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Der neue grosse Saal sagt hallo!Kinoansicht. S-Bahn Obertürkheim: 200m geradeaus und gleich links sehen Sie mich! Gastro

Unser Programm von Montag, 26.9. bis Mittwoch, 5.10.16.

WELCHER FILM IN KINOTHEK 1 ... Beginn DATUM WELCHER FILM IN KINOTHEK 2 ... Beginn
FRÜHSTÜCK BEI MONSIEUR HENRI 20.15 Mo 26.9. EWIGE JUGEND*** 20.15
TONI ERDMANN 20.00 Di 27.9. EIN GANZES HALBES JAHR 20.00
VOR DER MORGENRÖTE
TONI ERDMANN
17.30
20.00
Mi 28.9. SKY - DER HIMMEL IN MIR***
EIN GANZES HALBES JAHR
17.30
20.00
TONI ERDMANN 20.00 Do 29.9. FRÜHSTÜCK BEI MONSIEUR HENRI 20.00
TONI ERDMANN 20.00 Fr 30.9. FRÜHSTÜCK BEI MONSIEUR HENRI 20.00
VOR DER MORGENRÖTE
TONI ERDMANN
17.30
20.00
Sa 1.10. BIRNENKUCHEN MIT LAVENDEL
FRÜHSTÜCK BEI MONSIEUR HENRI
17.30
20.00
Steven Spielbergs BIG FRIENDLY GIANT
TONI ERDMANN
NEU   LOU ANDREAS-SALOMÉ
14.15
17.00
20.30
So 2.10. NEU  MULLEWAPP Eine schöne Schweinerei
NUR WIR DREI GEMEINSAM
EIN GANZES HALBES JAHR
14.15
17.00
20.30
Steven Spielbergs BIG FRIENDLY GIANT
TONI ERDMANN
LOU ANDREAS-SALOMÉ
14.15
17.00
20.30
Mo 3.10. MULLEWAPP Eine schöne Schweinerei
NUR WIR DREI GEMEINSAM
EIN GANZES HALBES JAHR
14.15
17.00
20.30
LOU ANDREAS-SALOMÉ 20.15 Di 4.10. NEU   THE BIG SHORT 20.15
VOR DER MORGENRÖTE**
LOU ANDREAS-SALOMÉ
18.00
20.15
Mi 5.10. BIRNENKUCHEN MIT LAVENDEL
THE BIG SHORT
18.00
20.15

* NUR NOCH KURZE ZEIT  |   ** VORAUSSICHTLICH LETZTE VORSTELLUNG.  |    *** LETZTE VORSTELLUNG.   |   ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR!
Wie zeigen jeweils die deutsche Fassung (2D), wenn nicht anders angegeben.  |  OF=Originalfassung  | OmU=Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Weitere Spieltage der einzelnen Filme stehen noch nicht fest. Aktualisierung des Programms jeden Montag nachmittag bis zum Mittwoch der Folgewoche.
Wir erstellen unser Filmprogramm im 7-Tage-Rhythmus! Zu Ihrer Information: Filme laufen bei uns, aufgrund der Fülle an Filmen, die für uns interessant sind und bei
nur zwei Kinosälen, nicht täglich(!) innerhalb der Kinowoche (Donnerstag bis Mittwoch), sondern wir zeigen diese über Wochen hinweg immer wieder tageweise.
Wie lange Ihr Wunschfilm noch bei uns im Programm sein wird?  Im obigen Spielplan können Sie von weiteren Vorstellungen eines Films ausgehen, sofern dieser nicht mit einem Stern gekennzeichnet ist. Bei den unten folgenden Kurzinhalten zu den Filmen machen wir jeweils in weiss hinterlegter Schrift eine vorsichtige Einschätzung,
wie lange wir den jeweiligen Film noch zeigen werden. Alle diesbezüglichen Angaben sind ohne Gewähr.


LOU ANDREAS-SALOMÉ – 113 min. – Ab 6 J.
Was für ein Leben! Was für eine Frau! »Wir wollen doch sehn, ob nicht die meisten sogenannten ›unübersteiglichen Schranken‹, die die Welt zieht, sich als harmlose Kreidestriche herausstellen!«, sagt die junge Lou Andreas-Salomé. Sie ist eine emanzipierte Frau, lange bevor es diesen Begriff überhaupt gab. Ihre Biografie liest sich dennoch, oder vielmehr: gerade deshalb als eine Parade berühmter Männer, darunter Rainer Maria Rilke, mit dem sie eine Affäre hatte; die Philosophen Friedrich Nietzsche und Paul Rée, die sie verehrten; Sigmund Freud, bei dem sie studierte. Es wirkt wie eine Ironie des Schicksals, dass ihr Name heute fast immer zusammen mit den Namen berühmterer Männer genannt wird. Zu Lebzeiten war sie oft die Stärkere, die Unabhängigere, die diverse Heiratsanträge ablehnte, die geistige Auseinandersetzung mit Männern suchte und weiterzog, wenn sich die Inspiration in ihren Augen erschöpft hatte. Sie war Philosophin, Schriftstellerin und Psychoanalytikerin, eine der gelehrtesten, geistreichsten und schillerndsten Frauen ihrer Zeit. Viel Raum räumt die Hommage den Beziehungen ein, die Lou Andreas-Salomé zu Dichtern und Denkern ihrer Zeit unterhielt. Zum Verdruss ihrer konservativen Mutter strebte die 1861 in Sankt Petersburg geborene Andreas-Salomé schon in ihrer Jugend ein Leben in völliger Selbstbestimmung an, wobei die geistige Weiterentwicklung für sie an oberster Stelle steht. Für eine Frau war das seinerzeit natürlich weder erwünscht, noch üblich, doch Lou verfügt über einen starken Willen. Um ihr Ziel zu erreichen, entsagt sie der körperlichen Liebe, damit die Herren der Schöpfung sie nicht vorrangig als Frau, sondern als kritischen Geist wahrnehmen. Ihr Streben führt sie an die Universität in Wien, wo sie die Philosophen Paul Rée und Friedrich Nietzsche kennenlernt, die beide von ihrer Ausstrahlung fasziniert sind und vergebens um sie buhlen. Liebe kommt für Lou erst ins Spiel, als sie den jungen Dichter Rainer-Maria Rilke kennenlernt und ihre selbstauferlegte Enthaltsamkeit über Bord wirft. „Die Welt, sie wird Dich schlecht begaben, glaube mirs, sofern Du willst ein Leben haben, raube Dirs!“ sagt Lou einmal direkt in die Kamera und bringt damit den unbändigen Lebens- und Freiheitsdrang auf den Punkt, der die Basis für ihre intellektuelle Neugierde bildete. Am Ende bietet das Porträt einen lebendigen Einblick in das Leben einer willensstarken Frau, die ihrer Zeit vielfach voraus war. Weitere Vorstellungen folgen.

THE BIG SHORT – 130 min. – Ab 12 J.
Mehr und mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass die kapitalistischen Gesellschaften auf einen Abgrund zusteuern: Fünf Billionen Dollar, eine Zahl mit zwölf Nullen, waren am Ende der Finanzkrise von 2008 vernichtet! Zehntausende Menschen verloren wegen fauler Darlehen ihre Häuser, Millionen wurden arbeitslos. Und die Folgen: keine. Doch: genau ein Banker musste ins Gefängnis, alle anderen gingen leer aus und scheffelten in den Folgejahren schon wieder Boni in Millionenhöhe. Doch hier geht es nicht bzw. nicht nur um Banker, sondern vor allem um eine Gesellschaft, die sich von seichter Unterhaltung einlullen lässt, die sich lieber ablenken lässt, als sich um das zu kümmern, was wirklich zählt. Warum Krisen, wie eben die durch faule Darlehen verursachte Finanzkrise von 2008 dennoch so wenig Folgen haben, versucht Adam McKay in seiner brillanten, ebenso scharfzüngigen wie tragischen Satire zu ergründen. So ist am Ende die Oberflächlichkeit der kapitalistischen Konsumgesellschaft ebenso wichtiges Thema wie die Finanzspekulationen der Banker. Und genau das macht McKays Film so zeitgemäß. Pflichtprogramm für jeden, der die Welt, in der wir leben, verstehen will. Nach einer wahren Geschichte, mit Starbesetzung: es spielen Christian Bale, Steve Carrell, Ryan Gosling und Brad Pitt. Nur für kurze Zeit. Weitere Vorstellungen folgen.

FRÜHSTÜCK BEI MONSIEUR HENRI – 98 min. – Ab 6 J.
Monsieur Henri ist ein Griesgram, wie er im Buche steht. In einem fort echauffiert sich der verwitwete Rentner über Gott und die Welt, seinen Sohn und dessen Frau Valérie. Weil er gesundheitlich nicht mehr ganz auf der Höhe und sein Pariser Apartment für eine Person viel zu groß ist, vermietet sein Sohn gegen den Willen des Alten eins der freien Zimmer. Als dann ausgerechnet die junge Studentin Constance an der Türschwelle steht, für Henri ein Inbegriff der unfähigen und verlotterten Jugend, lässt der ehemalige Buchhalter die junge Mitbewohnerin freilich nur zähneknirschend einziehen ... . Für sein Kinodebüt „Irène“ erhielt der französische Regisseur Ivan Calbérac 2003 eine César-Nominierung für das beste Erstlingswerk. Hier adaptiert er nun sein eigenes Boulevard-Theaterstück aus dem Jahr 2013, was sich in den geschliffenen Dialogen und Rededuellen widerspiegelt, die die Generationenkomödie entscheidend prägen. Mit französischer Leichtigkeit und der zündenden Chemie zwischen dem französischen Altstar Claude Brasseur („La Boum/Die Fete“, „Die Außenseiterbande“) und der schweizerischen Newcomerin Noémie Schmidt gelingt eine leichte, dialogreich-schlagfertig-bissige Komödie, die charmante Unterhaltung bietet. 
Weitere Vorstellungen folgen.
SKY - DER HIMMEL IN MIR - 102 min. - Ab 12 J.
Anfangs ist Romy mit ihrem Mann im Cabrio in den Weiten des amerikanischen Westens unterwegs. Doch ihre kriselnde Ehe findet in diesem Ferientrip ein plötzliches Ende. Nach vermeintlich tödlichen Handgreiflichkeiten flüchtet Romy und fühlt sich zwei Tage lang als Outlaw. Als sich die wahre Sachlage herausstellt, ist sie unvermittelt frei von allen Fesseln. Frei, durch die Gegend zu vagabundieren, sich treiben zu lassen. Es ist eine wahrhaftige Geschichte. Eine, die von den authentischen Figuren lebt, die einerseits vielschichtig, andererseits mysteriös sind. Man lernt viel über Romy, die deutschstämmige Französin, die in der Wüste den Mut findet, ein neues Leben anzufangen. Sie befindet sich in einem Käfig. Den der Gewohnheit, den der Umstände, den des Geldes, aber sie lässt alles zurück. Das ist ein mutiger Schritt, den im wahren Leben nur wenige wagen. Umso beeindruckender ist es dann, hier vorgeführt zu bekommen, was damit einhergeht. Ganz neu anzufangen, sich aber zugleich nicht zu verschließen, sondern einem neuen Menschen zu öffnen, ist eine große Herausforderung, die der Zuschauer zusammen mit Romy meistert. Dies ist vor allem Diane Krugers Film, aber auch Norman Reedus ist exzellent. Als ein Einzelgänger, der nicht an die Liebe glaubt und sich ihr verschließt, als sie bei ihm anklopft. Als Archetyp eines Mannes, der sich für eine Frau schlägt, der aber das tiefsinnig in Kontext setzen kann. Das sind starke, ehrliche Momente, die den Zuschauer dort treffen, wo es wirklich zählt: mitten ins Herz. Eine Liebesgeschichte, die abseits filmischen Pomps das Leben zelebriert, und die Freiheit, die sich jeder nehmen sollte, egal, welche Konsequenzen damit einhergehen. Mit einem der klassischen, nicht zuletzt filmischen Sehnsuchtsorte spielt Regisseurin Fabienne Berthaud (Barfuss auf Nacktschnecken) und inszeniert ein mäanderndes, episodenhaftes Road-Movie, mit einer Diane Kruger, die selten so überzeugend agierte.
 Letzte Vorstellung.
TONI ERDMANN - 162 min. - Ab 12 J.
Schon in ihren ersten beiden Filmen hat Maren Ade die Unzulänglichkeiten der Existenz und die Stromschnellen menschlicher Beziehungen mit schmerzlicher Genauigkeit ausgelotet. Doch die Nöte einer jungen, unerfahrenen Lehrerin in »Der Wald vor lauter Bäumen« und der quälende Urlaubszank eines Paares in »Alle anderen« waren nur Fingerübungen im Vergleich zu diesem minuziösen Meisterstück, das bei der Premiere in Cannes mit Standing Ovations gefeiert wurde. Es genügt ein Blick ins Gesicht von Sandra Hüller, um vom Strudel der Gefühle mitgerissen zu werden, diesem alles verschlingenden Mix aus Scham und Wut, Hilflosigkeit und schlechtem Gewissen, als sie in der Hotellobby - ihre Karriere als Unternehmensberaterin hat Ines nach Bukarest geführt - neben Kollegen und Kunden versucht, die Contenance zu wahren, als sie aus dem Augenwinkel ihren Vater (Peter Simonischeck) entdeckt, der sie unangemeldet besucht und dessen unterschwelliges Anliegen es ist, dass seine Tochter befreit wird aus ihrem Käfig der Kälte und Emotionslosigkeit. Am liebsten würde Ines ihn ignorieren. Weil das nicht geht, nimmt sie ihn notgedrungen auf einen Empfang mit, wo er mit Plastiktüte und Zottelklamotten ein wandelnder Affront ist und sie in ihrer ohnehin labilen Situation ständig aus dem Gleichgewicht bringt. Nach einer Abfolge peinlichster Momente bricht der Vater das Katastrophenwochenende ab, nur um in neuer Identität wieder aufzutauchen. Er klemmt sich ein Fastnachtsgebiss in den Mund, setzt eine Zottelperücke auf den Kopf und betritt als schmierige Kunstfigur Toni Erdmann die klinisch reine Businesswelt … und zwingt seine konsternierte Tochter zum Mitspielen. Mit seinem Schabernack macht er die feinen Haarrisse familiärer Verhältnisse und menschlicher Beziehungen sichtbar und entlarvt die Masken aller Umstehenden, bis sie am Ende im wahrsten Sinne des Wortes nackt dastehen. „Bist du überhaupt ein Mensch? Bist du glücklich?" Wie befreit er seine Tochter aus den Fängen einer Business-Welt, die nur noch Zahlen und Kennziffern kennt? Wie finden sie beide aus ihrer Sprachlosigkeit, über Jahre sich fremd geworden? Toni Erdmann "erdet" die künstliche Gesellschaft, der Mann aus der Fremde entfremdet die Figuren von ihrer Entfremdung. Selbst Ines, die eben noch vor Scham im Boden versinken wollte, fühlt sich von ihrem Vater angezogen, fast so, als erkenne sie in seinen Täuschungen ihre eigenen Selbsttäuschungen. Anfangs ist sie die versteinerte Medusa im Olymp der kapitalistischen Helden, dann, unmerklich, in unwillkürlichen Gesten, kehrt ihr Körper ins Leben zurück. Der Körper "weiß" noch etwas, er ist spontane Natur unterm Schuppenpanzer des aschgrauen Businesskostüms. Zwischen Entsetzen und Belustigung feiert sie auf einer Nacktparty schließlich den letzten Akt ihrer Emanzipation. Ines streift die falsche Haut ab, nicht länger ist ihr Körper ein Objekt von Dressur und Selbstbewirtschaftung. Nacktheit ist das wahre Leben im falschen. Endlich ist Ines frei genug, um peinlich zu sein, denn im Kreis von Untoten ist Peinlichkeit ein Zeichen der Freiheit. Dieser große Film fungiert dabei selbst wie ein Toni Erdmann. Das Kunstwerk doubelt seine eigene Figur und macht sich selbst zum Eindringling: In absurder Verkleidung fällt der Film in den Alltag des Publikums ein und spricht lustig über tragische Dinge, über Tod und Vergänglichkeit und die Einsamkeit des ökonomischen Menschen. Wer in Toni Erdmann lacht, der lebt noch. (Thomas Assheuer/Die Zeit).
Weitere Vorstellungen folgen.

EIN GANZES HALBES JAHR - 110 min. - Ab 6 J.
Das Kinodebüt der britischen Regisseurin Thea Sharrock adaptiert den gleichnamigen Roman von Jojo Moyes als Wohlfühlromanze mit einer ernsten Note. Ein lebensmüder junger Mann, der seit zwei Jahren im Rollstuhl sitzt, will in der Schweiz Sterbehilfe in Anspruch nehmen, und das, obwohl sich zwischen ihm und seiner unkonventionellen Pflegerin Louisa, einer absoluten Frohnatur, romantische Gefühle entwickeln. Sind die Gefühle auf beiden Seiten stark genug, Will von seinem Vorhaben abzubringen? Das schön fotografierte Romantikdrama taugt, im Gegensatz zum Buch, kaum als Grundlage für eine ernsthafte Diskussion über die an die Sterbehilfe geknüpften moralischen Fragen - Thema Selbstmord als Ausdruck persönlicher Freiheit -, dafür ist die Erzählung von dem fröhlichen Mädchen und dem lebensmüden Griesgram im Rollstuhl zu oberflächlich. Nur noch kurze Zeit.

NUR WIR DREI GEMEINSAM - 102 min. - Ab 6 J.
Dieser Film ist viel, viel mehr als eine Flüchtlingsgeschichte, auch wenn er allein damit schon überzeugt. Denn hier kommt eine wunderbare Komödie, ein warmherziger Familienfilm, ein kämpferisches Sozialdrama, und das alles in feinster Cineastenqualität! Es geht um die wahre Geschichte von Hibat und seiner Frau Fereshteh. Sie entkommen der Verfolgung im Iran und bauen sich in Frankreich ein neues Leben auf. Immer mit dabei: ihr Sohn. Das Multitalent Kheiron erzählt die Biographie seiner eigenen Familie mit Witz, Verstand und Leidenschaft und macht daraus ein optimistisches Plädoyer für Liebe und Menschlichkeit. Heimat ist da, wo die Familie ist, das könnte die Kernaussage dieses Films sein, der von Widerstand, Verfolgung und Flucht ebenso erzählt wie von Hoffnung und Neuaufbau. Kheiron, der ein wunderbarer Schauspieler ist und gleichzeitig Autor und Regisseur seiner eigenen Biographie, erzählt diese bewegende Geschichte als tragikomische und oft sehr schwarzhumorige Reise durch die Vergangenheit. Dabei gelingt es ihm, zwischen Ernst, Irrsinn und Komik zu balancieren wie ein besonders mutiger Seiltänzer, der die schwierigsten Passagen mit lässiger Eleganz überwindet. Grandios!
Nur noch kurze Zeit.
VOR DER MORGENRÖTE - 106 min. - Ab 6 J.
„Alle die fahlen Roße der Apokalypse sind durch mein Leben gestürmt“, schreibt Stefan Zweig, der österreichische Schriftsteller, Erzähler, Lyriker und Essayist aus dem jüdischen Bildungsbürgertum in seinem großen Epochenporträt „Die Welt von Gestern“. Auf der Flucht vor Hitler landet er als einer der letzten bedeutenden Realisten der deutschsprachigen Literatur in Brasilien. Sein brennender Wunsch: die Schaffung eines humanistischen Grundverständnisses in Europa, das bis in die Politik reichen sollte. Dadurch hoffte der überzeugte Pazifist den Terror des Nationalistischen zu stoppen. Als Biopic angelegt, erlangt der Film mit seiner Konzentration auf die Erfahrungen eines vor Krieg und Zerstörung Geflüchteten eine Allgemeingültigkeit und verweist somit auf gegenwärtige Migrationen und die Situation von geflüchteten Menschen. Maria Schraders Episodendrama spürt dem grausamen Bruch in Leben und Werk Stefans Zweigs nach. Den weit gereisten Kosmopoliten und überzeugten Pazifisten, einen der populärsten europäischen Schriftsteller, treibt die NS-Herrschaft in die Emigration. Zerrüttet vom „heimatlosen Wandern“ begeht der Weltbürger im brasilianischen Exil Selbstmord. In der scharfsinnigen Reflexion über Nationalismus und die Rolle des Intellektuellen in der Gesellschaft, überrascht Star-Kabarettist Josef Hader als sensibler, ambivalenter Autor. Die szenisch besten Momente liefert freilich das Spannungsverhältnis mit der grandiosen Charakterdarstellerin und Fassbinder-Heroine Barbara Sukowa. Multitalent Schrader nimmt nach ihrem furiosen Debüt mit der Romanverfilmung  „Liebesleben“ erneut auf dem Regiestuhl Platz. Und wieder geht die Berlinerin damit mutig ein künstlerisches Wagnis ein. Mit dem genialen Kameramann Wolfgang Thaler, der den Stil der österreichischen Ulrich-Seidel-Filme prägte, minimiert sich das Risiko. Seine kraftvoll pulsierenden Bildkompositionen vermitteln dem Zuschauer hervorragend, den quälenden Zwiespalt der Heimatlosigkeit im tropisch-brasilianischen Paradies. Nicht umsonst genießen die Österreicher im Filmkunstfach derzeit einen exzellenten Ruf. Vorausichtlich letzte Vorstellungen.
BIRNENKUCHEN MIT LAVENDEL – 101 min. – Ab 0 J.
Wie ein Himmelskörper landet Pierre im Leben der gerade verwitweten Birnen- und Lavendelbäuerin Louise und ihrer beiden Kinder. Ein Mann im Jetzt und Hier, scheinbar ohne Vergangenheit und Zukunft. Auf dem Nachhauseweg knallt er ihr unvermittelt vor die Motorhaube und rennt erst mal verstört ins nächste Feld. Er wirkt verwirrt und seltsam aus der Zeit gefallen, sie nimmt ihn kurzerhand mit zu sich nach Hause, ins nahe gelegene provenzalische Landhaus. So nimmt eine romantische Komödie ihren Lauf, die gegen den Strich gebürstet ist, weil Liebe im klassischen Sinn für beide nahezu ausgeschlossen ist. Für Louise, weil sie um ­ihren gerade verstorbenen Mann trauert, und für Pierre, weil ihm als Autisten Gefühle und Berührungen fremd sind. Manchmal kann ein kleiner Unfall auch ein unverhoffter Glücksfall sein: Könnte es sein, dass ausgerechnet dieser sensible Eigenbrötler die Lösung für ihre Probleme kennt? Éric Besnards modernes Märchen entführt uns in eine Welt voller kleiner Wunder, es ist eine Begegnung mit dem Anderssein, die von der Schönheit der Unschuld erzählt und von der Stärke in der Zerbrechlichkeit. Eine unromantische und doch märchenhafte Begegnung einer trauernden Obstbäuerin und eines ­charmanten Autisten.
(Deutsche Fassung). Weitere Vorstellungen folgen.

BIG FRIENDLY GIANT - 115 min. - Ab 6 J.
Vor fast 35 Jahren drehte Steven Spielberg „E.T. der Außerirdische“, seinen erfolgreichsten und vielleicht auch beliebtesten Film. Das Drehbuch schrieb damals Melissa Mathison, die nun auch für die Adaption des Kinderbuchs von Roald Dahl verantwortlich zeichnet. „Big Friendly Giant“ heißt das Ergebnis, es erreicht vielleicht nicht die Magie von Spielbergs besten Filmen, ist aber wie von Spielberg nicht anders zu erwarten technisch brillant und souverän inszeniert. Fraglos ist die Botschaft des Buchs eine, die sich auch in Spielbergs Filmen immer wieder findet: Toleranz für Außenseiter und Andersdenkende! Sowohl Sophie, Bücherwurm und Waise, - sie träumt von einer Welt außerhalb ihres Heims -, als auch der BFG stehen in ihrer jeweiligen Welt am Rand, sie sind anders als die Anderen. Oscar-Gewinner Mark Rylance leiht dem BFG dabei seine Gesichtszüge und vor allem seine Stimme und verleiht dem Riesen viel Wärme und Würde. Mag sein, dass diese Figur es ist, die Spielberg vor allem an der Geschichte interessierte. Denn der Riese und Spielberg arbeiten gewissermaßen in vergleichbaren Metiers: in einer Traumfabrik. Während der Riese mit in Gläsern eingefangenen Gedanken und Wünschen neue Traume (oder auch Albträume) kreieren kann, die die Menschen inspirieren, glücklich machen oder verstören, hat Spielberg die schier endlosen Möglichkeiten Hollywoods zu seiner Verfügung, mit denen er seit Jahrzehnten Illusionen erzeugt, Geschichten erzählt, traumhafte Welten entstehen lässt. Aber vielleicht sollte man diesen Vergleich auch nicht zu weit führen und „BFG – Big Friendly Giant“ einfach nur als souveräne Verfilmung eines Kinderbuchs betrachten.
 Vorausichtlich letzte Vorstellungen.

MULLEWAPP – Eine schöne Schweinerei - 79 min. – Ab 0 J.

Im beschaulichen Mullewapp leben das Schwein Waldemar, Johnny Mauser und Franz von Hahn ein friedliches Leben. Eines Tages wird es unerwartet unruhig auf dem Bauernhof: Das Wildschwein Horst von Borst mit seiner fiesen Bande taucht auf und hat es auf die Leckereien auf dem Hof abgesehen. Die Ereignisse überschlagen sich, auf einmal sind die drei Freunde unterwegs auf einer unfreiwilligen und besonders abenteuerlichen Fahrradtour. Die kultigen „Freunde“-Geschichten von Kinderbuchautor Helme Heine sind mit ihrem bekannten Charme zurück, die schon im ersten Trickfilm die ganz Kleinen und ihre Eltern bezauberten. Nur für kurze Zeit.
Textquellen: programmkino.de. kino.de.

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