Gamart (Patricia Clarkson), die aus dem alten Haus ein Kulturzentrum machen wollte. Das sind wunderbare Schauspieler mit perfektem Gefühl für ihre Figuren, denen man gern bei den Kleinstadtintrigen zusieht. Eine ehrliche Liebeserklärung an die bedrohten Wohnstuben des Geistes, an die guten alten, aussterbenden Buchläden, die jeden leidenschaftlichen Leser berührt.


IN DEN GÄNGEN - 125 min. - Ab 12 J.
Eine zarte Liebe im geschützten Kosmos eines Großmarkts, inmitten einer Atmosphäre von familiärer Freundschaft und Zugehörigkeit, die gedeiht und außerhalb des Markts keine Chance hätte. Christian (Franz Rogowski) ist neu im Großmarkt. Schweigend taucht er in das unbekannte Universum ein: die langen Gänge, die ewige Ordnung der Warenlager, die surreale Mechanik der Gabelstapler. Bruno (Peter Kurth), der Kollege aus der Getränkeabteilung, nimmt sich seiner an, zeigt ihm Tricks und Kniffe, wird ein väterlicher Freund. Und dann ist da noch Marion (Sandra Hüller) von den Süßwaren, die ihre kleinen Scherze mit Christian treibt. Doch Marion ist verheiratet, aber nicht sehr glücklich, wie es heißt. Bald fiebert der ganze Großmarkt bei dieser Geschichte vom Suchen und Finden der Liebe mit, und mit der Belegschaft auch das Kinopublikum. Dieser kleine große Film geriet zum strahlenden Leuchtturm der diesjährigen Berlinale. Die elementarste Drehbuch-Regel, vielfach ignoriert, wird hier vollendet umgesetzt: Empathie mit den Figuren bis zur kleinsten Nebenrolle! Rogowski avancierte zum Festival-Liebling und ganz großen Favoriten für den Bären. Auch Hollywood rückt näher, fand der Film rasant schnell einen Verleih in den USA. Die Hüller und der Kurth? Beide spielen wie immer in der charismatischen Champions League, mehr Verletzlichkeit und zugleich Würde lässt sich kaum schaffen. Dieses warmherzige Märchen umarmt sein Publikum. Und lässt es nicht mehr los. Bis zu jenem zauberhaften Ende, an dem ein alter Stapler-Trick von Bruno zur Geltung kommt.

MOLLY´S GAME - 140 min. - Ab 12 J.
Die ehemalige Profi-Ski-Fahrerin Molly Bloom (Jessica Chastain) ist nicht nur attraktiv, sondern hat auch echt Köpfchen. So schafft sie es innerhalb kürzester Zeit, den exklusivsten geheimen Poker-Ring der Welt aufzuziehen. Über zehn Jahre verdient Molly Millionen am Freizeitspaß von Hollywood-Stars, Wirtschaftsbossen und Mitgliedern der russischen Mafia. All das endet schlagartig, als das FBI eines Nachts vor Mollys Tür auftaucht. Die Boulevard-Presse stürzt sich mit Freuden auf die „Poker-Prinzessin“ und ihre Geschichte. Ganz die Geschäftsfrau, bringt Molly sogar ein Buch mit ihrer Geschichte heraus. Namen und Geheimnisse ihrer Klienten behält die ehemalige Profisportlerin allerdings für sich. Doch genau an die wollen die Behörden ran. Um ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen, wendet sich Molly an den gewieften Anwalt Harlie Jaffey (Idris Elba). Doch hat das Duo überhaupt nur den Hauch einer Chance gegen diese scheinbar übermächtigen Gegner? Und ist seine Mandantin wirklich unschuldig? Warum besteht sie darauf, die Namen ihrer prominenten Kunden zu verschweigen? Welches Spiel spielt Molly Bloom wirklich? Der Film beruht auf Tatsachen, das Buch „Poker Princess“ diente Autor und Regiedebütant Aaron Sorkin als Vorlage. Energisch treibt er seine Erzählung voran, und mit Einführung des Rechtsanwalts springt der Film in der Zeit vor und zurück. Besonders die Rededuelle zwischen Idris Elba und Jessica Chastain sind von einem Wortwitz und einer Eloquenz, die einen großen Teil der Faszination des Films ausmachen. Da sind zwei, die sich ihr gegenseitiges Vertrauen hart erarbeiten müssen. Jessica Chastain ist genau die Richtige für diese Molly Bloom: selbstsicher, schön, charmant und professionell, distanziert und wortgewandt. Der skrupellosen Rücksichtslosigkeit von Elizabeth Sloane, die sie in „Die Erfindung der Wahrheit“ spielte, setzt sie mehr Freundlichkeit und Verletzlichkeit entgegen. Glaubwürdig und beeindruckend spielt Chastain eine Frau, die durch einen ehrgeizigen Vater, dargestellt von Kevin Costner, und noch erfolgreichere Brüder aus dem Elternhaus getrieben wird und sich nun in einer Männerwelt behaupten muss. Man muss gar nicht so viel von Poker verstehen, um diesen Film extrem spannend und unterhaltsam zu finden. Eine brilliant geschriebenen Pokerfarce, die seinem Zuschauer im besten Sinne das letzte Blatt Aufmerksamkeit abverlangt.

DAS ETRUSKISCHE LÄCHELN - 107 min. - Ab 6 J.
Der Film erzählt die Geschichte eines grantigen alten Mannes, der sich aus gesundheitlichen Gründen auf den Weg von seiner abgelegenen schottischen Insel zu seinem Sohn nach San Francisco macht. Sein Leben nimmt eine unerwartete Wendung durch die Liebe zu seinem kleinen Enkel. Spät entdeckt Rory, worauf es im Leben wirklich ankommt. Das israelische Regieduo Oded Binnun und Mihal Brezis nimmt uns in seinem ersten abendfüllenden Film nach dem Roman von José Luis Sampedros mit auf die letzte Reise eines Griesgrams, der Herz und Gemüt wiederfindet. Brian Cox macht Rorys Erwachen glaubwürdig und rührt den Zuschauer am Ende zu Tränen. „Ich konnte es nicht erwarten, einen Mann aus dir zu machen, wie ich einer war“, gesteht er seinem Sohn Ian. „Ich konnte nicht warten zu sehen, welcher Mann du sein würdest.“ Dank der schnell wachsenden Liebe zu seinem Enkelsohn, der sich langsam entschärfenden Anspannung zu seinem Sohn und der hitzigen späten Liebe zu Claudia, einer Museumsdirektorin, die ihm ganz nebenbei auch das Geheimnis des etruskischen Lächelns offenbart, wird aus dem Raubein MacNeil doch noch ein liebenswerter Kerl. Die Moral von der Geschicht': es ist nie zu spät, um alte Konflikte zu bearbeiten und ein besserer Mensch zu werden. Was ein tränenreiches Drama hätte werden können, entwickelt sich schnell als leiser, aber auch äußerst amüsanter Film! Der Charakter von Rory MacNeil (mehr als großartig dargestellt von Brian Cox) entwickelt sich im Laufe der knapp zwei Stunden und zeigt einen vielschichtigen Mann, der nicht nur griesgrämig und misanthropisch ist, sondern charmant sein kann, das Herz auf dem rechten Fleck trägt und neben des ganzen zur Schau gestellten Machotums auch eine weiche Seite in sich trägt.

ISLE OF DOGS – ATARIS REISE - 101 min. - Ab 12 J.
Mit einem Animationsfilm wurde die Berlinale noch nie eröffnet, diese Ehre hatte nun Wes Andersons „Isle of Dogs“, der stilistisch und qualitativ nahtlos an das Werk des amerikanischen Regisseurs anschließt und inhaltlich genau in unsere Zeit und zum Selbstverständnis der Berlinale als politisches Festival passt. Es geht um Flüchtlinge, Diskriminierung, Machtmissbrauch. Das retro-futuristische Japan, in dem der Bürgermeister einer Großstadt alle Hunde auf eine Müllinsel verbannt, sieht herrlich kindisch aus. Die Insel, auf der Andersons Held Atari landet, strahlt aber eine greifbare Gefahr aus. Atari ist zwölf Jahre alt und sucht seinen Hund Spots, der hierher deportiert wurde. Hunde konnten nur hierher verbannt werden, weil eine aufwändige Propaganda-Maschine angeworfen wurde, die der Bevölkerung Angst vor den Tieren macht. Opposition, Presse und Wissenschaft werden derweil unterdrückt, weggesperrt und diskreditiert. „Isle of Dogs“ ist bei weitem nicht die tiefgründigste Metapher für Ängste und Ressentiments der Welt, brillant wird diese aber durch die zahlreichen Figuren und Nebenschauplätze, die Anderson etabliert und kombiniert. Zu einem ergreifenden Film wird die Dramedy durch die vielen kleinen Momente, in denen sich die Hunde und die Menschen mit brutaler Ehrlichkeit ihrer Fehler und Vorurteile bewusst werden, sie revidieren und aus ihnen lernen, sich weiterentwickeln und zu besseren Persönlichkeiten werden. In einer Sichtung ist kaum zu erfassen, mit welchem Reichtum an Bildern und Verweisen Anderson die 100 Minuten seines Films gefüllt hat, die er in seinen typischen zentrierten Tableaus, mit Reißschwenks und Parallelfahrten inszeniert. Eine Vielfalt, die sich auch in den Geschichten spiegelt. Um die Beziehung zwischen Mensch und Tier geht es, vor allem aber um das Verhältnis von Lebewesen im Allgemeinen, um Vorurteile und Diskriminierung, Exil und Vertreibung. Zeitgemäße Themen, die aber niemals didaktisch verhandelt werden, sondern auf mitreißende, enorm phantasievolle Weise erzählt werden.

LADY BIRD - 94 min. - Ab 12 J.
Greta Gerwigs Dramödie über eine junge Rebellin ist bis in die winzigsten Details gelungen, ein Film für alle, die das Kino und das Leben lieben. Lady Bird wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich ihrem Provinznest zu entkommen. Vielleicht ist sie einfach gelangweilt von den Menschen hier, vielleicht hat sie Angst davor, hier zu bleiben und mit einem vorgezeichneten Lebensplan zu enden, sie träumt von der Ostküste der USA, wo es mehr Kultur und mehr Freiheit gibt als im miefigen Sacramento. Die erste Liebe, das erste Mal, Zoff in der Schule, Streit mit dem Bruder, der Freundin und vor allem mit der überstrengen Mutter … all das sind bekannte pubertäre Begleiterscheinungen, doch wie Greta Gerwig daraus eine kluge, witzige Geschichte webt, ist so charmant wie elegant konstruiert, dabei bleibt sie ganz und gar realistisch, sie verklärt weder die Pubertät noch ihre Heldin, sondern zeichnet ein facettenreiches, intensives Bild ihres Charakters. Lady Bird will sich nicht anpassen, sie will anders sein, sie stellt Ansprüche, scheitert dabei hin und wieder, gelegentlich sogar vorhersehbar, aber sie steht immer wieder auf, berappelt sich und wird dabei erwachsen. In Saoirse Ronans blassem Renaissancegesicht spiegelt sich die alterstypische Unsicherheit ebenso wie ihr Mut, die Welt für sich zu entdecken. Und es macht sehr viel Spaß, sie dabei zu begleiten. Die Liste der Auszeichnungen und Nominierungen sprengt den Rahmen jeder Rezension. Dazu lässt sich sagen: Jeder einzelne Preis, jedes noch so große Lob ist verdient! Die Geschichte um Christine, die sich Lady Bird nennen lässt, wird so realistisch wie bezaubernd erzählt, ist herausragend gespielt, die Dialoge sind witzig, lakonisch und berührend, die Bilder sind natürlich. Dieser extrem sympathische Film überzeugt in jeder Hinsicht, ein kluges, warmherziges Drehbuch machen den Film zum Kinoerlebnis allererster Güte.

3 TAGE IN QUIBERON – 116 min. - Ab 6 J.   Ausgezeichnet mit dem Deutschen Filmpreis in sieben Kategorien.
Deutschland macht es seinen Stars oft nicht leicht, was besonders Romy Schneider erfahren musste, die bald nach Frankreich floh und dort zu dem Weltstar wurde, als der sie auch heute, gut 35 Jahre nach ihrem Tod, noch verehrt wird. Glücklich wurde sie allerdings nie, eine Hassliebe zur Presse und zur Öffentlichkeit prägte ihr Wesen, wie Emily Atef in ihrem ästhetischen, melancholischen Film zeigt. Ihre besondere Gabe, sagte Claude Sautet einmal, bestand darin, ihre männlichen Partner infrage zu stellen. Sie ist aber, gepaart mit der Fähigkeit, sich über die eigenen Gefühle Rechenschaft abzulegen, ein mächtiges Instrument, über das die Schauspielerin zumal in ihren Filmen mit Sautet verfügt: Romy Schneiders prägnanteste Leinwandcharaktere konfrontieren ihr Gegenüber mit der Resonanz ihres Handelns. Als Romy 1981 einwilligt, dem »Stern« ein Interview zu geben, scheint dieses Talent zur Konfrontation fast erloschen. Emily Atefs Film konzentriert sich, abgesehen von einem kurzen Epilog, auf dieses Ereignis. Die von Alkohol und Tabletten abhängige Schauspielerin (glänzend Marie Bäumer) hat sich zu diesem Zeitpunkt in eine als Hotel getarnte Entzugsklinik an der französischen Atlantikküste zurückgezogen. In diesem Zustand extremer Verletzbarkeit ist ihr bang vor dem Gespräch; sie hat ihre Jugendfreundin Hilde (Birgit Minichmayr) als Stütze ­hinzugeladen. Der ehrgeizige ­Reporter Michael Jürgs (Robert Gwisdek) sieht in dem Interview eine große Karrierechance; er wird begleitet vom Fotografen Robert Lebeck (Charly Hübner), der seit einigen Jahren Romys Vertrauen und auch Freundschaft genießt. Drei Tage verbringt das Quartett zusammen, drei Tage, in denen viel geredet und fotografiert, geraucht und getrunken wird, in denen sich Schneider, teils freiwillig, teils durch die provokanten Fragen Jürgs' aus der Reserve gelockt, in einem Maße offenbart wie sie das noch nie getan hatte. Und nie wieder tun würde, denn kaum ein Jahr nach den Tagen in Quiberon starb Schneider mit nur 43 Jahren, vermutlich an einer Überdosis Schmerztabletten. Das im April 1981 veröffentlichte Interview und die dazugehörigen Fotos, die Lebeck von Schneider machte, wurden durch die Umstände zu einer Art Vermächtnis, zu einem letzten, intimen Blick in ein abwechslungsreiches, vielfältiges, aber auch tragisches Leben, dass seit frühen Tagen stets im Blick der Öffentlichkeit stattfand. Als Opfer der Medien darf man Schneider aber nicht sehen, zumindest nicht ausschließlich. In ihrem auf Tatsachen beruhenden, aber doch freien biographischen Film geht es Emily Atef genau um diese Widersprüche, die Ambivalenzen in Schneiders Wesen, ihre fast manisch wirkende Art, ihr Wechsel zwischen Himmel hoch jauchzend und zu Tode betrübt. Wie Bäumer, die Schneider in Mimik und Gestik auf verblüffende Weise ähnelt, das spielt, die unglaubliche Offenheit von Schneidet andeutet, die ihren Leinwandfiguren so eine enorme Emotionalität verlieh, wie sie mal stark und selbstbewusst, mal schwach und verletzlich ist, allein das ist toll. Doch auch stilistisch weiß Atefs Film zu überzeugen, in weichem Schwarz-weiß gefilmt, den Bildern Lebecks nachgeahmt, der in Quiberon eine der bekanntesten Foto-Serien über die oft fotografierte Schneider einfing. Auch vom Wissen um das, was folgen sollte, lebt dieser Film, vom Wissen um den baldigen Tod Schneiders, die viel zu jung starb, aber in zahlreichen wunderbaren Filmen weiterlebt, und nun auch durch diese berührende, melancholische Hommage.
 
WEIT - Die Geschichte von einem Weg um die Welt - 125 min. - Ab 0 J.
Sie wollen ihr Zuhause verlassen, um zu entdecken, was Heimat für andere bedeutet: Das junge Paar Patrick und Gwen aus Freiburg zieht mit dem Rucksack gen Osten und weiter bis um die Welt. Die zwei versuchen dabei auch, sich in Verzicht zu üben. Das Ziel ist es, nicht mehr als fünf Euro am Tag auszugeben, und nicht zu fliegen. Jeder zurückgelegte Meter soll mit allen Sinnen wahrgenommen, Grenzen sollen ausgetestet und neben dem Verzicht soll auch der Genuss gelernt werden. Bei jedem Schritt wollen Patrick und Gwen spontan und neugierig bleiben. Die beiden sind drei Jahre und 110 Tage unterwegs, bewegen sich ausschließlich als Anhalter fort, ob mit Bus, Zug, Schiff. Am Ende kommen fast 100.000 Kilometer durch Europa, Asien sowie Nord- und Zentralamerika zusammen. Sie kehren zu dritt zurück. Im Mittelpunkt der Reise steht immer der unmittelbare Kontakt zu den Menschen, die sie durch das „per Anhalter reisen“ besonders intensiv erleben dürfen. Sie, und wir mit ihnen, sind mittendrin im Alltag der Menschen. Jedes Auto bringt eine neue Geschichte, eine neue Begegnung, die man so nie hätte planen können. Der Film und die beiden Reisenden Patrick und Gwen sind dermaßen sympathisch, dass man sich ungeheuer gerne mit ihnen auf ziemliche Abenteuer einläßt quer durch die Welt, meist trampend, oft im Zelt schlafend, oft auch bei Menschen, die sie unterwegs kennen lernen. Da Patrick zudem von Beruf Kameramann ist, kann man sich über erstaunlich professionelle Bilder freuen, die immer dicht dran sind an der Natur und den Mitmenschen. Viel schöner kann man nicht Lust machen aufs Reisen, auf Welt entdecken, auf Menschen kennen lernen. Ein Film wie eine gelebte Völkerverständigung, und ein Erfolgsprojekt ohnegleichen. Anfänglich gedacht, nur Bilder und Videos für Freunde ins Netz zu stellen, entwickelte sich daraus ein Kinofilm, der mittlerweile über 200.000 Besucher begeistert hat. Dabei sind die 130 Minuten des Kinofilms nur ein Bruchteil des Materials, das insgesamt zur Verfügung stand. Nach fünf Monaten anstrengender Deutschlandtour starten die beiden nun ihre Live-Bühnentour, mit weiteren Geschichten und vielen neuen Anekdoten. „Herzlichen Dank für all das schöne Feedback, das wir täglich persönlich, per mail, über das Gästebuch und Facebook bekommen! Es berührt uns immer wieder zu beobachten, was für eine Reichweite die wunderschönen Begegnungen, die wir auf unserer Reise erleben durften, nun haben. Grüße von Herzen: Patrick und Gwen. (www.weitumdiewelt.de).